Beiträge von Quasilotte

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    Cassian Rozier war viele Dinge gewesen in seinem Leben. Ein Dieb, ein Blender, ein Clown, ein verdammter Straßenkater mit zerfetzten Ohren und zu viel Stolz, um jemals einfach nur zu kuschen. Aber in diesem Moment war er nur eins: ein einziger, gieriger Rausch auf Jax’ Schoß, überzogen von Schweiß und Adrenalin, jeder Muskel gespannt, jeder Nerv auf Krawall gebürstet. Der Biss traf ihn wie ein elektrischer Schlag. Jax’ Zähne vergruben sich hart und ohne Rücksicht in seiner Haut und Cass sog scharf die Luft ein, ein unkontrolliertes „Fuck!“ auf den Lippen, das in ein kehliges Keuchen überging. Ja, genau so. Genau so wollte er das. Nicht weichgespült, nicht zart, sondern mit dieser rohen, fluchenden, durchgedrehten Echtheit, die ihm durch Mark und Bein fuhr. Sein ganzer Körper spannte sich unter der Berührung, sein Rücken durchbog sich leicht, als der Schmerz sich mit der Lust zu einem schimmernden Strom verband, der durch ihn hindurchjagte wie flüssiges Feuer. Er spürte die Hitze von Jax’ Hand unter dem Stoff, spürte, wie ungeschickt und doch bestimmt sich die Finger ihren Weg bahnten, aber er dachte keinen Moment daran, sich zu helfen oder ihn zu korrigieren. Das hier war nicht sein Moment. Und trotzdem war es genau das. Er wollte, dass Jax sich daran erinnerte, an jede verfluchte Sekunde davon. Und dann entrang dem Anderen dieses eine tiefe unkontrollierte Stöhnen, das irgendwo in Jax’ Brust begann und sich gegen seine Schulter presste, als wolle er es ertränken. Cass’ Blick flackerte. Für einen Moment erstarrte alles in ihm, dann fühlte er es. Spürte, wie sich unter seinen Fingern alles verkrampfte, wie der Körper unter ihm bebte, wie Jax kam. Und verdammt, Cass sog den Moment in sich auf, als hätte er sein Leben lang darauf gewartet. Sein Blick war wach und gierig. Er betrachtete ihn, wie man sich ein brennendes Haus ansieht. Mit schmutziger Faszination, mit einem Funken Stolz, der fast schmerzte. Ein schiefes, andächtiges Grinsen legte sich auf seine Lippen. „Du solltest mich öfter nicht knebeln, Jaxon“, raunte er heiser, seine Stimme rau vor Erregung, aber ohne das Bedürfnis, selbst den Abschluss zu suchen. Er brauchte keinen. Nicht, wenn Jax sich so unter ihm verlor. Cass war gekommen, ohne gekommen zu sein. Seine eigene Hand war feucht und herrlich dreckig. Und als Jax sich krümmte, ihn an sich zog, schwer atmend, da ließ Cass es geschehen. Nahm es hin, als wäre es ein Geschenk, das er sich verdient hatte. Doch während der Arm um seinen Rücken enger wurde, löste Cass mit Bedacht Jax’ Griff von seiner Härte. Er führte die Hand, noch von Lust überzogen, zu seinen Lippen und küsste sie am Handrücken. Eine Geste, so intim, dass sie fast zärtlich war. Und so völlig fehl am Platz zwischen dem verschwitzten Bankholz, dem dumpfen Flackern der Neonröhren und der Tatsache, dass seine eigene Erektion ihm gerade jeden klaren Gedanken raubte. Aber Cass dachte nicht daran, seine Lust war zweitrangig. Dieses Bild von Jax, verkrampft vor Ekstase, zusammengebrochen unter seinen Händen war mehr als genug. Ein Triumph. „Würde fast sagen, ich hab Dein Ego gebrochen, hm?“, grinste er mit diesem aufmüpfigen, sündigen Tonfall, während seine Stirn sich gegen Jax’ lehnte. Aber seine Finger, die sich nun in dessen Nacken legten, blieben ruhig. Nahezu ehrfürchtig, als würde er gerade etwas sehr Kostbares in Händen hielt. Für einen Atemzug blieb die Stille zwischen ihren Herzschlägen hängen, nicht ganz eindeutig, ob sie explodieren oder verschwinden will. Cass spürte Jax’ Herz gegen seine Brust schlagen, unregelmäßig, zu schnell, noch zu sehr gefangen im Nachhall dessen, was da gerade passiert war. Er verharrte nur noch einen Moment, genau lang genug, um mit dem Daumen einmal über Jax’ Nacken zu streichen, sachte, kaum mehr als ein Flüstern, das sagte: Ich hab’s bemerkt. Du zitterst. Dann bewegte er sich langsam und schob sich von Jax’ Schoß, ließ die Wärme zwischen ihnen abreißen, bevor sie zu viel forderte .. oder zu viel versprach. Seine Knie knirschten leise auf dem Holz, als er sich aufrichtete. Er atmete einmal durch, schloss kurz die Augen und schüttelte den Kopf wie jemand, der gerade einem verdammten Kometeneinschlag entkommen war .. oder der ihn ausgelöst hatte.

    „Holy shit…“, murmelte er, mehr zu sich selbst, als er sich die Finger an der eigenen Hose abwischte, dann griff er sich die Wasserflasche vom Boden, schraubte sie auf, trank, ließ ein paar Tropfen absichtlich über sein Kinn laufen, wie zur Abkühlung. Er war schweißnass, außer Atem, sein Brustkorb hob und senkte sich in einem Takt, der zeigte, wie sehr er sich zusammenreißen musste, nicht einfach wieder zu Jax zurückzukehren. Sein Blick wanderte zu ihm, verschleiert von dunklen Locken, neugierig und amüsiert. Jax wirkte, als würde er sich gleich in Rauch auflösen, wenn Cass ihn noch einmal berührte. Also tat er’s nicht. Stattdessen trat er einen halben Schritt zurück, hielt ihm die Flasche hin und konnte seinen Mund wieder nicht halten. „Für einen Hetero hast Du das verdammt überzeugend durchgezogen.“ Ein Grinsen zuckte über seine Lippen, so süffisant wie ein Siegel über etwas, das man nie wieder ganz zurücknehmen konnte. Aber seine Augen waren ruhiger. Er streckte sich ein wenig, schüttelte die müden Schultern aus und wanderte ein paar Schritte vom Ring weg, als wollte er Jax Raum geben. Aber nicht zu weit. Nur weit genug, dass Jax atmen konnte. Aber nicht weit genug, dass er ihn je wieder vergessen würde. Als Cass über die Schulter zu ihm blickte, war sein Blick unverschämt selbstsicher, tief durchdrungen von dem Wissen, das nur jemand haben konnte, der etwas gegeben hatte, das nicht jeder bekommt. „Und übrigens…“, sein Blick wanderte kurz nach unten, zu Jax’ Hose, zur Bank, „…Du solltest wirklich mal Deine Auswahl überdenken. Diese drittklassigen Kellnerinnen würden heulend in den Staub kotzen, wenn sie wüssten, wie Du gerade gekommen bist.“ Grinsend verschränkte er die Arme über der Brust und sah ihn an, als hätte er nicht gerade das fragile Herz eines Kämpfers berührt, sondern als hätte er es in seiner Tasche, zwischen Feuerzeugen, Spielkarten und einem dreckigen Lächeln versteckt. Er würde Jax nicht drängen, aber er war verdammt sicher, dass der andere dieses Feuer nicht mehr aus dem Kopf bekommen würde.

    Er hatte ihn noch immer im Mund, aber das hier war nicht wie sonst. Nicht wie früher. Nicht wie all die Male, in denen er gekniet hatte, weil es keine andere Option gab als Zähne zusammenbeißen und schön brav zu sein. Es war nicht der abgenutzte flüchtige Währungstauschen zwischen Lust und Lebensnotwendigkeit. Es war auch nicht dieser hohle, dreckige Glanz von Machtspielen auf Matratzenböden, bei denen er nie derjenige war, der gewann. Das hier war Jax. Und das hier… war anders. Cass spürte seinen eigenen Herzschlag bis in die Fingerspitzen, die sich noch immer um Jax’ Hüften krallten. Jeder Muskel vibrierte vor Anspannung, jedes Nervenende war wie freigelegt. Seine eigene Erregung pochte gegen den viel zu engen Stoff seiner Hose, aber er dachte nicht daran, sich selbst zu berühren. Das hier war kein Tauschgeschäft mit seiner Haut. Das hier war Hingabe. Er genoss es, Jax so zu sehen. Genoss die leise Kapitulation in seinem Keuchen, das unkontrollierte Zittern in den Oberschenkeln, den Moment, in dem der andere die Augen schloss und sich verlor. Cass sog ihn tiefer, verlangsamte den Rhythmus, als wolle er ihn damit festhalten.

    Er hatte sich oft gefragt, wie es sich anfühlen würde, wenn jemand seinen Namen in einem anderen Ton sagen würde als all die Fremden in dunklen Gassen, auf Rücksitzen, mit Geldscheinen zwischen den Zähnen. Und obwohl Jax gerade kaum noch sprach, so sagte dessen Körper alles. Cass hörte es in jedem Atemzug und in jedem ungewollten Zucken. Er hob langsam den Blick, seine Lippen umschlossen noch immer die empfindliche Stelle, aber seine Augen waren weit geöffnet, wach und aufmerksam. Er wollte ihn sehen. So echt wie nur möglich. Ein leises Zittern ging durch seinen eigenen Körper, als die Scham in ihm aufstieg wie Nebel. Nicht wegen dem, was er tat, mehr wegen dem, was er dabei fühlte. Ernsthaft jetzt? Ein abgerissener Stricher auf Knien, mit zerschlissener Seele und dreckigen Knöcheln, der sich an der Illusion festkrallt, dass das hier mehr ist als ein Moment im Rausch? Seine Finger glitten ein wenig fester in Jax’ Haut, als müsste er sich verankern gegen den Sog aus Gefühl und Vergangenheit. Gegen all die Male, in denen das hier nur eine Maske gewesen war. Aber das hier war keine Maske. Das hier war Cass auf Knien, ohne Schutz und doch so sicher wie lange nicht.

    Nur kurz darauf spürte er den Griff in seinem Haar und er versuchte erst gar nicht, sich aus ebenjenem zu lösen, obwohl er ihn lieber direkt über die Schwelle gebracht hätte. Stattdessen ergab er sich diesem harten Ruck mit einer Willigkeit, die beinahe lasziv war - ließ den Kopf zurückschnellen, ließ die Kehle bloßliegen wie ein offenes Buch, das Jax mit gierigen Händen auseinanderzerrte. Seine Lider flatterten, als er den Blick des anderen auf sich spürte. Dieser Ausdruck zwischen Rausch und Kontrollverlust, der ihn mehr aufwühlte als jeder keuchende Laut zuvor. Und als er nach hinten gezogen wurde, spürte er kurz, wie sich Widerstand in ihm regte, weil er diesen Blick länger sehen wollte. Weil er dieses Keuchen noch hören wollte. Weil er nie genug davon kriegen würde, Jax so zu sehen. Doch Cass gehorchte. Er ließ sich dirigieren, die Finger noch kurz an Jax’ Oberschenkel, ein stummes Bedauern darin, ehe er sich aufrichten ließ und dabei jedes Knien, jedes Ergeben, zu einem Akt der selbstgewählten Anbetung gemacht hatte. Das kalte Licht der Halle flackerte kurz. Vielleicht war es auch nur sein Herz, das zu flimmern begann, als er sah, wie Jax sich mit zusammengebissenen Zähnen setzte. Der knappe Befehl schoss ihm durch die Brust wie ein Impulsstrom. Cass hatte gar nicht gemerkt, wie sehr sein Körper darauf gewartet hatte. Ohne zu überlegen ließ er sich rittlings auf dessen Schoß ziehen, sein Gewicht vorsichtig verlagert, die Knie links und rechts von Jax auf der knarrenden Holzbank, sein verschwitzter Oberkörper nackt, glühend vor Erregung und Adrenalin. Die Hitze zwischen ihnen war kein einfaches Begehren mehr. Zu deutlich spürte er Jax’ Atem auf seinen Lippen, das Stöhnen, das der andere versuchte zu verschlucken, bevor sich sein Mund auf seinen presste. Der Geschmack war süchtig machend. Es war kein filmreifer Kuss, aber es war echt. Es war roh und zeugte von jener Kontrolle, die man sich gegenseitig aus dem Leib gerissen hatte. Als Jax sich zurückzog und stattdessen mit den Zähnen über Cass’ Hals wanderte, sog dieser scharf die Luft ein. Sein Körper zuckte unter der Berührung und vibrierte. Jeder einzelne Nerv stand blank. Und dann… dann wanderte Jax’ Hand tiefer. Cass hielt den Atem an weil sein gesamter Körper sich anspannte, als wolle er alles in sich speichern, was gerade geschah. Die Wärme der Hand auf seinem Schritt war wie ein Schlag, eine Droge, die sich schlagartig in seine Venen jagte. Sein Kopf sank leicht nach vorn, bis seine Stirn sich gegen Jax’ lehnte als müsste er sich erden. Sein Becken bewegte sich kaum spürbar gegen die streichelnde Hand, ein Reibungsimpuls, der mehr sagte als jedes Geständnis. Doch auch jetzt, mit pochender Härte und glühender Haut, empfand Cass kein Bedürfnis, die Kontrolle an sich zu reißen. Er genoss maßlos. Mit offener Brust und geschwollenem Herz. Rückblickend könnte er gar nicht mehr benennen, wie ungewohnt sich das hier anfühlte. Sein Blick fand Jax’, in dem sich das halbe Universum an Widerwillen und Begehren staute. Ein weiches, fast süffisantes Grinsen legte sich auf Cass’ Gesicht. Inzwischen bewegten sich seine Hüften eindeutig und provozierend. Cass war in diesem Moment nichts von dem, was andere in ihm sahen, er war nur ein Mensch, der zum ersten Mal in verdammt langer Zeit so berührt wurde, dass es etwas bedeutete.

    „Scheiße, Jax…“, murmelte er an dessen Hals, seine Stimme brüchig, als hätte sie den Halt verloren, aber mit einem Timbre, das nach mehr verlangte. Mit einer entwaffnenden Selbstverständlichkeit drängte er sich gegen Jaxon fucking Lewis, als hätte er nie irgendwo anders gesessen als genau hier, auf diesem fremdvertrauten Schoß, das Herz zu schnell, die Haut zu heiß, die Hüfte exakt dort, wo sie brennen sollte. Seine Hand schob sich zwischen sie, suchte nach Jax’ und legte sich darum, um einen unmissverständlichen Druck aufzubauen. Ein Befehl im Gewand einer Einladung. „So“, murmelte Cass, fast schon zärtlich, während er den Blick hob. „Genau so.“, begleitet von einem tiefen Keuchen. Seine Stirn lehnte sich gegen Jax’ Wange, während seine andere Hand nun selbst wanderte; über Jax’ Rücken, über die erhitzte Haut unter dem Shirt, suchte Halt in der Kuhle seines Kreuzes. Er rutschte ein Stück näher, ließ ihre Hüften aufeinanderstoßen, ein gezielter Reibungspunkt, bei dem ihm selbst die Luft wegblieb. Cass keuchte, vergrub das Gesicht für einen Moment an Jax’ Hals und ließ seine Lippen über ebenjenen wandern.

    Seine Hand, jene, die noch immer auf der des Blonden lag, begann nun selbst zu arbeiten. Nicht der Hauch von Scheu lag in dieser Bewegung und er spürte sich selbst dabei mit jedem Entgegenkommen mehr verlieren. Seine Züge waren glasig, sein Mund leicht geöffnet, als er flüsterte: „Ich will das zu Ende bringen, Jax. Ich will Dich zu Ende bringen.“ Ein kehliges Stöhnen entwich ihm, fast gegen dessen Schulter gebrannt, während seine Hüften sich im gleichen Rhythmus bewegten. Wie ein Tanz auf Messers Schneide. Als würden sie beide jeden Moment abstürzen. Und vielleicht war das so. Vielleicht würde das hier alles zerreißen. Aber verdammt, er würde brennen, bevor er losließ. Cass war nichts, wenn nicht ein Meister darin, alles zu geben. Und was er jetzt gab, war mehr als Körper. Alles oder nichts. Seine Hand griff zwischen sie beide, umfasste sogleich die Härte des Anderen, zunächst als vorsichtiges Ausloten seiner Vorlieben, während seine frevlerischen Finger ihn gänzlich umschlossen und ihn in einem fordernden Rhythmus massierten. Gleichzeitig steigerte sich der Druck in seinen Lenden schmerzhaft, wobei er jedoch versuchte sich zurückzuhalten, bis auch Jaxon hoffentlich auf seine Kosten kam.

    Cass’ Mundwinkel zuckten, als wäre Jax’ Kommentar der lächerlichste Versuch von Kontrolle, den er je gehört hatte. „Ein Foto?“, wiederholte er tonlos, während sein Blick zu der Stelle glitt, die er gerade freigelegt hatte. „Und Du glaubst, ich wäre hier, um Erinnerungen zu archivieren?“ Seine Stimme war dunkel, ein kehliges Timbre, das sich wie samtener Rauch um Jax’ halb gebrüllten Stolz zu legen versuchte. Cass hatte sich die Unterlippe zwischen die Zähne gezogen, jedoch weniger aus Nervosität als aus dem Versuch sich davon abzuhalten, in Lachen auszubrechen. Denn was er da unten vor sich hatte, war nicht nur eine Drohung, sondern auch ein Versprechen. Gewiss wäre dieser Schwanz ein Foto wert gewesen, würde Cassian Rozier auf Dickpics stehen.

    „Glaub mir, Jaxon… das hier bleibt mir nicht wegen ’nem Foto im Kopf.“ Er ließ die Fingerspitzen langsam und andächtig über die Innenseite von Jax’ Oberschenkeln gleiten, so sanft, dass es schon als Qual durchgehen konnte. Mit der anderen Hand legte er ihm gleichzeitig schwer die Hand gegen die Hüfte und drückte ihn damit gegen die Seile wie eine Warnung. Oder eine Einladung. Dann jedoch wurde sein Handgelenk ergriffen und stoppte ihn in seiner Bewegung auch Cass erstarrte für einen Moment, doch für ihn gab es jetzt kein Zurück mehr. Alles oder nichts.

    „Aber bitte…“, raunte er weiter und hob den Blick, eindeutig zu viel Gefallen daran findend den Blonden zu triezen, „…halt Dich ruhig fest, falls Du umfallen solltest. Ich bin nicht dafür verantwortlich, wenn Du von der Matte kippst.“ Ein dreister Schimmer lag in seinem Blick, etwas zwischen dieser Kerl gehört mirund und ich weiß es auch noch verdammt gut. Dann senkte er den Kopf ohne Eile, aber auch ohne jedes Zögern. Ein Kuss direkt unter dem Hüftknochen hauchte er, heiß und feucht, bevor er mit der Zunge einen schmalen, zitternden Pfad nach unten zeichnete. Sein Atem streifte die freigelegte Haut wie ein Fluch, der Wirkung zeigte. Und als er ihn endlich im Mund hatte, tat er es so selbstverständlich, als wäre es der einzige Ort gewesen, an den er gehört hätte. Während seine eigene Erregung schmerzhaft gegen den Stoff seiner Hose pochte, dachte Cass nicht im Entferntesten daran, an diesem Umstand etwas zu ändern. Viel eher ließ er seine Zungenspitze quälend langsam die volle Länge nachzeichnen, jede Ader unter der empfindlichen Haut zu deutlich spürend. Nur einen Atemzug später nahm er ihn tief sich auf, zog sich dann fast komplett zurück nur um mit noch mehr Druck und noch mehr Nachdruck wieder anzusetzen. Dass sie sich hier auf im Studio unter seinem Loft befanden, blendete er gänzlich aus. Sein Blick wich dabei kaum von Jax’ Gesicht, er wollte ihn so sehen. Genau so. Keuchend. Am Limit und zitternd vor Lust oder wahlweise vor Kontrollverlust. Seine Hände hielten ihn unnachgiebig fest, eine an der Hüfte, die andere zwischen den Schenkeln, fordernd und wach. Er wusste, was er tat. Und noch viel mehr wusste er, was er anrichtete. Der Braunhaarige ließ ihn nicht los, nicht in der Bewegung, nicht mit dem Blick. Und wenn Jax auch nur eine Sekunde daran gedacht hatte, dass das hier eine schlechte Idee war, dann würde Cass ihn in der nächsten gänzlich davon abbringen, denn dieses Spiel war längst verloren und Cass hatte vor, jeden einzelnen Punkt einzufordern.

    Nur zu deutlich spürte er, wie jeder Muskel unter seiner Haut vor Verlangen gespannt war. Es pulsierte durch ihn wie Strom, elektrisierte jede Faser, als würde sein eigenes Blut ihm zurufen. Seine Zunge glitt derweil erneut über die empfindliche Stelle, mit einem sadistischen Maß an Kontrolle, das ihm selbst beinahe gefährlich vorkam. Aber er genoss es. Genoss es, dass Jax zitterte, das Stöhnen, das der andere versuchte zu unterdrücken und ihm selbst direkt in die Lenden schoss. Cass wusste, wie sich Zurückhaltung anhörte, und genau deshalb forderte er sie heraus. Sein Griff an der Hüfte wurde fester, seine Finger gruben sich in die warme Haut, als wolle er ihn verankern, damit er nicht wegrutschte oder weglief. Die andere Hand glitt nun forsch zwischen seine Schenkel, verlangsamte sich dort, spielte mit diesem einen Punkt zwischen Intimität und Wahnsinn. Wieder schob er sich ein Stück näher, ließ ihn tief in seinen Hals gleiten, ohne Rücksicht aber mit vollster Absicht. Und verdammt, er konnte spüren, wie Jax’ Oberschenkel unter seinen Händen bebten. Er zog sich zurück, fast ganz, ließ nur noch die Spitze zwischen den Lippen verweilen, und sah dabei nach oben. Seine Zunge glitt provozierend ein letztes Mal entlang, wie ein Versprechen oder ein Ultimatum, bevor sein Rhythmus deutlich schneller wurde und seine Hand die volle Härte umfasste, um sie im selbigen Rhythmus zusätzlich zu massieren.

    Er wusste nicht, ob es sein Herz war, das gegen Jax’ Brust hämmerte oder dessen eigenes, es war zu eng zwischen ihnen als dass man den Unterschied hätte spüren können. Aber es war da. Dieses Pochen, dieses rhythmische, brutale Klopfen gegen seine Haut, gegen alles, was noch zu halten versucht hatte, was längst im freien Fall war. Cass dachte nicht mehr nach. Sein Körper bewegte sich, als hätte er nie etwas anderes getan als sich an Jaxon verdammt noch mal festzubeißen. Mit einer gierigen Bewegung schob er sich enger an ihn, drängte sich an die Wärme und an die Muskeln, an den widerständigen Körper, der sich noch immer nicht entschieden zu haben schien, ob er fliehen oder explodieren wollte. Cass presste sein Becken gegen Jax, ein stilles Hier. Jetzt. Spür mich. Seine Finger glitten indes ungeduldig unter das Shirt des anderen. Als müsste er sich davon überzeugen, dass das alles wirklich passierte, dass das echte Haut war unter seinen Handflächen, dass es keinen Moment später wieder verschwinden würde. Die Fingerspitzen streiften über warme Rippen, fanden Halt und krallten sich unter dem Stoff fest und zogen das Shirt Zentimeter für Zentimeter nach oben, bis es in Falten zwischen ihnen eingeklemmt war. Cass küsste ihn, als hinge alles davon ab. Als könnte er Jax zum Bleiben zwingen, gleichsam zum endlich-sich-fallen-lassen. Er saugte an seiner Unterlippe, biss, ließ los, atmete keuchend gegen seinen Mund, um ihn im nächsten Moment wieder zu versiegeln. „Scheiße, Jax“, keuchte er zwischen zwei Atemzügen. „Sag nichts. Denk nicht. Mach einfach.“ Seine Hand wanderte tiefer, glitt über Jax’ Seite, über das flimmernde Muskelspiel. Er hatte ihn nicht nur vor sich, er hatte ihn an den Seilen, eingeklemmt, fixiert zwischen Neonlicht und Herzklopfen, zwischen dem Knistern der Matte unter ihren Füßen und der Glut, die durch seine Brust wanderte. Sein Mund wanderte zu schnell und zu gierig, fand den Kieferknochen, die weiche Haut am Hals, die Stelle direkt unter dem Ohrläppchen, wo der Puls schlug. Cass sog sich daran fest, hinterließ rotglühende Spuren, als müsse er beweisen, dass er da gewesen war. Ein kurzes, gefährliches Zwicken in Jax’ Nacken, bevor er sich wieder löste, schwer atmend, aufgerissen wie ein wildes Tier, das endlich Blut gerochen hatte. „Willst Du das nicht, hm?“ Seine Stimme war kaum mehr als ein kehliges, provozierendes Raunen. „Willst Du mir ernsthaft sagen, dass Du das nicht willst?“ Und gleichzeitig flehte alles in ihm: Sag’s nicht. Er drückte sich erneut an ihn, härter diesmal. Seine Hüfte gegen Jax, bereit, hier und jetzt jedes verdammte Maß zu verlieren, wenn Jax ihn ließ. Die Welt da draußen konnte brennen. Phoenix konnte zugrunde gehen. Bobbie konnte verrecken. Miller konnte sie beide jagen. Scheiß drauf. Hier, in diesem Ring, in diesem Moment, war alles, was er brauchte, ein verdammter Blick.

    Sein Atem war unregelmäßig, als er die Stirn gegen Jax’ Schulter presste, einen Moment inne hielt und den Puls unter seinen Lippen zählte, dann hob er den Blick. Für einen Moment war alles zwischen ihnen elektrisch erstarrt, als würde jede weitere Sekunde den Funken entzünden, der die ganze Halle in Brand stecken würde.

    Und dann… Mit einem dunklen Glimmen in den Augen ließ er los. Er ließ alles los. Seltsam selbstbewusst glitten seine Fingerspitzen Jax’ Seite hinab, den Stoff streifend, jede Bewegung langsam und bewusst. Ein letztes Zucken in den Mundwinkeln und dann… ließ er sich auf die Knie sinken. Die Augen noch immer auf Jax gerichtet, ohne auch nur eine Sekunde wegzusehen. Seine Lippen leicht geöffnet, seine Hände fest und fordernd an den Hüften des Blonden, wie ein Dieb, der sich nimmt, was ihm nie versprochen wurde, aber verdammt nochmal längst gehört. Er kniete zwischen den Beinen des anderen, atmete gegen den Stoff seiner Hose und spürte die Hitze, das Leben darin und grinste unverschämt. Gleichsam wanderten seine Finger an der Innenseite von Jax’ Oberschenkel entlang. Unmissverständlich. Sein Daumen strich als sanftes Antesten über den Bund seiner Hose. Dann senkte er den Kopf. Seine Lippen streiften die Haut über Jax’ Hüftknochen, hinterließen feuchte, heiße Atemzüge wie eine Drohung. „Weißt Du…“, schwadronierte er und ließ seine Lippen über das freigelegte Stückchen der V-Linie gleiten. „.. Du schmeckst wahrscheinlich nach Dreck, Schweiß und Angst vor der eigenen Lust.“ Sein Blick zuckte nach oben, grün wie ein Höllenfeuer. Und dann, ohne Vorwarnung, breitete sich seine Hand auf dem Bauch des Anderen aus, ihn an Ort und Stelle haltend, während die andere Hand ihm Hose samt Boxershorts herunterzog.

    Was redete er da eigentlich? Cass lehnte sich mit dem Rücken gegen den Ringpfosten, das Shirt irgendwo auf dem Boden, der Schweiß klebte ihm wie Reue auf der Haut. Er hätte gehen sollen. Einfach sagen sollen: „Weißt du was, Jax? Danke für nichts, ich bin dann mal Luft.“ Aber nein. Stattdessen hatte er einen emotionalen Offenbarungseid hingelegt, mitten im Boxclub, barseelig, bar jeden Anstands. Hatte über sich selbst gesprochen wie ein verdammter Poetry-Slammer mit Midlife-Crisis, der das Mikro nicht mehr losließ. Seine Stirn senkte sich gegen das kühle Metall hinter ihm, seine Augen schlossen sich einen Augenblick. Natürlich redete Jax jetzt nicht. Der Typ hatte das emotionale Repertoire eines Goldfischs. Und Cass? Cass sabberte wie ein betrunkener Welpe seine Seele auf die Matte, während Jax da saß wie ein IKEA-Regal - nützlich, stabil, aber mit Sicherheit kein Ort für Herzgewitter. „Ich will, dass mich jemand aufhält“, äffte er sich in Gedanken selbst nach. Gott. Was zur Hölle war das gewesen? Wer hatte ihm diesen Satz in den Mund gelegt? War das noch er gewesen oder hatte sein innerer Achtjähriger mal kurz die Kontrolle übernommen? Er biss sich auf die Innenseite der Wange, nicht stark, aber so, dass da wenigstens irgendwas war, das er spüren konnte. Warum blieb er? Warum nicht einfach aufstehen, die Tür nehmen, ab durchs Fenster, wie früher. Wenn’s eng wurde, war er immer weg gewesen, ohne Abschied oder Erklärung. Nur ein leerer Platz und der Geruch seines Shampoos im Kissen. Diesmal war er geblieben. Und schlimmer noch, er hatte es gesagt. Laut. Hatte diesen Moment zugelassen, wo seine Worte in der Luft hingen wie Nebel, der nicht weichen wollte. Und Jax? War natürlich einfach weiter er selbst. Unerschütterlich distanziert. Ein Fels, dachte Cass bitter. Aber eben einer von der Sorte, auf die man stürzt, wenn man fällt.

    Er konnte spüren, wie seine Gedanken sich ineinander verkeilten, wie alte Drahtbügel in einem zu kleinen Schrank. Der eine Teil von ihm schrie: Renn! Jetzt! Der andere wies ihn an: Bleib. Nur noch kurz. Nur, bis du wieder weißt, wie man allein atmet. Er öffnete ein Auge und schielte rüber. Jax war da, mit diesem Blick, der immer ein bisschen zu viel und ein bisschen zu wenig sagte. Cass konnte ihn nicht lesen. Nicht wirklich. Nur spüren. Vielleicht war er dumm. Vielleicht hatte er zu viel Herz in der Brust für einen Dieb. Vielleicht hing da irgendwo ein unsichtbares Schild an ihm: „Fragil. Bei falscher Behandlung bricht’s.” Oder vielleicht… war er einfach nur müde. Müde vom Lügen. Vom Rennen. Müde davon, immer der zu sein, der zuerst wegging. Weil wenn er diesmal blieb, wenn er diesmal nicht der Erste war, der die Flucht ergriff, dann könnte es vielleicht, ganz vielleicht, das erste Mal sein, dass jemand sagte: Bleib doch. Aber natürlich würde Jax das nie sagen. Der Goldfisch schwieg lieber. Cass konnte sich ein Lächeln nicht ganz verkneifen. „Ich bin ein gottverdammter Idiot“, murmelte er in den Kragen des eigenen Schweigens hinein. Dann schloss er wieder die Augen. Vielleicht war Bleiben ja auch eine Art von Flucht. Nur andersrum.

    Als Jax „Hilf mir mal hoch“ sagte, zuckte Cass kaum merklich zusammen. Nicht weil er’s nicht wollte, im Gegenteil. Er hatte längst die Hand ausgestreckt, bevor sein Hirn irgendwas dazu sagen konnte. Es war absurd, wie vertraut sich das anfühlte, wie sich ihre Finger fanden, obwohl doch so vieles an ihnen gegeneinander arbeiten sollte. Seine Hand lag noch in Jax’ großer Pranke, als dieser sich so langsam aufrichtete, als würde die ganze verdammte Stadt an seinen Schultern hängen. Cass half ihm wortlos hoch, biss sich auf die Zunge, als wolle er gerade was sagen, was er besser nicht sollte. Die Hitze in seiner Brust war kein Rest vom Training mehr, das war inzwischen was anderes. Dann ließ Jax los, aber nur fast. Nur um einen Wimpernschlag später seine Hand auf Cass’ nackte Schulter sinken zu lassen. Und die brannte nicht nur vom Schweiß, sondern weil er spürte, wie wenig fehlte. Wie nah das war, was er sich sonst nur in Gedanken ausmalte, mit schmerzhaft präziser Fantasie. Cass war so verdammt bereit, etwas Gemeines zu sagen, irgendwas Spitzes, irgendwas, das die Elektrizität aus dieser Nähe ließ, bevor es zu spät war. Doch dann kam Jax’ Murmeln und ehe er sich versah, war Cass da. Gegen diese Brust gedrückt, die sich hob und senkte wie eine Festung, in der sich etwas rührte, das dort eigentlich nicht wohnen sollte. Nicht bei Jax. Nicht bei dem Mann mit dem verdammten Pokerface und dem zerfickten Heldensyndrom.

    Cass schloss die Augen, der Moment dehnte sich, wie die Sekunden kurz vorm Fallen. Er roch sich selbst und er roch Jax. Seine Stirn lehnte sich ungewollt an die Stelle zwischen Jax’ Schlüsselbein und Hals. Das war scheiße. Das war viel zu gut. Er lachte leise, ein gepresster Laut irgendwo in seinem Inneren, als Jax sprach. Ach, Jax. Hör auf. Hör einfach auf, nett zu sein, wenn Cass gerade eh schon alles in sich zusammenhalten musste wie ein Kartenhaus in der Zugluft.

    „Überlebenskünstler klingt irgendwie poetischer als abgerutschter Junkie mit zu viel Fresse“, murmelte er gegen den Stoff von Jax’ Shirt, was ungefähr so klang, als würde er sich gleichzeitig entschuldigen und aus der Affäre ziehen wollen. Er bewegte sich nicht, seine Hände hingen schlaff an Jax’ Rücken, als würde er nicht wissen, ob er sie heben oder vergraben sollte. Als Jax fester zudrückte, zuckte Cass kaum merklich. Aber dann kamen die anderen Worte. Cass schluckte so als hätte ihn jemand geschlagen, aber mitten ins Gefühl. Und nicht mal der verkaterte Witz in seinem Inneren hatte dafür spontan einen Kommentar parat. Oder mich. Das war der Haken, der sich festsetzte. Die Einladung zum Bleiben, verpackt als Warnschild. Wie immer bei Jax. Nähe mit eingebauter Notausgangsbeleuchtung.

    „Musst Du immer alles so sagen, dass ich’s nicht mal scheiße finden kann?“, brummte Cass heiser. Es war der Versuch eines Witzes, aber seine Stimme zitterte. Tastend hob er seine Hand und legte sie gegen Jax’ Seite, ganz leicht, fast schon schüchtern. Seine Finger waren warm, aber seine Geste zurückhaltend, als würde er sich selbst beim Fühlen beobachten. „Ich will nichts Einfaches. Ich will nur, dass Du…“ Er lehnte sich ein winziges Stück zurück, nicht viel, gerade so, dass er Jax in die Augen sehen konnte, obwohl sein Herz hämmerte wie irre. Cassian Rozier, König der flapsigen Sprüche, stand da mit nacktem Oberkörper, aufgerissenen Nerven und einem Blick, der zu weich war, um sich rauszureden. Dann blieb er einfach stehen, die Stirn wieder gegen Jax’ Hals, als würde sich da irgendwas reparieren lassen, das eigentlich längst kaputt war. Er konnte nicht sagen, was das hier war. Noch weniger, was es bedeutete. Aber für jetzt… wollte er einfach nicht loslassen. Trotzdem war es eine verdammte Zumutung. Ein Arm um seinen Nacken, eine Hand auf seiner verschwitzten Schulter. So fest, so still, so… weich, dass es sich anfühlte, als hätte jemand versehentlich Cass’ inneren Alarm deaktiviert. „Du bist nicht wie diese Stadt.“ Klick. „Du verdienst etwas Besseres als Bobbie… oder mich.“ Klick. „Ich kann Dir nicht versprechen, dass es einfach wird…“ Klick. Und dann dieser verdammte Druck. Das Brummen in Jax’ Brust. Seine Lippen direkt an Cass’ Haaransatz. Und diese verdammte Stimme, die klang, als wäre sie nicht gemacht, um so sanft zu sein. Klick. Klick. Klick. Er spürte, wie seine Muskeln zuckten, wie sein Magen sich verkrampfte. Wie die Worte „Ich will, dass mich jemand aufhält“ immer noch wie ein Brandzeichen unter seiner Haut glühten. Und jetzt stand der da. Der jemand. Der, der ihn halten könnte. Und so tat, als wüsste er nicht, was er da auslöste. Cass zog sich einen halben Atemzug zurück. Die Lippen halb geöffnet, als suchten sie nach einem Satz, der das hier retten könnte. Gab’s nicht. Nur den hier: „Halt die Fresse.“ Und dann tat er es. Unvermittelt stieß Cass sich nach vorn wie in einen Schlag. Seine Hand packte Jax am Shirt, Finger griffen den Blonden am Kragen, irgendwo, egal. Die andere Hand riss ihn am Nacken näher. Ein Ausbruch, ein verdammter Riss durch den Asphalt. Seine Lippen trafen Jax’ Mund wie ein Unfall. Unsauber. Kein Engel hätte das abgesegnet. Cass drängte sich gegen ihn, sein Körper vibrierte unter der Spannung und seine Finger krallten sich in Stoff und Haut, als wolle er alles festhalten, was gleich wieder verloren ging.

    Inzwischen hatte er seine Ellenbogen auf den Knien abgestützt, die Wasserflasche zwischen seinen Fingern balancierend wie ein zu leicht geratenes Gewicht, das trotzdem ständig drohte, ihm zu entgleiten, so wie scheinbar alles. Seine Brust hob und senkte sich kaum noch sichtbar von der Erschöpfung, aber innerlich war alles auf Anschlag. Jax’ Worte hallten unliebsam in seinem Schädel nach. Ohne mit der Wimper zu zucken hatte er die Worte des Blonden geschluckt, hatte nicht mal hingesehen als Jax sich neben ihn setzte. In Reichweite, aber trotzdem mit der üblichen Distanz. Er sagte erstmal nichts, weil man auf so eine Art Wahrheit keine schnellen Witze machen konnte, ohne sich selbst zu verraten. Weil er dieses bestimmte Ziehen in seiner Magengrube zu gut kannte - das, was kam, wenn jemand nicht nur den Spiegel hinhielt, sondern die Scherben gleich mitlieferte.

    „Wirst Du jetzt philosophisch, oder ist das schon Endzeitstimmung?“ Der Versuch eines Schmunzelns verpuffte schon bevor er ihn wirklich zuließ, seine Stimme kaum mehr als ein mickriger Hauch. Ein Schatten von dem Cass, der gerne lustig gewesen wäre. Der vielleicht kurz dachte, das sei jetzt der Moment für ein: Ich wollte ja eh nie hierbleiben, Jax, keine Sorge, ich pack dann gleich. Aber das wäre gelogen gewesen. Und er war ein verdammt guter Lügner - nur eben nicht bei ihm. Nicht mehr.

    „Ich beneide dich, Cass.“ Ein schnaubendes Lachen entwich seinen Lippen, sich so ungläubig anhörend wie er die Worte auffasste. „Wow. Das hat mir auch noch keiner gesagt, während ich Oberkörperfrei und durchgeschwitzt wie ein sterbender Igel am Boden sitze.“, brummte er und trank noch einen Schluck des Wassers, welches seine Lippe hinablief und sich einen Weg hinab seines Kinns bahnte. Er fuhr sich durch die Locken, als könnte er dabei den Schmerz wegreiben, der sich hinter der Stirn festgesetzt hatte, doch seine Hand sank genauso langsam wieder zu Boden wie die Wahrheit in ihm einsickerte.

    Du kannst gehen, wann immer Du willst. Cass schwieg lange und ließ die Stille einkehren. Die Art von Stille, die klebrig war wie das Pflaster auf einer alten Wunde, die man zu lange ignoriert hatte. Cass sah zur Tür. Sie war da. Offener als alles andere in diesem Drecksloch. Hinter dieser Tür war Freiheit. Nichts, was ihn hielt. Sein Blick stahl sich auf den Mann neben ihm. Und trotzdem..

    „Weißt Du…“, begann er leise und ließ den Blick über den leeren Raum schweifen, als suche er nach einem Grund. „Wenn man lang genug abhaut, wird das irgendwann zur einzigen Bewegung, die man kennt. Abhauen. Wegsein. Verpissen, bevor’s wehtut.“ Begleitet von einem Schulterzucken stahl sich sein Blick in das Gesicht des Anderen, die Wasserflasche stellte er zur Seite, bevor er sich ein wenig aufrichtete. „War ich gut drin. Bin’s wahrscheinlich immer noch. Nur… irgendwie hab ich diesmal vergessen zu rennen.“ Unruhig nestelten seine Finger an seinem zerschlissenen Shirt, suchten eine Beschäftigung. „Du redest davon, dass ich gehen kann, aber hast Du mal gesehen, wie viele meiner Schritte rückwärts waren? Ich hab mir das hier nicht ausgesucht, Jax. Die Stadt hat mich wie’n verdammter Magnet angezogen. Wahrscheinlich, weil sie aussieht wie ich innen drin.“ Hässlich und voller Dreck, den keiner wegräumt. Ein kurzes, zynisches Lachen entwich ihm. „Herzlichen Glückwunsch, das war die poetischste Depression seit Bukowski.“ Er atmete tief durch, als würde das was helfen. Als würde das alles leichter machen. Aber es machte nichts leichter.

    „Ich bin nicht geblieben, weil ich Bobbie geil finde oder auf schmierige Schwänze stehe, auch wenn mein Leben manchmal genau so aussieht. Aber ich hab was, was Leute wie Bobbie nicht haben. Ich tu wenigstens nicht so, als wär ich sauber.“ Schwer hingen die Worte in der Luft, doch sie waren raus. Und dann kam der Moment, in dem seine Stimme brüchiger wurde, ohne dass er es wollte.

    „Du sagst, niemand würde mich aufhalten. Aber das ist doch der Punkt, Jax.“ Langsam stand er auf, das Shirt ließ er am Boden. Sein Körper war immer noch angespannt, aber es war keine Kampfhaltung mehr. Nur ein Schatten davon. „Ich glaub, ich will, dass mich jemand aufhält.“, gab er mit einem schwachen Zucken seiner Mundwinkel zu. „Und verdammt, ich dachte vielleicht, Du…“ Er brach ab, sagte es nicht. Musste es nicht. Zu viel davon stand in der Luft, in Ari’s Worten, in der Art, wie Jax geschwiegen hatte. Cass trat zwei Schritte zur Seite, stützte sich an einem der Ringpfosten ab und ließ den Kopf sinken. In seinen Locken sammelte sich Schweiß und Stolz und irgendwas anderes, das sich wie Scham anfühlte.

    „Ich bin hier, weil ich nicht weiß, wohin sonst. Weil ich dachte, vielleicht… nur vielleicht… kann ich diesmal was richtig machen. Vielleicht sogar so richtig, dass es jemandem was bringt. Dir. Wenn dieser kranke Plan mit Montgomery funktioniert… dann ist Miller weg. Und Du bist raus. Und ich… Ich kann mich wieder irgendwo reinlügen. In irgendein Leben.“ Sein Blick zu Jax war weich, aber schwer. Eine Bitte, die er nicht laut aussprechen würde. „Ich will nicht, dass Du mich verstehst. Aber ich will nicht, dass Du mich hasst, nur weil ich geblieben bin. Und falls Du’s wirklich nicht verstehst, dann liegt’s vielleicht daran, dass Du nicht siehst, wie scheiß magnetisch Du bist, wenn Du versuchst, mich loszuwerden. Das ist nämlich der Trick an Magneten. Die stoßen sich auch manchmal ab.“

    Cass stand noch immer etwas abseits, die Wasserflasche in der Hand haltend, als Ariana zum verbalen Gegenschlag ausholte. Ihre Stimme war klar, fest und klang auf eine Weise, die selbst ihm ein wenig Respekt abrang - obwohl er sie kaum kannte. Vielleicht gerade deshalb. Sie hatte einen Nerv getroffen. Mehr als das. Als sie von Beziehungs-Problemchen sprach, zuckte Cass kaum merklich zusammen, obwohl er sich zwang, völlig unbeteiligt zu wirken. War doch nicht sein Problem, was hier vor sich ging. Oder?

    Er schluckte trocken, während das Handtuch langsam von seiner Schulter glitt und auf den Boden fiel. Erst als Ariana den Ring endgültig verließ und ihm damit in der Luft eine Art Schlussstrich vor die Füße knallte, hob Cass langsam den Kopf. Der Ausdruck in seinem Gesicht war schwer zu deuten; irgendwo zwischen brennender Überforderung, unterdrücktem Trotz und einer verlegenen Art von Anerkennung. Vielleicht ein Hauch von „Shit. Die ist nicht blöd.“

    Er schnaufte durch, noch ein Krampf irgendwo unter der Rippe jagte durch seinen Körper. Es war verdammt heiß hier drin. Oder er war einfach nur verdammt durch. Ohne viel Aufhebens griff er sich den Saum seines durchnässten Shirts, zog es sich mit fahriger Bewegung über den Kopf und warf es achtlos neben das Handtuch. Sein Brustkorb hob und senkte sich zu schnell und zu flach, aber immerhin ließ ihn die stickige Luft nicht direkt kollabieren. Seine Haut war glänzend vom Schweiß, die Locken klebten ihm in der Stirn.

    Mit dem Handrücken fuhr er sich über die Wange und schnaufte. “Vögelt endlich.” Der Satz hatte sich in seinen Hirnwindungen eingenistet wie eine Wespe im Wasserglas. Großartig. Jetzt stand das auch noch im Raum.

    Ein kurzer Blick folgte zu Jax, dann zu den Seilen des Rings, dann wieder weg. Und dann, leise und noch ein wenig atemlos entfuhr ihm ein: „Kann die öfter da sein?“ Seine Mundwinkel zuckten, eine Spur matten Humors. Kein echtes Grinsen, eher ein Reflex, weil er sich ertappt fühlte. Erneut betrachtete er Jaxon einen Augenblick lang. Fühlte dieser sich wohl auch erwischt? Er ließ sich langsam auf den Boden sinken, sich gegen die Seile des Rings lehnend, als wolle er sich für fünf Minuten unsichtbar machen. Die Muskeln in seinen Oberschenkeln zuckten vor Übermüdung, seine Rippen brannten, und seine Nerven vibrierten irgendwo zwischen „Ich raste gleich aus“ und „Berühr mich und ich schreie“.

    Den Kopf lehnte er nach hinten und warf Jax einen knappen, schwer lesbaren Blick zu. Fast wie eine Aufforderung, fast wie ein Test. Dann griff er sich die Wasserflasche wieder, nippte daran, hob sie in einer Geste, die nicht spöttisch war, aber auch nicht sonderlich friedlich.

    „Auf uns. Die größte Entspannungsübung der Welt. Oder wahlweise das dümmste Vorspiel der Menschheitsgeschichte.“ Er sah zur Tür, durch die Ariana verschwunden war.

    „Du bist ihr m wichtig, merkt man.“, murmelte er. Er verzichtete darauf anzumerken, dass es bei ihm gelegentlich auch so war. Dann lehnte er den Kopf zurück, schloss die Augen, ließ das Brennen in seinem Körper ein bisschen weniger schlimm erscheinen, indem er einfach für einen Moment… nichts sagte.

    Cass fing die Wasserflasche mit einem knappen, fahrigen Reflex, ließ sich jedoch nicht sofort nieder, sondern blieb einen Moment reglos stehen. Seine zitternden Finger umklammerten das Plastik so fest, als wolle er es zerdrücken. Schweiß rann ihm über die Stirn, brannte in seinen Augen und vermischte sich mit etwas, das ganz sicher nichts mit Anstrengung zu tun hatte. Die letzten Minuten hatten sich angefühlt wie Stunden. Die letzten zwei Tage wie ein endloser Riss, der sich nicht mehr schließen wollte. Ein Flimmern zog durch seinen Blick, während sein Brustkorb sich hektisch hob und senkte, angestrengter als die Situation es rechtfertigte. Es war nicht nur die Übung. Es war alles. Der Entzug, die Stille, das unausgesprochene Schweigen in einem Bett, das sich längst zu groß anfühlte. Und jetzt auch noch Jax, der am Rand saß und ihm Befehle zurief, als wär er irgendein Rekrut in einer Doku über Typen mit Daddy-Issues.

    „Du bist klein, Cass, aber flink.” Oh. Es. Reicht.

    „Weißt Du was, Jax? Wenn ich nochmal hören muss, wie klein ich bin, dann tret ich Dir das andere Knie auch noch kaputt, damit wir beide auf Augenhöhe kämpfen können.“, knurrte er aggressiv und trat ein paar Schritte zurück, rieb sich mit dem Handrücken über die Stirn und warf Ariana einen schnellen, entschuldigenden Blick zu, nicht wegen der Worte an sich , sondern weil sie die nächste Salve nicht verdient hatte. Sie war okay. Und das war durchaus noch schwerer zu ertragen als Jax’ rücksichtsloses Dauer-Bellen.

    „Weißt Du, was ich mich ernsthaft frage?“ Cass stieß die Wasserflasche auf die Matte, sodass sie davonrollte. „Warum genau ich das hier mache. Wirklich. Warum zum Teufel es Dich plötzlich interessiert, ob ich in einem Park von irgendeinem Typen erwürgt werde. Ich dachte, das wär der Plan. Ich bin doch nur der Köder, oder? Der Typ, der naiv genug ist, in einen Hinterhalt zu laufen. Aber oh, halt - jetzt soll ich auch noch sportlich dabei aussehen?“ Die Stimme des Diebes schwankte, zersplitterte zwischen Spott und echtem Zorn. Er ging nicht zurück in Position, stattdessen drehte er sich zu Jax und deutete mit einem schweißnassen Finger auf ihn. „Seit zwei Tagen sprichst Du kein Wort mit mir, außer Du willst, dass ich mir neue Schmerzen zulege oder den Kaffee anders umrühre.“ Seine Stimme wurde leiser. „Aber wehe, ich komm auf die Idee, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Dann krieg ich Trainingslager deluxe und Befehlston gratis dazu.“ Sein Blick huschte kurz zu Ariana, dann wieder zurück, mit einer fahrigen Geste, die deutlich machte, dass das hier nicht gegen sie ging. Nur gegen ihn. Diesen Kerl, der seit zwei Tagen eine Mauer baute und Cass wie einen lästigen Praktikanten behandelte.

    „Du willst, dass ich mich verteidige? Kein Ding. Ich verteidige mich.“ Hektisch trat er zurück, griff sich ein Handtuch und warf es sich um den Nacken, als wolle er jeden Schweißtropfen damit abstreifen. Jeden Gedanken an Nähe gleich mit. „Aber das hier?“ Er zeigte auf die Matte, auf Ari, auf Jax, auf alles. „Das ist kein Training. Das ist Demütigung.“ Dann trat er einen Schritt zurück, das Handtuch rutschte halb von seiner Schulter. „Ich mach mit. Ich bin brav. Ich tanz, wenn Du pfeifst. Aber wenn Du nochmal so tust, als wär ich nur irgendein Fisch auf dem Trockenen, Jax, dann solltest Du besser anfangen zu schwimmen.“ Seine Stimme war leise, aber da war etwas Bedrohliches darunter, ein Schmerz, der sich irgendwann eine Bahn schlagen würde. Und er würde nicht mehr so leise sein.

    Cass starrte Jax einen Moment an. Dann wandte er sich zur Seite, beugte sich herunter, hob die Wasserflasche auf und trank mit zitternden Händen. Die Erschöpfung hatte sich längst nicht nur in seinen Muskeln festgesetzt. „Nochmal“, murmelte er dann zu Ariana gewandt. Die Wut war nicht weg. Bereit, später explodieren zu dürfen. Nur… nicht vor ihr als Zeuge. Der Lockenkopf trat zurück in die Mitte, der Boden unter seinen Füßen fühlte sich nicht mehr wie eine Matte an, sondern wie Sand. Zu weich, um darauf zu stehen, zu hart, um darin unterzugehen. Ariana war schon wieder in Position. Der Ring war zu hell beleuchtet. Die Neonröhren flackerten irgendwo tief in seinem Hirn wie alte Gewitter und seine Muskeln zitterten nicht mehr nur vom Training, sondern weil sie seit zwei Tagen keine Hilfe mehr bekommen hatten. Kein Schuss, kein Schluck, keine Pillen. Nur Wasser, Wut und das Geräusch seiner eigenen Atemzüge. Die Gier war noch da. Und sie war ein Miststück. Sie sprach in seinem Kopf mit der Stimme seiner Mutter. Und manchmal - inzwischen viel öfter - mit der von Jax.

    Gott, sei nicht nett, sei nicht nett, dachte er, während seine Füße sich falsch bewegten. Die Schritte waren nicht falsch, weil er es nicht konnte, ihm fehlte schlichtweg der Sinn dafür, im Kampf zu funktionieren. Er war nicht hier, um zu kämpfen. Nicht für sich und schon gar nicht für Sicherheit. Er war hier, weil Jax es wollte.

    Jax mit seinem stummen Blick. Jax mit seinem Schweigen. Jax mit dem einen gemeinsamen Bett und der Null gemeinsamen Worte seitdem. Jax mit seinem Gottverdammten Knie und seinem Gottverdammten Schweigen.

    Cass wich einen Schritt zurück, zu früh, ließ Aris Arm an seiner Schulter vorbeisegeln. Er war schnell, ja. Aber das war nicht das Problem. Er hätte schneller sein können, wenn sein Kopf nicht doppelt so schwer wäre wie der Rest seines Körpers. Wenn sein Magen nicht leer und sein Gehirn nicht voll gewesen wäre, voller Jax, voller Druck, voller… Leere. Ari versuchte ihn erneut zu greifen, diesmal mit mehr Schwung. Cass konterte reflexhaft, stellte das Bein aus, fand einen Hebel. Fast. Aber wieder nicht ganz. Wieder dieser eine verdammte Moment zu spät. Ihr Arm legte sich um seinen Nacken, und für eine Sekunde war alles zu viel. Sein Körper spannte sich, seine Hände griffen nach Aris Arm, jedoch zu unkoordiniert. Sie wich zurück und Cass taumelte weil er das Gleichgewicht längst verloren hatte. Irgendwo zwischen Selbstachtung und Erbärmlichkeit.

    „Konzentrier Dich, Cass“, hörte er jemanden sagen. Vielleicht Ariana. Vielleicht Jax, vielleicht auch nur er selbst. Aber er lachte nur trocken, während er sich aufrichtete, die Hände auf die Oberschenkel gestützt. „Ich konzentriere mich die ganze Zeit, nur halt nicht auf Boxen.“ Sein Herz schlug zu laut. Und niemand fragte, ob das hier vielleicht der beschissenste Moment für einen Entzug war. Niemand fragte, ob man vielleicht vorher mal reden sollte. Ob man den Jungen, den man nachts behalten hatte, auch tagsüber sehen wollte.

    Ariana sah ihn an, dann trat sie wieder in Position und Cass nickte. Wie ein Hund.

    Na los. Noch eine Runde. Noch ein Griff. Noch ein Schlag. Vielleicht macht’s dann endlich Klick. Vielleicht wird es dann wenigstens kurz wieder still im Kopf.

    Er spürte es, als Ari ihn erneut packte. Es hatte keinen Sinn sich rauszuwinden, wenn man nicht wusste wie. Cass ließ es über sich ergehen, weil er plötzlich nicht mehr wollte.

    Ein dumpfes Wumm ertönte, als sein Rücken auf die Matte traf. Schon wieder. Der Hall dröhnte in seinen Ohren, als hätte jemand dort kleine Glöckchen angebunden. Seine Rippen schmerzten synchron zu dem Rest seines Körpers. Er starrte an die Decke und hielt die Luft an, die ihm mit dem Aufprall aus den Lungen gepresst wurde. Wie falsch er hier war in dieser Rolle, die man ihm gerade wie eine neue Haut überstreifen wollte. Cassian Rozier, der Kämpfer. Das war ein Witz. Ein schlechter noch dazu. Er war kein Kämpfer. Er war ein Lügner. Ein Dieb. Ein Spatz mit zu großen Flügeln und zu viel Gerede im Schnabel. Ein Trickser, der sich durch die Welt lavierte, weil er wusste, wann man reden, wann man rennen, wann man einfach verschwinden musste. Er hatte immer mit den Augen gewonnen oder mit der Zunge. Mit einem Nicken, einem Lächeln, einem Messer im richtigen Moment. Nicht mit den Fäusten. Was sollte das hier also? Warum schleppte Jax ihn hierher, jeden verdammten Tag, als müsse er aus ihm eine Version machen, die ihn überlebte? Was wollte er sehen? Ein kleines, kämpfendes Abziehbild? Einen funktionierenden Schatten mit schneller Reaktion und einem Haken, der saß? Warum, verdammt noch mal, war es Jax so wichtig, dass Cass sich verteidigen konnte? Und warum… Warum machte Cass das mit? Er hätte doch gehen können. Hätte schon vor zwei Tagen gehen können. Oder gestern. Oder eben gerade, als Aris Arm ihn wieder zu Boden geschickt hatte. Aber er war geblieben. Weil er jede Nacht in diesem Bett aufgewacht war, in dem Jax schlief, und er nicht wusste, ob es die Nähe war, die ihn hielt oder das Schweigen, das ihn zerstörte. Weil er sich auf krankhafte Weise beweisen wollte. Gegenüber diesem stummen, schweigenden, urteilenden Mann auf dem Hocker, der ein gottverdammter Fixpunkt geworden war.

    „Genug“, murmelte Cass kaum hörbar, während er sich aufrichtete und die Matte zwischen seinen Fingern spürte. Ariana beugte sich vor, streckte ihm eine Hand entgegen, doch Cass griff nicht zu. Schwankend und alleine stand er auf, wie eine Marionette mit abgegriffenen Fäden.

    Seine Brust hob und senkte sich heftig, als er sich zu Jax herumdrehte. Dessen Blick war der Schlimmste. Diese Mischung aus Kontrolle und Unnachgiebigkeit. Als wäre er ein Sergeant. Cass fuhr sich mit dem Handrücken über die Stirn, wischte Schweiß weg und vielleicht auch ein bisschen Selbstachtung.

    „Ich bin kein Kämpfer“, sagte er dann leise. „Ich hab mich durchs Leben getrickst, nicht durchgeprügelt. Weißt Du, was mich auf der Straße am Leben gehalten hat, Jax? Nicht mein linker Haken. Sondern, dass ich wusste, wann ich verschwinden muss. Oder lächeln. Oder lügen.“ Er schritt aus dem Ring, die Seile streiften seine Schultern wie ein letzter Versuch, ihn festzuhalten. Er nahm die Wasserflasche von der Bank, trank einen Schluck und verzog das Gesicht.

    Oh, das traf. Mit voller Wucht. Cass’ Bewegung fror mitten im Raum ein, als hätte Jaxon mit seinen Worten auf Pause gedrückt. Die Tasse in seiner Hand vibrierte leicht, der Kaffee schwappte gefährlich nah an den Rand, aber er bemerkte es kaum. Sein Blick, eben noch fiebrig leuchtend vor Adrenalin und Größenwahn, kippte langsam und wurde ungewöhnlich hart für den sonst so verspielten Dieb. Naiv. Vier Buchstaben, die hängenblieben wie ein Splitter unter seiner blassen Haut.

    Sein grünes Augenpaar bohrte sich in die Wand, konsequent vermeidend seinen Blick auf den Blonden zu legen. Stattdessen tat er so, als müsse er seinen Becher abstellen. Tat so, als müsse er erst atmen. Tat so, als wäre das hier gerade kein Schlag in den Magen gewesen, sondern bloß… Lärm. Aber seine Schultern spannten sich, und das allein verriet ihn. Als er sich schließlich umwandte, war da kein Grinsen mehr auf seinen Lippen. Kein „Haha, ich bin Cass, ich spiel das runter“. Da war nur etwas wirklich Angepisstes, während er das Handy hart umklammerte.

    „Naiv“, wiederholte er langsam, nahezu neugierig, als würde er das Wort von allen Seiten betrachten. Gewiss konnte der Blonde nicht wissen, wie triggernd ebenjene Bezeichnung für ihn war, gar so sehr, dass er auf die weiteren Worte von Jax gar nicht erst weiter einging, sich lieber an diesem Wort aufhing, welches er schon zu oft zu hören bekommen hat. Seine Stimme war ruhig, als er sie erhob. „Interessant. Genau das Wort hab ich auch benutzt, als ich das erste Mal auf der Straße geschlafen hab. Hat mir da auch jeder erklärt, wie naiv ich bin.“ Mit überschwänglicher Kontrolle ging er durch den Raum und stellte seine Tasse auf der Fensterbank ab, dann wandte er sich dem Blonden zu.

    „Du glaubst echt, ich wär aufgewacht und hätte mir gedacht: Oh wow, heute ruinier ich mir mal spaßeshalber die Existenz, weil ich Langeweile hab?“ Ein kurzes, freudloses Lachen entwich seiner trockenen Kehle. „Ich weiß, dass das nach einer Falle stinkt. Herzlichen Glückwunsch. Du bist nicht der Einzige mit einem funktionierenden Paranoia-Zentrum.“ Cass trat ein, zwei Schritte herausfordernd näher. Für gewöhnlich vertraute er neuerdings auf Jax‘ Urteil, aber in diesem Augenblick beschloss er, sich nicht alles gefallen zu lassen. Vielleicht nicht der beste Zeitpunkt.

    „Und weißt Du, was mich gerade wirklich ankotzt?“, fuhr er mit scharfer Stimme fort. „Nicht, dass Du Angst hast. Nicht mal, dass Du recht haben könntest. Sondern dass Du sofort beschließt, ich wäre nicht in der Lage dazu meinen Scheiß selbst zu regeln. Dass Du das regelst. Mit Lance. Mit Bobbie.“

    Er deutete mit dem Handy in Jax’ Richtung, ein kleiner, zitternder Halbkreis in der Luft.

    „Ich bin kein verdammtes Projekt, Jax. Auch kein Kind, das man ins Bett schickt, während die Erwachsenen draußen reden. Und ganz sicher nicht jemand, für den Du ‘das regelst’.“ Sein Blick glitt einen Moment zur Seite, als müsste er verhindern, dass etwas Überflüssiges - Verletzliches - rausrutschte, dann blickte er zurück zu Jax. „Wenn ich verschwinde, dann weil ich mich dafür entschieden hab, dieses Risiko einzugehen. Das ist mein verdammtes Spiel. Meine Schuld. Mein Preis.“ Er fuhr sich durch die Locken, unruhig und überladen, Dramaqueen-Modus voll aktiviert.
    „Also ja. Vielleicht ist es eine Falle. Vielleicht lande ich in ’nem schwarzen Sack. Vielleicht endet das beschissen.“ Abschätzig zuckte er mit seinen Schultern. „Willkommen in meinem Lebenslauf.“ In sein Augenpaar legte sich unsagbare Sturheit. „Aber wenn Du mir noch einmal sagst, ich sei naiv oder dass Du das für mich regelst, dann kannst Du Dir den verfickten Kaffee sonst wohin kippen. Ich brauch keinen scheiß Bodyguard. Ich brauch auch keinen Retter.“ Mit den letzten Worten wurde seine Stimme leiser, sich zur Ruhe zwingend, weil er durchaus selbst merkte, dass er es übertrieb. Kopfschüttelnd griff er nach der Kaffeetasse, trank einen großen Schluck und ignorierte, wie heiß das Getränk noch war. „Ich brauch nur, dass Du mir nicht das Gefühl gibst, ich wäre zu dumm, um meine eigenen Entscheidungen zu treffen.“ Dramaqueen? Ja. Aber eine mit verdammt klarer Grenze.

    Vom Vogel und dem Fuchs

    Diese Geschichte bewegt sich konsequent im dunklen Spektrum. Sie kann Darstellungen und Themen beinhalten wie Entführung von Minderjährigen, körperliche und psychische Gewalt, Trauma, Retraumatisierung, Abhängigkeit und Sucht, Machtgefälle, Kontrollverlust, Schuld, Vernachlässigung sowie moralisch ambivalente Entscheidungen. Wer klare Triggergrenzen braucht oder heilende Narrative erwartet, sollte Abstand nehmen.


    ❚ ❚ ❚

    Selbst durch den dünnen Stoff der Hose fühlte sich der Boden kalt an. A jedoch hatte gelernt, das zu ignorieren. Kälte war zumindest besser als Geräusche. Kälte tat nicht weh, wenn er still genug blieb. B lag auf der Matratze, die eigentlich keine war, mehr ein zusammengefallenes Etwas, das nach Staub und Schweiß roch. Er war noch kleiner und zerbrechlicher als A selbst. Zusammengerollt, als wollte er sich selbst verschwinden lassen. Die Knie viel zu nah an der Brust, die Hände zu Fäusten gekrallt, als hielten sie etwas fest, das längst weg war. A kniete sich langsam neben ihn. Er hatte gelernt, dass schnelle Bewegungen B erschreckten. Dass B dann die Luft anhielt, als könnte er so aufhören zu existieren.
    „Hey", flüsterte A, nicht lauter als nötig. Eigentlich mehr Atem als Wort. „Ich bin da." B rührte sich nicht sofort, nur seine Augenlider zuckten. Dann entwich ihm ein leises Geräusch, irgendwo zwischen einem Schlucken und einem Wimmern. A griff nach dem Becher. Er war aus Plastik und angeschlagen am Rand. Das Wasser darin war lauwarm, aber es war alles, was es gab. Er hielt ihn B an die Lippen, vorsichtig, wie er es sich selbst beigebracht hatte. „Nur ein bisschen", murmelte er. „Okay?" B schüttelte kaum merklich den Kopf. A wartete und zählte innerlich. Eins. Zwei. Drei. Er zwang sich zur Geduld. Geduld war eine der wenigen Sachen, die sie hier drinnen hatten. „Ich trink zuerst", sagte er dann und nahm selbst einen Schluck. Zeigte es B ganz bewusst. „Siehst Du? Nicht schlimm." B öffnete schließlich den Mund, seine Lippen waren rissig und blassbläulich. A hielt den Becher mit beiden Händen, damit er nicht zitterte, trotzdem lief ein bisschen Wasser daneben und benetzte Bs Kinn. A wischte es mit dem Ärmel ab. Der Stoff war rau, aber sanft genug. „Gut", flüsterte er. „Ganz toll." B verzog das Gesicht, als hätte ihn das Wort überrascht. Toll war ein Wort von früher. Ein Wort von draußen. „Tut... tut weh", murmelte B. Seine Stimme war heiser, als hätte er lange nicht gesprochen. A wusste sofort, was er meinte. „Ich weiß." Er griff nach dem Stoffstreifen, den er aus einem alten Shirt gerissen hatte. A hatte ihn schon bereitgelegt, ordentlich gefaltet, als wäre Ordnung etwas, das hier einen Sinn ergab. „Ich mach's langsam", sagte er. „Sag Bescheid, wenn's zu viel ist." Vorsichtig hob er Bs Shirt an, die Haut darunter war empfindlich, fast durchsichtig. A biss sich auf die Innenseite der Wange und zwang sich, nicht zu schnell zu atmen. Er durfte nicht wütend werden. „Du kannst meine Hand drücken", sagte er stattdessen und schob sie unter Bs Finger, welcher zögerte. Nach ein paar Sekunden schloss sich seine Hand um As Daumen. Viel zu fest für so einen kleinen Körper. A begann, den Stoff anzulegen, zwar provisorisch und schief, aber haltend. Seine Finger kannten diese Bewegungen inzwischen. Er wusste, wo er nicht feste drücken durfte. Wo B zusammenzuckte. Wo er den Atem anhielt. „Du bist gut", sagte A leise. „Du machst das gut."
    „Du gehst nicht weg?", fragte B plötzlich. Die Worte kamen hastig, als hätte er Angst, sie könnten verloren gehen, wenn er zu langsam war. A sah ihn an. „Nein." Es war keine große Lüge, mehr ein Versprechen für diesen Moment. „Ich bleib hier." Wo sollte er auch anders hin? B nickte, als hätte er genau das gebraucht. Seine Hand lockerte sich ein wenig.
    Als A fertig war, lehnte er sich mit dem Rücken gegen die Wand. Der Putz bröckelte und fiel im durch den Halsausschnitt seine Schulter hinab. Er spürte es kaum, als er die Knie anzog und B näher rutschen ließ, bis dessen Kopf gegen seine Seite lehnte. Sie sagten nichts mehr, denn manchmal war Stille das Sicherste, was man teilen konnte. A zählte wieder Bs Atemzüge. Eins. Zwei. Drei. Solange er sie zählen konnte, war alles noch da.



    Wochen später

    Die Tür wurde achtlos zugestoßen, A zuckte trotzdem zusammen. Der Mann sagte nichts. Er schob B nur vor sich her, ein paar Schritte, dann ließ er ihn los. Bs Füße rutschten über den Boden, als hätten sie das Prinzip des Stehens vergessen. Er blieb einen Moment einfach so stehen, der Kopf gesenkt, die Arme seltsam eng am Körper haltend. Dann ging die Tür wieder zu und die schweren Schritte entfernten sich. A wartete und zählte. Eins. Zwei. Drei. Dem Drang auf B zuzurennen musste er widerstehen. Das durfte er nicht. Er zwang seine Beine stattdessen sich langsam zu bewegen, obwohl in seinem Kopf alles schrie. „Hey", sagte er schließlich mit einer betont ruhigen Stimme, die er sich lange antrainiert hatte. „Komm her." B bewegte sich erst viel später, als hätte das Wort Zeit gebraucht, um bei ihm anzukommen. Er stolperte, fing sich gerade noch und ging dann weiter. Seine Augen waren leer auf diese spezielle Art, die A inzwischen kannte. Weg. Ganz weit weg. A setzte sich auf den Boden und klopfte neben sich. „Hier." B ließ sich fallen, mehr als dass er sich setzte. Er zitterte als wäre sein Körper aus dünnem Papier. A zog langsam die Decke über ihre Beine. Sie roch muffig, aber sie war warm. Vorsichtig legte er einen Arm um B, ohne ihn festzuhalten.. B sagte nichts, weinte nicht. Das war das Schlimmste. A schluckte. Sein Hals tat weh. Alles tat weh. Aber das war egal. „Soll ich Dir was erzählen?", fragte er leise. Natürlich bekam er keine Antwort. A wartete trotzdem nicht auf eine. Er wusste, dass Zuhören manchmal auch dann passierte, wenn jemand aussah, als wäre er weg. „Okay", murmelte er. „Ich erzähl Dir was." Sein blauer Blick starrte auf die Wand gegenüber. Da war ein Riss, der aussah wie ein Blitz. Er hatte ihm schon mal einen Namen gegeben. Heute fiel ihm keiner ein. „Also...", begann er. „Es war einmal ein ganz kleiner Vogel." B bewegte sich kaum merklich, sein Kopf lehnte jetzt an As Schulter. „Der Vogel war so klein, dass er dachte, er könnte gar nicht fliegen", fuhr A fort. „Er hatte Flügel, klar. Aber die taten ihm immer weh. Also blieb er lieber sitzen. Ganz still." A legte die Hand auf Bs Rücken, spürte, wie er atmete. Flach, aber da. „Der Vogel lebte an einem Ort, der nicht schön war", sagte A. „Da war es laut. Und dunkel. Und manchmal haben andere Tiere vergessen, dass er da ist." Er stockte, zwang sich jedoch weiterzumachen. „Aber", sagte er schnell, „es gab da auch einen Fuchs." B hob minimal den Kopf. „Der Fuchs war ein bisschen größer", erzählte A. „Und er wusste ein paar Dinge. Nicht alles. Aber genug. Und er hat dem Vogel gesagt: ‚Du bist nicht kaputt. Deine Flügel schlafen nur.'" A lächelte schief, ohne es zu merken. „Und immer, wenn es besonders schlimm war, hat der Fuchs sich neben den Vogel gelegt. Ganz dicht. Damit er nicht friert." Bs Finger krallten sich plötzlich in As Shirt. A atmete einmal tief durch. „Der Vogel dachte manchmal, der Fuchs würde eines Tages weggehen", sagte A. „Dass er einfach... verschwindet. Aber der Fuchs hat gesagt: ‚Ich bleib. Auch wenn ich Angst hab.'" Seine Stimme zitterte jetzt ein wenig. Er hasste das, aber er konnte nicht mehr zurück. „Und weißt Du, was das Wichtigste war?", flüsterte er. „Der Fuchs hat dem Vogel jeden Tag dieselbe Sache gesagt." A beugte sich ein Stück näher. Sein Mund war jetzt ganz nah an Bs Ohr. „Er hat gesagt: ‚Was sie mit Dir machen, ist nicht, wer Du bist. Und auch wenn der Vogel das manchmal nicht glauben konnte", fuhr er fort, „hat er es sich gemerkt. Tief drin. Für später." Er schwieg. Die Geschichte war zu Ende. Oder er konnte einfach nicht mehr.
    Lange saßen sie so da - mehr blieb ihnen auch nicht übrig, eingesperrt in diesem Raum. A hielt B fest, als wäre sein eigener Körper das Einzige, was noch zwischen ihm und dem Nichts stand. „Der Vogel lebt noch", flüsterte A schließlich. Mehr zu sich selbst als zu B. „Okay?" B nickte kaum sichtbar. Seine Stirn drückte sich fester an As Schulter. Dieser blieb wach, bis der Atem des Jüngeren ruhiger wurde. Er wusste nicht, ob die Geschichte geholfen hatte, aber er wusste solange er sie erzählen konnte, war B nicht allein.


    ❚ ❚ ❚


    Zwei Jungen werden entführt. A ist der Erste. Alt genug, um zu begreifen, dass Schreien nichts bringt. B kommt später, ist kleiner und zerbrechlicher. Und A übernimmt eine Rolle, die keinem Kind zusteht. Er kümmert sich um ihn so gut er kann - mit Wasser, mit Decken, mit Geschichten, mit der bloßen Anwesenheit seines Körpers und mit allem, was die Hölle hergibt, in der sie sich befinden. A entkommt. B bleibt zurück. Was hätte sein können, lässt sich später nicht mehr sagen. Jahre vergehen. Aus A wird jemand, der nach außen hin funktioniert. Aus B wird jemand, der nie aufgehört hat, dort zu sein. Der Eine Teil eines Systems, der Andere ein Kollateralschaden. Der Eine gegangen, der Andere geblieben.

    Das Haus der Dumbledores lag vor ihm, ein massiver Schatten aus Geheimnissen und zu früh getragenen Verantwortungen. Er stand reglos am Rand des Lichts, die Hände locker in den Taschen, den Blick auf die Straße gerichtet, die sich wie ein stilles Versprechen in die Nacht zog. Godric’s Hollow war nach Sonnenuntergang ein anderer Ort, wirkte weitaus weniger harmlos und bereit, sich erklären zu lassen. Genau so mochte er es. Freunde, hatte Bathilda gesagt. Das Wort hatte ihn amüsiert. Noch immer tat es das. Gellert Grindelwald hatte keine Freunde, er hatte sie nie gebraucht. Freundschaft implizierte Gleichgewicht, Gegenseitigkeit, ein stilles Einverständnis darüber, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Ein hübsches Konzept - theoretisch. Praktisch war es unerquicklich. Die meisten Menschen waren nicht dafür gemacht, neben ihm zu stehen, ohne irgendwann hinter ihm zurückzufallen, also folgten sie oder sie gingen. Gefolge war ehrlich, Freundschaft hingegen war sentimentale Selbsttäuschung. Und doch… Albus Dumbledore schien sich in keine seiner üblichen Schubladen stecken lassen zu wollen. Er dachte an ihn, während er wartete. Nicht zum ersten Mal an diesem Abend. Nicht zum zweiten. Es war kein bewusstes Grübeln, eher ein Eindringen. Ein Gedanke, der sich aufdrängte, weil er sich nicht sauber einordnen ließ. Sein Körper, den Raum, den Albus einnahm, ohne ihn zu beanspruchen. Die Art, wie er seine Bürde trug wie eine zweite Haut. Und diese Augen. Wach, müde, gefährlich nah an etwas, das Gellert nicht benennen wollte. Seine Gedanken glitten tiefer an einen Ort, den er kannte und beherrschte. Fantasien waren kein direkter Kontrollverlust, weswegen er sie sich erlaubte. Sie waren ein Experimentierraum. Ein Ort, an dem er Möglichkeiten durchspielte, ohne Konsequenzen zu riskieren. Er stellte sich vor, wie Albus klang, wenn er aufhörte zu erklären. Wie er aussähe, wenn er nicht mehr trug, sondern gehalten wurde oder gezwungen, das Gewicht abzugeben. Der Gedanke war .. „Lumos.“, drang es an ihn heran, unterbrach seine pubertären Fantasien und ließ ihn aufschrecken. Das Licht schnitt durch die Nacht wie ein Messer. Nach einem kurzen Moment, in dem er es schaffte sich wieder zu fassen, wandte er lediglich langsam den Kopf, als das fahle Leuchten über die Straße glitt und Albus aus der Dunkelheit heraustrat, real genug, um jede Vorstellung abrupt zum Verstummen zu bringen. Für einen flüchtigen Moment ärgerte ihn das. Nicht, weil die Fantasie beendet wurde, sondern weil sie so mühelos ersetzt worden war.

    Albus indes fügte sich erstaunlich gut in diese Nacht. Das fuchsbraune Haar, das er sich verlegen aus der Stirn strich, die Bewegung, die nichts mit Koketterie zu tun hatte, aber dennoch Gellerts Aufmerksamkeit auf sich zog. Er sah das alles und musterte ihn im Licht des Zaubers, das mehr preisgab, als diesem vermutlich lieb war. Die Anspannung, die Neugier. Ein Magnet, für wahr. Magnetismus funktionierte schließlich in beide Richtungen. Als Albus den Weg wies, folgte Gellerts Blick der Bewegung seines Arms, der Linie des Pfades, der sich im Dunkel verlor. Gemächlich trat er neben ihn, nicht davor, nichtda hinter. Genau auf Augenhöhe. Er ließ den Satz unkommentiert, während sie sich in Bewegung setzten, Schritt für Schritt, das Licht vor ihnen, die Nacht um sie herum. Die Frage kam, wie er sie erwartet hatte, was ihn zum Lächeln brachte. „Habseligkeiten“, wiederholte er langsam. „Ein interessantes Wort.“ Er warf Albus einen Seitenblick zu, musterte sein Profil, die Konzentration, mit der er sprach, als müsse er sich selbst davon überzeugen, dass er diese Frage stellen durfte. „Ich glaube nicht“, fuhr Gellert fort, „dass man Dinge von solcher Bedeutung einfach mit sich begräbt. Menschen neigen dazu, das Wertvolle weiterzugeben. Oder es zu verstecken. Manchmal beides. Aber vielleicht irre ich mich..“ Der Kies knirschte unter ihren Schuhen. Die Luft war kühl, aber nicht unangenehm. Gellert spürte die Nähe des Anderen und stellte mit nüchterner Genugtuung fest, dass sie ihn nicht ablenkte. Sie schärfte ihn. „Verstehen, wie etwas in Vergessenheit geraten konnte, das so hartnäckig erinnert wird.“, entgegnete er auf die Frage des älteren Zauberers hin. „Und vielleicht“, fügte er hinzu, „herausfinden, wer davon profitiert hat.“ Er schwieg einen Moment, ließ die Worte zwischen ihnen stehen als Einladung zum Denken. Bathildas Stimme tauchte wieder in seinem Kopf auf - Freunde. Ein fast belustigendes Konzept, wenn man bedachte, dass er hier ging, nachts, auf einem Friedhofspfad, neben einem Mann, der ihm mehr Aufmerksamkeit schenkte, als klug war. Vielleicht, dachte Gellert, war das der Fehler in Bathildas Annahme. Vielleicht brauchte es keine Freundschaft. Vielleicht reichte etwas Gefährlicheres. Er sah Albus an, während sie weitergingen, und lächelte erneut, dieses Mal kaum sichtbar, aber ehrlich in seiner Berechnung. „Wenn ich nur spazieren gehen wollte, hätte ich mir tatsächlich einen hübscheren Ort ausgesucht.“ Der Friedhof wartete. Kein Wind, kein Rascheln, kein Laut außer ihren Schritten vermochte auf dem schmalen Pfad zwischen den Grabsteinen zu erklingen. Die Nacht lag schwer über dem Gelände. Gellert ließ den Blick über die schiefen Grabmale gleiten, über Namen, die sich gegenseitig überlebt hatten, und spürte dieses vertraute, nüchterne Kribbeln, das ihn immer dann erfasste, wenn er sich am Rand einer Erkenntnis bewegte. Hier musste es also sein. Der Stein der Peverells war unscheinbar, als er ihn gefunden hat. Kein Schutzzauber, der sich aufdrängte, keine übertriebene Ehrfurcht. Ein Grab, das darauf vertraute, vergessen zu werden. Er blieb stehen, betrachtete es einen Moment lang, als prüfe er nicht den Ort, sondern die Entscheidung, ihn so zu belassen. Gellert wusste, dass dies der Moment war, in dem andere sich erklären würden. Sich möglicherweise rechtfertigten oder abwägten. Er tat nichts davon. Stattdessen trat er vor, kniete sich ohne Hast neben den Grabstein und strich mit den Fingern über die Erde. Seine Bewegung war ruhig, beinahe beiläufig, als sei dies kein Tabubruch, sondern eine logische Fortsetzung des Weges, den sie eingeschlagen hatten. Dann begann er zu graben.

    Cass blinzelte langsam. Ungefähr so, wie andere Leute eine Bombe entschärften. Kurz darauf entwich ihm ein nervöses Schnauben, ein Laut zwischen nervösem Lachen und einem „Ich raste gleich aus“-Zucken. „Also wenn ich gewusst hätte, dass man sich nur übers Knie legen lassen muss, um von Dir endlich mal geküsst zu werden - hätte ich schon vor Tagen das Bad geputzt und ‘Daddy’ gerufen, sobald Du heimkommst.“ Ein breites und schiefes Grinsen zuckte über seine Lippen, während er gefährlich nah am emotionalen Exitus stand.

    „Aber gut zu wissen, dass ich Dich nur verwirren muss, um Kaffee ans Bett zu servieren. Gibt’s dafür ne Treuekarte? Nach zehn Tritten kriegst Du nen Zungenkuss gratis?“ Als er begriff, dass sein Mund wieder einmal schneller handelte als sein Gehirn, richtete er sich auf und ließ sich langsam aus dem Bett gleiten. Seine Rippen protestierten dabei, aber hey, wenigstens der Schmerz machte den Dieb wach. Und das brauchte er jetzt. Wachheit. Kontrolle und Abstand. Zumindest die Sorte Abstand, bei der er noch Kaffee machen konnte, ohne sich in Jax’ Blick zu verlieren.

    „Ich bring Dir einen mit, ja. Ohne Gift. Ohne Sperma. Und ohne Botschaft in Milchschrift, versprochen.“, plapperte er sogleich und schlurfte direkt los in Richtung Küche, rieb sich dabei über den Nacken, als wolle er die Worte, das Grinsen und diese verdammte Hitze aus seinem Körper wischen. Doch sein Blick blieb auf Jax liegen, nur ein Sekundenbruchteil zu lang. Ein Fehler. Cass Rozier durfte nicht weich sein.

    Das Vibrieren erklang und der Dieb hielt in der Bewegung inne. Seine Braue hob sich leicht, als dieses angespannte, tiefergelegte Raunen von Jax ihn erreichte, das mehr über den Zustand seines Nervensystems verriet, als ihm vermutlich lieb war. "Entspann Dich, Cowboy", flötete Cass nachlässig, drehte sich zur Seite und fischte sein vibrierendes Handy vom Boden, wo es unter einem zerknüllten Shirt gelegen hatte. „Ist nur meins.“ Er hob das Telefon, betrachtete das Display, las die ersten Worte der Nachricht - aber nur flüchtig - und winkte ab. „Spam. Wahrscheinlich will mir irgendein Depp 'ne neue Matratze verkaufen oder nen Hehlermarkt für Tauben eröffnen.“, brummte er beim Hinausgehen. Damit pfefferte er das Handy achtlos auf das Bett, als wäre es ein Stück Toast. Und jetzt, ja jetzt, war es Zeit für das große Ritual: Kaffee. Nicht irgendein Kaffee. Nein. Sondern dieser Kaffee. Der Versöhnungskaffee. Der 'Sorry, dass ich Dir ins Knie getreten hab'-Kaffee. Der 'Ich hab in Deinem Badezimmer masturbiert, aber hey, wir haben’s beide überlebt'-Kaffee. Cass fuhr sich durch die Locken, stemmte die Hände in die Hüften, dann warf er sich mit übertriebener Professionalität auf die Kaffeemaschine. Er reinigte das Sieb, als würde er ein chirurgisches Instrument sterilisieren. Er maß das Kaffeepulver ab wie eine gefährliche Substanz und er ließ das Wasser laufen, bis es auf exakt der richtigen Temperatur war. Das hier war eine Mission. Während die Maschine schnaufte wie ein alter Hooligan mit Bronchitis, holte Cass zwei Becher aus dem Regal - den blauen mit dem Sprung und den weißen mit dem blassen Aufdruck World’s Okayest Human. Den mit dem Sprung stellte er für sich bereit. Der andere? Ging an den Krüppel im Bett. Milch, ja. Zucker - nein. Jax war nicht der Zuckertyp, dachte er. Wahrscheinlich auch nicht der Milchtütentyp, weswegen er die Tasse nochmal leerte und es bei schwarzem Kaffee beließ. Mit einem übertrieben sanften Lächeln, das fast an religiöse Verzückung grenzte, balancierte Cass die beiden Tassen zurück ins Schlafzimmer. „Sir, Ihr Frühstücksschatten“, murmelte er theatralisch, reichte Jax den Becher, hielt seinen eigenen hoch und dann setzte er sich lässig mit überschlagenem Bein auf die Bettkante, als wäre er nicht innerlich völlig verwüstet. Er nahm einen ersten, tiefen Schluck, dann fiel sein Blick wieder auf das Handy. Noch immer lag es dort, sodass er danach griff und den Bildschirm einschaltete, um die Nachricht dann doch zu lesen.

    Mr. Spatz, wir bedanken uns für Ihr Interesse an unserer Kampagne…

    Cass' Augenbrauen zogen sich langsam zusammen. Er setzte die Tasse an und trank, doch sein Blick blieb auf der Nachricht. Eastlake Park. Mittwoch. Abendstunden. Hunde nicht gestattet. Er nippte und verschluckte sich dermaßen, dass der Kaffee ihm erst in die Luftröhre und dann gefühlt direkt ins Hirn schoss. „Oh-kghffckhgh!!-Scheiße-verdammte..“ Er japste nach Luft wie ein angeschossener Seelöwe. „Oh mein Gott. Oh mein-hust-Gott, dieser Typ-Montgomery, der..“ Cassian sprang auf, sein Kaffee schwappte über und der Schmerz schoss ihm in die Seite. Er taumelte durch den Raum wie ein Wahnsinniger mit göttlicher Vision. „Das ist ein Treffen, das ist ein verficktes Treffen!“, plauderte er sogleich um, herumwirbelnd und mit dem dampfenden Becher auf Jax deutend. „Eastlake Park, Alter! Mittwochabend! Ich hab.. Ich hab einen Termin mit dem Vater des verdammten toten Mädchens! Ich bin ein verdammtes Mastermind!“ Er drehte sich im Kreis, die Tasse in der einen, das Handy in der anderen Hand. „Die haben wirklich geantwortet! Die haben’s geschluckt! Peter Spatz, Baby! Der Mann mit dem Plan! Ich werde ‘nen Mord an den mächtigsten Kerl der Stadt hängen und niemand hält mich auf!“

    Gellert bemerkte die Anspannung noch bevor Albus seine männliche Stimme erhob. Die veränderte Haltung, das harte Spiel seiner Kiefermuskeln. Eine Grenze, die der junge Zauberer nur allzu bereitwillig überschritt. Interessant, dachte er. Bathilda hatte geschwiegen aus dieser lästigen moralischen Disziplin heraus, die sie für Klugheit hielt. Für einen flüchtigen Moment regte sich etwas Kaltes in ihm, etwas Unangenehmes. Informationen waren eine Grundlage und diese entzog sie ihm nicht folgenlos. Doch nach außen hin zeigte sich davon nichts. Der Schulabbrecher hob lediglich den Blick zu Albus, ruhig und aufmerksam, als hätte er genau auf diesen Punkt gewartet. Die Warnung in der Stimme des Anderen nahm er wahr und maß ihr Gewicht bei. „Natürlich“, sagte er ohne Zögern und ließ den Blick einen Moment auf Albus ruhen und nickte zustimmend, als bestätige er etwas, das ohnehin außer Frage stand. „Bathilda hat nur angedeutet, dass es Dinge gibt, die nicht für fremde Ohren bestimmt sind“, fügte er beiläufig genug hinzu, um glaubwürdig zu wirken. „Mehr braucht es auch nicht.“ Er lehnte sich ein wenig zurück, verschränkte die Finger locker ineinander, und musterte Albus nun offener. Die Art, wie er da saß verriet mehr als jede Erklärung. Gellert sah es und registrierte es mit stiller Neugier.

    „Du musst Dir keine Sorgen machen“, sagte er ruhig. „Ich habe kein Interesse daran, Dinge zu zerreden, die unter Kontrolle bleiben müssen.“ Ein schmaler Zug umspielte seine Lippen, nicht ganz ein Lächeln. „Geheimnisse“, fuhr er fort, „sind nur dann gefährlich, wenn man sie falsch platziert.“ Sein Blick glitt kurz zur Tür, als könnte er durch Wände sehen. Eine Schwester. Eine, über die man schwieg. Eine, für die man dieses Haus schützte wie eine Festung. Gellert spürte, wie sich das Bild in seinem Kopf formte, Stück für Stück, ohne Eile. Ariana, dachte er. Er sah Albus wieder an, und diesmal lag etwas Beruhigendes in seinem Blick. Etwas, das Vertrauen erzeugte, ohne es einzufordern. „Du kannst Dich darauf verlassen“, sagte er ruhig. „Was mir anvertraut wird, bleibt bei mir.“ Ein Versprechen, doch keines, das erklärte, wie. Innerlich jedoch hatte sich etwas verschoben. Seine Aufmerksamkeit, die immer dann einsetzte, wenn er begriff, dass ein Puzzle größer war, als man ihm gezeigt hatte. Eine Schwester, über die niemand sprach. Ein Haus voller Schutzmechanismen. Ein Albus, der bereit war, sich für dieses Geheimnis bis auf die Knochen anzuspannen. Gellert nahm sich vor, bald selbst ein Bild davon zu bekommen und mit dem Mädchen zu sprechen. Und diesmal würde er nicht warten, bis man ihm etwas erzählte.

    Im Folgenden hörte Gellert aufmerksam zu, und diesmal lag darin mehr als bloß höfliches Interesse. Die Art, wie Albus über die Peverells sprach verriet ihm, dass der andere sehr genau wusste, wo der Mythos endete und Wissen begann. Oder zumindest glaubte, diese Grenze zu kennen. Sein Blick ruhte auf Albus’ Gesicht, während dieser von Ignotus sprach, während er jede kleine Veränderung registrierte. Das leichte Anziehen der Brauen, den konzentrierten Tonfall, die Spannung, die entstand, sobald das Gespräch von reiner Geschichte zu Möglichkeiten kippte. Das war kein Mann, der gern spekulierte, aber einer, der es konnte, wenn man ihn ließ.

    „Eine Chronik“, wiederholte Gellert ruhig, mehr nachdenklich als erstaunt. „Natürlich.“, entgegnete er mit einer Selbstverständlichkeit, als füge sich etwas Erwartetes nahtlos an seinen bisherigen Gedankengang. Sein Blick glitt kurz zur Seite, als würde er innerlich bereits Regale durchgehen, Namen, Orte, die Frage, wer so etwas aufbewahren würde und vor allem, wer es dürfte. Als Albus von den Artefakten sprach, ohne sie beim Namen zu nennen, hob Gellert langsam den Blick. Ein kaum merkliches Lächeln trat auf seine Lippen. Der Test war offensichtlich und er empfand ihn als Einladung.

    „Unwahrscheinlich mächtig“, griff er den Ausdruck auf. „Ein interessanter Begriff. Er impliziert, dass man selbst nicht ganz daran glaubt und sich trotzdem nicht davon lösen kann.“ Er lehnte sich ein wenig vor. „Ich kenne das Märchen“, fuhr er fort, ohne es weiter auszuschmücken. „Aber Märchen interessieren mich nur, wenn sie anfangen, unbequem zu werden. Die richtigen Fragen“, sagte Gellert dann und ließ sich Zeit, sie zu formen, „lauten selten ob etwas existiert hat, sondern wer ein Interesse daran hatte, dass man es nicht mehr findet. Und warum.“ Er sah, wie Albus reagierte. Das leichte Innehalten, das Abwägen. Es gefiel ihm. Sehr sogar. Als schließlich diese zwei Worte fielen - Heute Abend? - nahm Gellert sie ohne sichtbare Überraschung auf. Er hatte sie kommen sehen. Der Wunsch nach etwas anderem als diesem Haus, dieser Verantwortung, dieser immergleichen Wachsamkeit stand Albus ins Gesicht geschrieben. Gellert ließ den Blick einen Moment auf ihm ruhen, nahm die Spannung wahr, die Mischung aus Vorsicht und Verlockung, aus Verstand und etwas, das näher an Unruhe lag. Ein schmales, spitzbübisches Lächeln umspielte seine Lippen. „Ich freue mich auf den Spaziergang“, schloss er gelassen. „Und auf das, was man uns vielleicht nicht erzählen wollte.“ Dann, ohne Vorwarnung, veränderte sich etwas. Er stand einfach auf. Die Bewegung war ruhig und selbstverständlich, als wäre sie längst beschlossen gewesen. Mit einem Schritt war er bei Albus, griff fest nach dessen Hand und zog ihn hoch, bevor dieser überhaupt entscheiden konnte, ob er aufstehen wollte. Es war eine Handbewegung, wie man sie zum Abschied machte. Natürlich. Ein Händedruck. Nichts weiter. Und doch lag darin eine Spannung, die nicht aus der Berührung selbst entstand, sondern aus der Selbstverständlichkeit, mit der Gellert sie sich nahm. Seine Finger schlossen sich warm und kontrolliert um Albus’ Handgelenk, er musterte ihn dabei aus der Nähe und registrierte Details, die er sich merken würde. „Heute Abend“, sagte er ruhig und ließ die Hand schließlich los, als wäre nichts gewesen. „Vergiss es nicht.“

    Ein schmales, beinahe amüsiertes Lächeln glitt über seine Lippen, als er den Kopf leicht neigte. „Und Deinen Zauberstab“, fügte er hinzu. „Du scheinst dazu zu neigen, ihn dort liegen zu lassen, wo er Dir am wenigsten nützt.“ Gellert wandte sich bereits zur Tür, als gehöre der Abschied nicht zu den Dingen, die man ausdehnte. Er öffnete sie, ließ den kühleren Abendhauch herein und blickte noch einmal über die Schulter. „Bis später, Albus.“ Dann war er fort.

    Als die Dunkelheit sich endgültig über Godric’s Hollow gelegt hatte, stand Gellert im Schatten gegenüber dem Haus der Dumbledores. Die Hände locker in den Taschen, die Haltung entspannt. Er betrachtete die Fenster, die Umrisse, das Leben hinter den Mauern. Zählte keine Minuten. Hatte es nicht nötig. Menschen kamen pünktlich, wenn sie etwas wollten. Und Albus wollte. Gellert lächelte kaum merklich und wartete.

    Ich suche ein postapokalyptisches RPG jenseits fester Fandom-Grenzen, inspiriert von TWD-Vibes, aber frei genug für eigene Ideen, eigene Grausamkeiten und eigene Abgründe. Mich interessieren kaputte Menschen, die in einer kaputten Welt überleben müssen und dabei Dinge tun, die sich nicht mehr wegdiskutieren lassen. Ich liebe Charaktertiefe, Psychologie, Drama, Eskalation, Nähe unter falschen Vorzeichen und Beziehungen, die eher schaden als heilen, aber wie immer gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Bin durchaus offen für ein paar cozy Honigkuchenpferd-Momente. Explizit darf es gern sein, ob emotional, moralisch oder situativ, nichts wird beschönigt und nichts weichgezeichnet. Ein bestimmtes Pairing habe ich noch nicht vor Augen, schreibe aber wie bekannt gerne MxM Pairings, bin hier aber tatsächlich für alles offen und liebäugle mit der Möglichkeit einen weiblichen Charakter zu übernehmen. Survival und Beziehung, bitte beides, gern gleichzeitig, gern chaotisch. Ich schreibe ausführlich, introspektiv, langfristig und mit Lust auf dunkle Dynamiken, Schuld, Abhängigkeit und dieses ganz spezielle „Wir sollten uns voneinander fernhalten, tun es aber nicht“. Wenn Du also Spaß an Drama hast, schwarze Moral liebst und keine Angst vor emotionalem Schaden hast: meld Dich. Die Welt ist eh schon untergegangen. 😉


    Ich bin allerdings auch für andere Ideen offen. Hit me up!

    Gellert hatte nie an Zufälle geglaubt. Sie waren nichts weiter als Ausreden für Menschen, die ihre eigenen Entscheidungen nicht bis zum Ende denken konnten. Godric’s Hollow war kein Versehen, vielmehr das Resultat einer sauberen, geduldigen Abfolge von Handlungen, die er lange vor Durmstrang in Gang gesetzt hatte und deren Ende er nun betrachtete wie ein Schachspieler ein Brett, auf dem jede Figur genau dort stand, wo sie stehen sollte. Seine Eltern hätten es nie so genannt. Für sie war es eine Notlösung gewesen. Ein letzter Versuch, ihren Sohn aus dem Blickfeld zu bekommen, ohne sich der Peinlichkeit auszusetzen, ihn ganz verstoßen zu müssen. England. Eine alte Verwandte, die man seit Jahren ignorierte. Bathilda Bagshot, die Schreckschraube mit ihren staubigen Büchern, ihren langen Blicken und dieser unerträglichen Angewohnheit, Zusammenhänge zu erkennen, ohne sie auszusprechen. Gellert hatte sie laut und unverhohlen verachtet. Mit einer Konsequenz, die selbst seinen Eltern nicht entgangen war. Er hatte kein Geheimnis daraus gemacht, wie unerquicklich er den Gedanken fand, bei ihr untergebracht zu werden. Hatte ihre Pedanterie verspottet, ihre Arbeit als trocken und rückwärtsgewandt bezeichnet, ihre Nähe als intellektuell erstickend. Jedes Mal ein wenig überzogen. Jedes Mal gerade so glaubwürdig. Er hatte die Nase gerümpft, wenn ihr Name fiel. Die Stimme gesenkt, wenn er von England sprach. Und stets beiläufig erwähnt, wie unerquicklich es wäre, ausgerechnet dorthin geschickt zu werden. Menschen hörten erstaunlich schlecht zu, aber sie reagierten zuverlässig auf Abneigung. Seine Eltern hatten ihn durchschaut? Nein. Dafür fehlte ihnen etwas Entscheidendes: Verstand. Oder Mut. Oder schlicht die Fähigkeit, in Zügen zu denken, die länger waren als der eigene Atem. Sie hatten genau das getan, was er von ihnen erwartet hatte. Ihn geschickt weil sie glaubten, ihm damit etwas aufzuzwingen. Gellert lächelte bei dem Gedanken. Ein schmales, selbstzufriedenes Lächeln, das nichts Warmes an sich hatte. Solange er nicht volljährig war, waren ihm die Hände gebunden gewesen. Hier auf diesem gottverlassenen Fleck Erde waren Märchen nie ganz zu Geschichten geworden. Und hier - das war der entscheidende Punkt - lag ein Grab, das man allzu bereitwillig vergessen hatte. Peverell. Gellert hatte seh früh gelernt, dass das, was man am beharrlichsten belächelte, oft das war, wovor man sich am meisten fürchtete. Der Tarnumhang war kein Artefakt für Träumer. Er war eine Idee, eine Möglichkeit. Und Möglichkeiten gehörten nicht in Märchenbücher, sie gehörten in die Hände derer, die wussten, was man mit ihnen tat. Bathilda war dabei nie ein Hindernis gewesen. Eher ein Bonus. Sie wusste genug, um gefährlich zu sein. Und genug, um nützlich zu werden. Menschen wie sie glaubten, sie seien Beobachter der Geschichte, nicht Teil davon. Ein Irrtum, den Gellert genoss. Er ließ sie in dem Glauben, ihn zu dulden, während sie in Wahrheit genau das tat, was er brauchte: Sie gewährte ihm Zugang. Und dieser Dumbledore, der war auch kein Zufall. Nicht wirklich. Gellert hatte nicht geplant, ihn zu finden, aber er erkannte eine Konstante, wenn sie sich zeigte. Ein weiterer Mann, gebunden. Verpflichtet. Verstrickt in Dinge, die größer waren als er selbst und klug genug, das zu begreifen, ohne den Mut zu haben, sich daraus zu lösen. Ein interessanter Kontrast. Er war genau dort, wo er sein sollte. Und er war dort, weil er es so gewollt hatte. Zufälle waren etwas für Menschen, die sich treiben ließen. Gellert Grindelwald hingegen ließ Andere treiben. Gellert hörte Albus’ Worte mit jener Aufmerksamkeit an, die nichts forderte und deshalb alles bekam. Das gedehnte Seufzen, das Nachgeben der Schultern, als er sich in den Sessel sinken ließ - sicher nicht irgendeiner - entging ihm ebenso wenig wie die Art, wie Albus den Platz ausfüllte, obwohl er ihm eigentlich zu groß war. Ein Sitz, der Verantwortung trug, und ein Körper, der sich daran angepasst hatte, ohne je wirklich hineinzuwachsen. Solch eine Verschwendung. Sein Blick glitt über die Hand, die sich fester um die Armlehne schloss. Es war der Griff eines Mannes, der gelernt hatte, Dinge zusammenzuhalten, wenn sie auseinanderzubrechen drohten. Gellert fand das… interessant. Nicht bewundernswert, aber bemerkenswert.

    „Das glaube ich Dir“, sagte er irgendwann ruhig, beinahe beiläufig, und seine Stimme war weich genug. „Man sucht sich solche Rollen selten aus. Sie werden einem zugeschoben. Meistens von Menschen, die sich selbst davor drücken.“ Er ließ den Satz so stehen, ohne ihn weiter auszuschmücken, und lehnte sich ein wenig zur Seite, sodass sein Arm lässig auf der Rückenlehne der Couch ruhte, genau so, dass Albus ihn wahrnehmen musste, ohne sich bedrängt zu fühlen. Nähe als Angebot, nicht als Anspruch. Sein Blick hob sich erneut zu Albus’ Gesicht. Zu den Linien, die sich dort bereits eingegraben hatten, zu der leisen Müdigkeit unter den Augen, die sicher nichts mit Schlaf zu tun hatte. Gellert nahm auch den Neid wahr, der in der Wehmut mitschwang, diesen kaum merklichen Vergleich zwischen ihrem beider Leben. Er registrierte ihn und ließ ihn unbeantwortet. Rechtfertigungen waren unerquicklich. Als Albus begann abzuwägen, was er preisgeben konnte, zeigte sich das dem stummen Innehalten, bevor er sprach. Gellert sah es und empfand kein Bedürfnis, diese Vorsicht zu unterlaufen. Im Gegenteil, sie machte das Gespräch erst interessant.

    „Ein Zugezogener.. “, wiederholte er mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Sein Blick wanderte kurz durch den Raum, über die schweren Balken, die alten Mauern, als lausche er etwas, das nur er hörte. Dann sah er Albus wieder an. „Das passiert“, fuhr er fort, „wenn man nur an einem Ort bleibt, weil man gebraucht wird.“ Er ließ den Blick einen Moment länger auf Albus ruhen, ohne ihn festzuhalten, aber auch ohne auszuweichen. Körperliche Wahrnehmung, als Präsenz; die Haltung, die Wärme, die Art, wie Albus den Raum füllte, obwohl er sich selbst kaum Platz zugestand. Als Albus die Peverells argwöhnisch erwähnte, veränderte Gellert weder Haltung noch Tonfall. Er hob lediglich eine Braue, kaum sichtbar, und lächelte ein wenig breiter. „Ausgestorben“, sagte er nachdenklich. „Das ist ein erstaunlich endgültiges Wort. Ich frage mich manchmal“, fuhr er fort, „ob Dinge wirklich verschwinden oder ob sie nur darauf warten, dass jemand die richtigen Fragen stellt.“ Sein Blick ruhte ruhig auf Albus, nahm dessen defensive Haltung wahr, das leichte Zusammenziehen, das Misstrauen. Gellert empfand kein Bedürfnis, es zu zerstreuen. Er war nicht hier, um beruhigend zu wirken. „Dass Du wenig Zeit hast“, sagte er schließlich, und seine Stimme war nun wärmer, aber nicht weicher, „sieht man Dir an. Erwachsenwerden nennt man das wohl. Oder man nennt es so, wenn man keinen besseren Begriff dafür findet.“ Er schwieg einen Moment und ließ den Blickkontakt bestehen. „Du trägst Verantwortung, ich trage Möglichkeiten. Beides hat seinen Preis.“ Seine Lippen umspielte ein feines, spitzbübisches Grinsen, ehe er leichtfertig mit den Schultern zuckten. „Führst Du mich zum Grab der Peverells, Albus?“

    Remington brauchte exakt drei Herzschläge, um zu begreifen, dass der Mann es ernst meinte. Einen, um zu registrieren, dass der Sheriff sich abwandte. Einen zweiten, um den Klang der Schritte einzuordnen. Und einen dritten, um zu merken, dass er, verdammt noch mal, wirklich nicht noch länger hier drin verbringen wollte. Nicht primär der Zelle oder der Gesellschaft geschuldet, der Sherrif war ein (un)lustiger Zeitgenosse, sondern vor allem wegen der Stille. Und dem beschissenen Kater.

    „HEY.“ Das kam schneller und lauter aus ihm heraus, als ihm lieb war. Er biss sich auf die Zunge, doch da war es schon zu spät. „Okay. Okay. Halt. Stopp. Bleib stehen.“ Seine Stimme überschlug sich minimal, fing sich aber sofort wieder. Remington war vieles, aber vor allem ein Profi im Improvisieren.

    Ganz langsam richtete er sich auf. Rückte die Schultern zurecht, so gut das mit halbgelockerten Handschellen ging und atmete ganz tief ein. Du bettelst nicht, sagte eine Stimme in seinem Kopf. Du inszenierst.

    „Auf den Knien, ja?“, begann er und schnaubte leise. „Gut. Klar. Warum auch nicht. Ich hatte heute sowieso noch kein vollständiges Würde-Workout.“ Er trat einen Schritt näher an die Gitterstäbe.. dramatisch beleidigt kooperativ. „Nur, damit wir das richtig einordnen…“, setzte er an und hob einen Finger, als hielte er einen Vortrag. „Ich gestehe nichts. Ich widerrufe nichts. Ich entschuldige mich für exakt null Prozent meines bisherigen Lebens.“ Dann ließ er den Finger sinken. Sein Blick wurde groß. Übertrieben groß. „Aber ich kann… bitten.“ Er räusperte sich. Und dann - großer Gott - machte er es. Remington ging in die Knie. Weder besonders elegant noch demütig. Dafür aber mit der bewussten Übertreibung eines Mannes, der wusste, dass jede Kamera dieser Welt das hier für ein Meme benutzen würde. Die Knie landeten auf dem Boden und er verzog das Gesicht. „Autsch. Das war nicht Teil der Fantasie.“ Er hob den Blick mit unverschämtem Wimpernaufschlag. Sah zum Sheriff hoch, der noch immer zur Tür orientiert war. „Sehen Sie? Ich bin lernfähig.“ Ein schiefes Lächeln umspielte seine Mundwinkel. „Ich tue Dinge, die ich hasse. Das ist Wachstum.“ Er legte die Hände - die gefesselten Hände - theatralisch zusammen, als würde er gleich einen Oscar entgegennehmen. „Bitte, oh großer, tabakduftender Gesetzesgott von Wintercrest“, begann er in einer Stimme, die irgendwo zwischen Shakespeare und Zirkusdirektor lag. „Lass mich aus dieser Zelle. Nicht, weil ich schuldig bin .. das bin ich nicht .. sondern weil Sie und ich beide wissen, dass ich hier drin absolut falsch bin.“ Er neigte den Kopf. Ein bisschen zu tief bevor er ihn wieder frech blinzelnd ansah. „Ich verspreche nichts, außer dass ich Ihnen nützlich sein werde. Nervig, ja. Anstrengend, definitiv. Aber nützlich. Und wenn Sie mich hier drin lassen, werde ich den Rest der Nacht Weihnachtslieder singen. Mit Choreografie.“

    Gellert ließ Albus’ Erwiderung einen Moment lang wirken. Zwar war sie nicht besonders tiefgehend, aber das selbstironische Lächeln auf den Lippen des Anderen gefiel ihm. Fast so als hätte Albus gelernt seine Unzulänglichkeiten mit Worten zu kaschieren. Es war kein dummer Mann, das war offensichtlich. Aber ein überforderter. Genauso wie das Lächeln gefiel ihm aber auch die Schürze. Stand ihm, dem besagten Genie. Ein Jammer, dass er sich dieser entledigte. „Ah“, wiederholte Gellert schließlich und zog das Wort in die Länge, während sein Blick an Albus hängen blieb, „der Zeitpunkt.“ Er musterte ihn nun offener mit jener unverhohlenen Neugier, die keinen Grund sah, sich zu entschuldigen. Die rotbraunen Bartstoppeln zeichneten scharfe Linien entlang eines Gesichts, das aussah als würde es mehr tragen, als es sollte. Markant, ja. Attraktiv auch, auf eine raue, ungeplante Weise. Man sah ihm an, dass das Erwachsenwerden kein sanfter Übergang gewesen war, viel mehr eine Entscheidung, die jemand anderes für ihn getroffen hatte. Gellert lächelte schmal.
    „Eine interessante Rolle“, erwiderte er ruhig. „Putzfrau, Dienstmädchen… Familienoberhaupt.“ Wenngleich dieser Albus viele Rollen zu pflegen hatte, entlockte es seinem Gegenüber nur ein weiteres unbeeindrucktes Zucken mit den Schulter. „Nicht gerade das, was ich mir für meine Jugend vorgenommen hätte.“ Und genau das meinte er auch so. Pflicht war eine Bürde, die man sich nur auflud, wenn man glaubte, sie tragen zu müssen. Gellert hatte nie vorgehabt, sich unter einer solchen Last zu beugen und er fragte sich flüchtig, ob Albus das je bewusst entschieden hatte oder einfach hineingestolpert war, so wie in seine Mehlschlacht.

    Als Albus ihm die Couch anbot, ließ Gellert den Blick kurz darüber gleiten. Das Möbel war abgewetzt, schief, aber erschien stabil. Trotzdem setzte er sich nicht sofort „Bathilda erwähnt vieles nicht“, sagte er schließlich beiläufig, „was sie für… vorübergehend hält.“ Ein schiefes, spitzbübisches Grinsen umspielte seine Lippen, dann setzte er sich doch, locker als gehörte er bereits hierher, legte einen Arm über die Rückenlehne und wandte sich Albus wieder zu. „Und nein“, fuhr er fort, „ich bin diesen Sommer zum ersten Mal hier. England war nie besonders… reizvoll für mich.“ Sein helleres Auge musterte Albus aufmerksam. „Aber ich verstehe, warum man hierbleibt, wenn man muss.“

    „Dass ich Dir aufgefallen wäre“, griff er Albus’ unbedachten Nachsatz auf, „will ich Dir nicht absprechen.“ Ein Hauch von Übermut schwang mit. „Aber ich halte mich ungern dort auf, wo man mich sofort einordnen kann.“ Er neigte leicht den Kopf. „Du hingegen scheinst hier alles zu sein, was man nicht ersetzen kann.“, stellte er fest. Ein kurzer Blick wanderte durch den Raum, über die alten Balken, die schweren Mauern, die Geschichte, die in diesem Haus wie Staub in der Luft hing.

    „Du kennst Dich aus“, sagte Gellert dann, scheinbar zusammenhangslos. „In Godric’s Hollow. Mit seiner Geschichte?“ Er sah Albus wieder an diesmal mit echter, wacher Neugier. „Sag mir“, setzte er unverhohlen an, die Stimme ruhig, beinahe verschwörerisch, „die alten Familien hier… die Namen, die Gräber. Die Peverells zum Beispiel. Sind sie wirklich so vergessen, wie alle behaupten?“

    Gellert lehnte sich ein wenig zurück, als gäbe er dem Raum und Albus bewusst Zeit zu reagieren. Sein Blick ruhte dabei weiterhin auf ihm, ließ sich nicht hetzen. Jetzt, aus der Nähe, fielen ihm Details auf, die im ersten Moment unter dem Mehl verborgen gewesen waren. Etwa die harten Linien um Mund und Kiefer, die rotbraunen Bartstoppeln, tiefe Schatten unter den stechend blauen Augen. Ein Gesicht, das schneller erwachsen hatte werden müssen, als ihm lieb gewesen sein konnte, eindrucksvoll auf eine Weise, die nicht um Aufmerksamkeit bat. Trägt Verantwortung wie andere Mäntel, dachte Gellert amüsiert. Er selbst verspürte bei diesem Gedanken nichts als leise Abwehr. Verantwortung war kein Beweis von Stärke, sondern von Bindung. Und Bindungen machten unbeweglich. Er hatte nie vorgehabt, sich festzuschreiben. Weder an Menschen, noch an Pflichten, die man irgendwann nicht mehr ablegen konnte. Sein Blick glitt kurz zur Tür, als könne er durch die Mauern hindurch auf den Friedhof sehen. Peverell. Ein Name wie ein Echo. Ein Grab ist nichts weiter als ein verschlossener Gedanke, dachte er. Und Gedanken lassen sich öffnen. Er wandte sich Albus wieder zu, die Lippen leicht gekrümmt, der Ausdruck unverändert gelassen. Wenn er etwas plante, dann nicht mit Hast. Sondern mit Geduld und Menschen, die den Ort kannten, ohne zu wissen, was sie wussten. „Du wirkst“, sagte Gellert schließlich ruhig und beiläufig, „als hättest Du wenig Zeit für Dinge, die man sich aussucht.“ Er ließ das stehen. Sah, wie Albus atmete, wie er dachte. Offensichtlich nicht genial. Aber auch nicht dumm. Ein Haiopai, entschied Gellert. Noch. Und gerade deshalb nützlich.

    Der Rauswurf aus Durmstrang war zu erwarten gewesen. Ein einfaches Gespräch in einem Raum mit drei Männern, darunter der Schulleiter, sein Vater und der Vater jenes Schülers, der seines Lebens nicht mehr froh werden würde. Zwei von ihnen hatten ihren Zauberstab unausgesprochen gezogen. Gellert war einer von ihnen. Sie hatten seine Akten vor sich ausgebreitet wie eine Autopsie. Gefährliche Experimente. Grenzüberschreitungen. Ein Zwischenfall, der beinahe tödlich geendet wäre, hieß es darin. Höflich und aufmerksam hatte der junge Zauberer zugehört. Er hatte nicht widersprochen, weil es nichts zu widersprechen gab. Alles, was sie sagten, stimmte. Und dennoch war es lächerlich. Sie sprachen von Verantwortung, während er es als Notwendigkeit sah. Sie wollten Reue sehen, er hingegen bot ihnen eine Logik, die sie nicht verstanden. Der Moment, in dem sie begriffen, dass sie ihn nicht mehr kontrollieren konnten, war unausweichlich gewesen. Ein Blickwechsel. Eine Entscheidung. Durmstrang hatte viele dunkle Dinge geduldet, aber keinen Schüler, der nicht bereit war, sich selbst Grenzen zu setzen. Als sie ihm sagten, dass er gehen müsse, nickte Gellert nur.

    Der Zug verließ den Norden früh am Morgen. Das Land glitt an ihm vorbei wie etwas, das bereits hinter ihm lag. Er hatte Durmstrang nicht geliebt, aber es hatte ihn zugegebenermaßen geformt. Ihm gezeigt, wie weit er gehen konnte, bevor selbst die Dunkelheit vor ihm zurückwich. Seine Familie hatte auf die Nachricht reagiert, wie er es erwartet hat. Still und unpersönlich. Ein Brief, distanziert formuliert, zwar ohne Vorwurf aber genauso ohne Trost. Man habe entschieden, dass ein weiterer Aufenthalt unter ihrem Dach nicht… ratsam sei. Sein Weg habe eine Richtung eingeschlagen, die sie nicht mittragen könnten. Gellert faltete das Schreiben sauber zusammen und verbrannte es ohne Zögern. Blut verpflichtete nur, wenn es nützlich war und an der Stelle, an der man ihm den Rücken kehrte, war die Nutzlosigkeit dahingeschwunden. Die Entscheidung, ihn nach England zu schicken, war ebenso pragmatisch. Bathilda Bagshot - seine Großtante. Historikerin. Eine Frau, die hoffentlich verstand, dass Wissen keine moralische Dimension besaß, sondern nur Konsequenzen. Godric’s Hollow war ruhig, abgeschieden und alt. Ein Ort voller Geschichte. Voller Mythen. Vor allem aber voller Spuren.

    Gellert hatte sich bereits in Durmstrang mit dem Märchen beschäftigt. Beedle der Barde. Die drei Brüder. Der Tod, der überlistet worden war. Es war kein Kinderbuch für ihn gewesen, sondern eine Hypothese. Eine Spur. Und Godric’s Hollow war einer der wenigen Orte, an denen Geschichte und Legende sich so dicht überlappten, dass sie kaum voneinander zu trennen waren. Wenn es Hinweise gab, dann hier. Bathilda erwartete ihn nicht am Bahnsteig. Ihr Haus stand leicht zurückgesetzt von der Straße, umgeben von Hecken, die schon bessere Zeiten gesehen hatten. Als sie ihm die Tür öffnete, musterte sie ihn lange mit einem Blick, der weder tadelnd noch warm war. „Du bist gewachsen“, stellte sie fest. „Nicht genug“, erwiderte er. Das gefiel ihr. Er sah es an dem kaum merklichen Zucken um ihre Mundwinkel. Sie stellte keine Fragen zu Durmstrang und tat nicht so, als sei da etwas zu reparieren. Sie zeigte ihm das Gästezimmer, den Schreibtisch und den Blick auf den Garten. Erwähnte beiläufig die Bibliothek. Sagte, dass sie viel arbeite und wenig störe. Dass er tun könne, was er wolle, solange er keine Dummheiten mache, die den Ort gefährdeten. Grindelwald versprach nichts.

    In den ersten Tagen beobachtete er viel. Godric’s Hollow war klein. Ein Dorf, das zu viel gesehen hatte, um noch überrascht zu werden von einem Jungspund wie Gellert. Und dann war da der andere Name. Dumbledore. Albus Dumbledore. Gellert hörte ihn, bevor er ihn selbst gesehen hat; in Nebensätzen, in Andeutungen, in Bathildas gelegentlichen Bemerkungen. Ein junger Mann, außergewöhnlich begabt hieß es, gerade erst aus Hogwarts zurück. Eine Familie, die vom Schicksal nicht verschont geblieben war. Eine Schwester, über die man nicht sprach. Ein Bruder. Und ein Albus, der zu viel wusste und zu wenig tat. Interessant. Gellert erkannte das Muster sofort. Isolation. Intelligenz. Verantwortung, die wie eine Kette wirkte. Albus war laut den Erzählungen kein gewöhnlicher Zauberer, was im Umkehrschluss bedeutete, dass er ein Rohdiamant war, der sich selbst bremste. Gellert lächelte, als ihm das klar wurde. Durmstrang hatte ihn fortgeschickt, weil er zu weit gegangen war. Seine Familie hatte sich von ihm gelöst, weil sie den Weg nicht mitgehen wollte. Godric’s Hollow war kein Exil, höchstens eine Übergangsstation. Ein Ort, an dem Ideen wachsen konnten, die größer waren als Schulen, größer als Familien, größer als feige Kompromisse.Des Nachts saß er am Schreibtisch, das Märchen von den Heiligtümern vor sich ausgebreitet, und dachte an Macht und Ordnung. An eine Welt, die nicht länger von Angst regiert wurde. Und an Albus Dumbledore als Möglichkeit. Wenn es jemanden gab, der ihn verstehen konnte, dann war es jemand wie Albus, vorausgesetzt er hielt was die Geschichten über ihn versprachen. Wenn es jemanden gab, der stark genug war, an seiner Seite zu stehen, dann musste er klug genug sein, nicht zurückzuschrecken.

    Bathilda Bagshot trank ihren Tee, der Nachmittag hing still im Haus, das Licht fiel schräg durch die Gardinen und zeichnete Staubkörner in die Luft, als wären sie Gedanken, die noch keinen Platz gefunden hatten. Gellert saß ihr gegenüber, sein Blick war wach, aufmerksam und von jener unruhigen Klarheit, die nicht aus Erwartung entstand. Sein Gesicht war schmal, die Züge bereits markant, fast zu erwachsen für sein Alter. Die zwei unterschiedlich gefärbten Augen, eines heller, eines dunkler, gaben seinem Blick etwas Irritierendes, als würde er die Welt immer aus zwei Perspektiven gleichzeitig betrachten.

    „Du arbeitest viel.“, stellte Bathilda fest und blickte über den Rand ihrer Tasse hinweg zu ihm. „Es gibt hier viel zu lesen“, erwiderte Gellert ruhig. „Mehr, als ich erwartet hatte.“

    „Godric’s Hollow sammelt Dinge“, sagte sie mit einem wissenden Lächeln auf ihren Lippen. „Geschichten, Namen, Spuren. Manche bleiben. Manche verschwinden.“ Er lächelte interessiert. „Und manche kehren zurück.“

    Bathilda stellte die Tasse ab. „Du gehst kaum hinaus.“

    „Ich habe keinen Grund dazu.“

    „Noch nicht“, korrigierte sie ihn sanft und musterte ihn einen Moment länger, dann lehnte sie sich zurück. „Albus Dumbledore ist zurück in der Gegend.“ Gellert hob kaum merklich den Blick. „Ich weiß.“

    „Natürlich weißt Du das“, sagte sie trocken. „Du weißt immer mehr, als man Dir zutraut.“ Er zuckte mit den Schultern. „Man redet.“

    „Man redet selten über Albus.“, entgegnete Bathilda. „Und wenn, dann falsch.“ Das weckte sein Interesse mehr als ihr Vorschlag selbst. „Falsch in welcher Hinsicht?“

    „Er ist weder das eine noch das andere.“, lautete ihr fragwürdiges Urteil. Gellert lehnte sich minimal vor. „Und was ist er?“ Bathilda lächelte schmal. „Allein.“ Das Wort blieb zwischen ihnen stehen. Gellert ließ es wirken, ohne es zu kommentieren. „Er ist klug“, fuhr sie fort. „Brillant. Und gerade deshalb in einer schwierigen Lage. Verantwortung ist ein schweres Gepäck für jemanden, der lieber denkt als gehorcht.“ Gellert nickte langsam. „Klingt… anstrengend.“

    „Für alle Beteiligten.“ Sie sah ihn jetzt direkt an. „Ich dachte, ihr solltet euch kennenlernen.“ Er ließ sich Zeit mit der Antwort. „Damit ich einen Freund finde?“ fragte er schließlich. Bathilda hob eine Braue. „Ich dachte, das wäre offensichtlich.“

    „Freunde sind… unzuverlässig“, sagte er ruhig. „Sie erwarten Dinge.“

    „Das tun Menschen immer“, entgegnete sie. „Aber Albus ist keiner, der leichtsinnig fordert.“

    „Und warum gerade er?“ fragte Gellert. „Warum nicht irgendein anderer junger Zauberer mit ausreichend Freizeit und mäßigem Verstand?“ Jetzt lachte sie leise. „Weil ihr euch sonst langweilen würdet.“ Das gefiel ihm. Er lächelte diesmal offen, nahezu charmant. „Du unterschätzt mich“, sagte er. Ein kurzer Moment des Schweigens folgte. Dann stand Gellert auf und trat zum Bücherregal, ließ die Finger über die Rücken gleiten, als würde er sie zählen. Seine Stimme kam beiläufig, fast gedankenverloren. „Albus Dumbledore interessiert sich für Geschichte?“

    „Sehr.“

    „Für alte Magie?“

    „Mehr als gut für ihn ist.“

    Gellert zog ein schmales Buch hervor, blätterte darin, ohne wirklich zu lesen. „Für Märchen?“ Bathilda beobachtete ihn aufmerksam. „Das kommt darauf an, was man unter Märchen versteht.“ Er drehte sich halb zu ihr um. „Manche Märchen sind nur schlecht erinnerte Wahrheiten.“

    „Oder gefährliche Vereinfachungen“, gab sie zurück.

    „Oder Einladungen“, sagte er leise. Jetzt stand sie ebenfalls auf. „Was suchst Du, Gellert?“ Ohne auszuweichen sah der Jüngling sie an. „Zusammenhänge.“

    Sie nickte langsam. „Das tun Historiker auch.“

    „Dann kennst Du sicher die Geschichte der drei Brüder“, sagte er beiläufig. „Die mit dem Fluss.“ Bathilda lächelte dünn. „Beedle der Barde. Ja.“

    „Glaubst Du, dass sie erfunden ist?“ fragte er.

    „Ich glaube“, sagte sie ruhig, „dass jede Generation selbst entscheidet, wie viel Wahrheit sie erträgt.“ Er hielt ihren Blick. Ein Funken Anerkennung blitzte auf. „Dann wäre es klug“, meinte er, „mit jemandem zu sprechen, der die Wahrheit ebenfalls erträgt.“ Bathilda sah ihn lange an. Dann nickte sie. „Ich werde euch vorstellen.“ Gellert neigte den Kopf leicht. „Ich bin gespannt“, sagte er. „Auf Albus Dumbledore.“ Auf jemanden, der vielleicht verstand, dass manche Märchen mehr waren als Geschichten und dass es Menschen gab, die bereit waren, ihnen zu folgen.

    Gellert hatte schon viele seltsame Begrüßungen erlebt. Aber das hier rangierte mühelos unter den Top drei. Er stand im Flur des Hauses Dumbledore, einen Schritt zu spät, um der Dame auszuweichen, und einen Schritt zu früh, um sich elegant aus der Situation zu ziehen, und betrachtete das Bild, das sich ihm bot, mit einer Mischung aus stiller Belustigung und aufrichtiger Fassungslosigkeit. Das also war Albus Dumbledore. Für wahr nicht der brillante Geist, von dem Bathilda mit diesem kaum verhohlenen Stolz gesprochen hatte. Nicht der junge Mann, dessen Name in akademischen Nebensätzen gefallen war, als handele es sich um eine kommende Größe. Sondern ein… Mehlwesen. Ein wandelnder Sack Weißpulver mit zerzausten Haaren und einem Blick, der so hilflos zwischen Entschuldigung und Panik pendelte, dass Gellert sich ernsthaft fragte, ob man ihn aus Versehen beim Backen vergessen hatte. Sein Blick glitt langsam an Albus hinab, blieb an den Schultern hängen, an denen das Mehl klebte wie eine besonders schlechte Tarnung, und wanderte wieder nach oben. Die zwei verschiedenfarbigen Augen Gellerts blitzten amüsiert auf. „Ah.“, sagte er schließlich ruhig, fast freundlich. „Dann ist das hier also das berühmte Dumbledore-Chaos.“ Er ließ den Blick kurz durch das Wohnzimmer schweifen: das verstummte Mädchen, das ihn anstarrte, als wäre er aus einem Märchen gefallen; der missmutige Bruder mit der aggressiven Schulter; die Großtante, die mit einem Putzlappen Krieg führte. Dann wieder zurück zu Albus. „Ich hatte mir etwas… Geordneteres vorgestellt“, fügte er wenig beeindruckt hinzu. „Aber ich schätze, jede Legende braucht ihre Schwächen.“ Als Aberforth ihn anrempelte, bewegte Gellert sich kaum. Nur ein leichtes Verdrehen des Kopfes, ein schmaler Seitenblick, während er darauf verzichtete, etwas zu der Aktion zu sagen. Menschen, die so offensichtlich provozierten, verdienten keine Reaktion, schon gar nicht von ihm. Seine Aufmerksamkeit kehrte sofort zu Albus zurück, der sich sichtbar zwischen ihn und das Chaos stellte, als könne er irgendetwas beschützen, das er selbst kaum unter Kontrolle hatte. Mutig dachte Gellert. Oder naiv. Als Albus begann, sich entschuldigend zu erklären und sich dabei noch mehr Mehl in die Haare rieb hob Gellert eine Augenbraue. „Niemand würde sich freiwillig so… panieren.“, erwiderte er gelassen. Der Hauch eines Grinsens zuckte über seine Lippen. Dann bat Albus um Hilfe. Gellert sah zuerst auf die leere Stelle an dessen Hüfte, wo ein Zauberstab hätte stecken sollen. Dann wieder in Albus’ Gesicht. Dieses vorsichtige, hoffnungsvolle, beinahe schuldbewusste Gesicht, als hätte er Angst, mit der Bitte bereits zu viel verlangt zu haben. Merkwürdig dachte Gellert. Das hier soll der klügste Kopf seiner Generation sein? Argwöhnisch ließ er sich Zeit - jedenfalls genug, um Albus’ Verlegenheit wachsen zu lassen und sich an ihr zu ergötzen. „Du hast keinen Zauberstab“, stellte er schließlich fest. „Und versuchst trotzdem zu backen.“ Ein leises, echtes Lachen entwich ihm, unverkennbar amüsiert. „Das erklärt einiges.“ Er zog seinen eigenen Zauberstab hervor, drehte ihn spielerisch zwischen den Fingern, als sei es eine beiläufige Geste, kein Machtsymbol. Sein Blick ruhte dabei aufmerksam auf Albus’ Gesicht, weniger interessiert an dessen Aussehen als an seiner Reaktion. „Steh still“, sagte er beiläufig befehlend. „Sonst verteile ich das Mehl nur gleichmäßiger.“ Mit einer präzisen, sauberen Bewegung sprach er den Zauber. Das Mehl löste sich, als hätte es nie existiert und rieselte unsichtbar davon. Gellert senkte den Zauberstab, musterte sein Werk und nickte knapp. „Besser“, befand er sein Werk und betrachtete den jungen Mann mit einem schiefen Lächeln auf dem Lippenpaar. „Auch wenn ich befürchte, dass das Problem nicht ausschließlich kosmetischer Natur war.“ Er steckte seinen Zauberstab weg und trat einen halben Schritt zurück, musterte Albus erneut, diesmal jedoch weniger belustigt, dafür prüfender. „Bathilda meint, wir könnten Freunde werden“, sagte er mit ruhiger Stimme offen heraus. Sein Blick funkelte spitzbübisch. „Sag mir, Albus Dumbledore“, fuhr er fort, neugierig, aber noch immer leicht herablassend, „bist Du immer so… hilflos? Oder habe ich Dich einfach zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt erwischt?“

    Cass sah zu, wie Jax sich auf die Bettkante setzte in dieser Mischung aus angespannter Muskelkontrolle und dem Versuch, so zu tun, als wäre alles ganz normal. Klar. Ein Typ wie Jax ließ einen wie ihn sicher ständig in seinem Bett übernachten. Sicher. Total üblich. Alles rein zufällig. Als die Pillendose zwischen Jax’ Fingern rotierte, zog Cass unauffällig die Brauen zusammen. Er sagte nichts, aber innerlich notierte er sich den Moment, als Jax gleich zwei der Tabletten runterschluckte. Aha. Cass' Blick wurde kurz schmal, ein bisschen wie ein Wachhund, der sich nicht rühren will, aber genau weiß, dass da gerade jemand über die Grenze schleicht. Zwei. Am Morgen. Wenn Blondie sich heute noch eine reinzog, würde er ihm persönlich den Löffel zum Auslöffeln reichen, immerhin nahm er den Auftrag vom Doc doch sehr ernst, auch wenn er geschworen hatte, sich nicht mehr einzumischen. Auf Pillen hängenzubleiben konnte der Boxer sicher genauso wenig gebrauchen wie sein verletztes Knie. Der Dieb beobachtete verstohlen, wie Jax sich auf die Matratze zurückfallen ließ und vernahm gleichzeitig dessen Murmeln, das so beiläufig klang, als hätte er gerade nicht die Bedeutung der letzten zwölf Stunden mit einer einzigen Bewegung weggewischt. Cass blinzelte langsam, schüttelte den Kopf und verdrehte seine Augen.

    „Ah. Ich verstehe.“ Seine Stimme war leise, aber deutlich, als er sie erhob. „Ich bin also das Überraschungs-Kuscheltier, das man versehentlich in der IKEA-Kinderabteilung mitgenommen hat. Du wolltest eigentlich ne Lampe und plötzlich lag ich da. Ohne Preisschild, aber mit Verlustgarantie.“ Er machte eine kleine, übertriebene Geste mit den Händen. „Tja, Pech gehabt. Ich bin nämlich nicht zurückzugeben.“ Aber er grinste dabei breit und charmant. Vielleicht ein bisschen zu charmant. Dann fuhr er sich durch die zauseligen Haare und wandte den Blick für einen Moment ab, hin zu der zerknitterten Decke, die Jax nicht mehr über sich gezogen hatte. Seine Finger glitten kurz darüber, als könne er die letzte Nacht darin nochmal ertasten. Dann schüttelte er kaum merklich den Kopf und sah zurück. „Du bist echt ein Fuchs, weißt Du das?“, meinte er, nicht ohne eine Spur Bewunderung in der Stimme. „Erst mir den Atem rauben, dann das Thema wechseln. Ich sollte aufpassen, Du bist gefährlich, Blondie.“ Spielerisch wackelte er mit den Augenbrauen, ein richtiger Gangstermove, bevor er sich selbst zurücklehnte, seine Hände hinter sich abstützend und die Beine baumeln lassend, noch immer nicht ganz bereit, das Loft, das Bett, oder ihn loszulassen. Seine Stimme wurde sanfter, aber nicht weniger wach. „Montgomery? Nichts. Kein Pieps. Wahrscheinlich wartet er, bis sein persönlicher Henker im Designeranzug auftaucht und mir nen höflichen Kopfschuss verpasst.“ Er zuckte die Schultern, spielte mit dem Saum seines Shirts. „Ich rechne mit allem. Das ist ja das Schöne an meinem Leben. Überraschung ist mein zweiter Vorname. Der erste ist übrigens ‘Verschwende keine Kugel an mich, ich erledige mich eh selbst’.“ Ein schiefes Lächeln umspielte seine Mundwinkel, doch dann wurde sein Blick für einen Moment ernster, glitt zu Jax’ Hand, die noch immer locker an seinem Nacken ruhte. „Ich weiß, dass Du mir da nicht helfen kannst. Will ich auch gar nicht. Ich mein… wär schon nett, wenn Du mich warnst, falls irgendwo ein roter Punkt auf meiner Stirn auftaucht. Aber ansonsten…Ich komm schon klar. Immerhin bin ich der Typ, der sich selbst aus dem Diner gekickt und in Deinem Badezimmer heimlich einen runtergeholt hat.“ Ein kurzer Moment Stille folgte, ehe ein lautes, demonstratives Ausrufen seinen Lippen entwich. „Gott, ich bin so ein verdammter Softporno auf zwei Beinen. Was mach ich eigentlich hier?! Ich sollte in ’ne Anstalt.“ Kopfschüttelnd ließ Cass sich zurückfallen, landete neben Jax, aber mit genug Abstand. Sein Blick glitt zur Decke, als er die Hände hinter seinem Kopf verschränkte. „Wenn Du willst, hau ich gleich ab. Ich kann draußen Müllcontainer durchsuchen oder so. Aber wenn das hier wirklich Sorte Zwei ist…“ - er drehte leicht den Kopf und blinzelte zu Jax rüber - „… dann will ich den verdammten Kaffee. Und nen Schuss aus Deiner Apotheke.“

    Der Sheriff war kaum zwei Schritte Richtung Tür gegangen, da fiel Remington in sich zusammen wie ein Kartenhaus, dem jemand die unterste Reihe angezündet hatte. „…Ich bin so dumm.“, flüsterte er leise in Richtung der Wand. „Ich. Bin. So. Unglaublich. Dumm.“ Frustriert ließ er sich an der Wand hinuntergleiten, bis er erbärmlich hockte wie eine schlecht gelaunte Fledermaus mit Existenzkrise. Die halbgelockerten Handschellen baumelten wie das klägliche Sinnbild seiner Entscheidungsfähigkeit. Er schloss die Augen und hörte sich selbst. Hörte, wie er Momente zuvor geklungen hatte, als er die Wahrheit gesagt hat. Nicht seine übliche Wahrheit, die in Zuckerwatte eingewickelt war. Sondern die echte. „Warum kannst Du nicht einmal im Leben die Fresse halten?!“, fragte er sich selbst erbost. Gar so erbost, dass er seinen Hinterkopf erneut gegen die Wand klatschte. Bonk. „Das war ein wichtiges Dorfgeheimnis! Großes ‚Wenn Du das sagst, stirbst Du‘-Geheimnis! Und was machst Du?! Du erklärst es dem einzigen Mann, der groß genug ist, Dich wie ein Kaminholzscheit unter den Arm zu klemmen und als Beweismittel abzugeben!“ Bonk. „Du bist ein Vollidiot.“ Er zog die Knie hoch, so weit es mit den Fesseln ging, und drückte die Stirn dagegen. Atmete. Hörte draußen Schritte. Zacharias’ schwere, ungeduldige, testosteron-durchtränkte Sheriff-Schritte. Großer Grinch. Er ging wirklich zu ihr. Remy hob abrupt den Kopf, erhaschte einen Blick auf die Bewegung durch die eisernen Stäbe der Zellentür und sah, wie die Silhouette des Sheriffs auf die Bürotür der Blondine zusteuerte. Remingtons Seele implodierte in drei Stufen. Panik ob der Tatsache, dass er die Wahrheit gesagt hatte. Und nun würde Désirée… reden. Oder noch schlimmer schweigen und kichern. Da war Abscheu. Die Vorstellung, dass Zacharias jetzt Frau Nick belagern musste… boah. Da kriselte selbst Remys Magen. Und da war Neid gepaart mit ein bisschen Schadenfreude. „Er wird gebissen. Hundertpro. Sie beißt ihn. Gott, ich hoffe, sie beißt ihn.“ Er presste die Hände gegen sein Gesicht. „Ich habe dem Sheriff erklärt, wie man mit ihr spricht… was ist nur falsch mit mir?“ Sein Atem ging schneller. Er sprach weiter, hektisch. „Du hättest einfach schweigen können! Einfach. Schweigen. So wie normale Menschen. Aber nein… der Sheriff brüllt einmal, und Du denkst: ‚Ach ja, jetzt wäre ein guter Moment, um ihn in den tiefsten Abgrund meiner persönlichen Trauma-Historie zu werfen, vielleicht mag er’s ja!‘“ Er trat mit dem Fuß gegen die Wand, natürlich nur so stark, dass nur seine Würde litt, nicht aber die Wand. Dann starrte er hoch zur Neonlampe über dem Gang, hörte das leise Gespräch, das gerade begann. „Und wenn das Dorf morgen brennt, bin ich wieder schuld“, ächzte er. „Nicht der pädophile Bürgermeister. Nein, Remington hat’s gesagt. Remington hat’s zerstört. Remington ist böse.“ Er schnaubte.

    Was dann folgte, begann eigentlich ganz harmlos. Ein Türknarren und ein gedämpftes Murmeln. Seine Ohren wurden größer. Der schwere Schritt des Sheriffs, das Tippen von Désirées Absätzen, ein Rascheln von Stoff aneinander .. nichts, was sofort Alarm ausgelöst hätte. Remington saß in seiner Zelle, den Kopf gegen die Wand gelehnt, und redete sich ein, dass das alles gut war. Gut für ihn. Bis es passierte. Diese Geräusche. Dieses… Geräusch. Wie wenn zwei Erwachsene sich gleichzeitig gegen einen Schrank lehnen, der definitiv nicht dafür gebaut wurde, solche Belastungen mitzuerleben. Die Besenkammertür fiel zu. Verriegelt. Dann… „Ooooh Sheriiiiiff!“ Bildete er sich das ein? Remington starb. Einfach so. Spontan. Seine inneren Organe lösten sich auf. Sein Gehirn schaltete sich kurz ab wie ein alter Fernseher, der keinen Strom mehr bekommt. Dann kam es schlimmer. „Oh Gott.. oh.. ja, genau da!“ Remington riss die Augen auf. Seine Pupillen sprangen auf die Größe von Teelichtern. „nein… nein, nein, nein… das tut er nicht… das tut er nicht…“ Aber Zacharias tat. Oder Desiree tat. Oder sie taten sich gegenseitig. Es war schwer zu differenzieren, weil sich die Geräusche zu einer Art lebendigem Albtraum vermengten, der jeden Quadratmeter seines Körpers beleidigte. „Sheriff! Härter!“ Remington griff sich ans Herz. „Ich… ich werde taub. Das ist… das ist Folter.“ Er schob die halbgelockerten Handschellen hoch und bedeckte seine Ohren, doch keine Chance. Die Akustik des Departments war offenbar von einem sadistischen Architekten entworfen worden, der wollte, dass jeder Ton doppelt hallte. Fuck, hätte der Sherrif ihn doch nur in den Knast zu den bösen Jungs verfrachtet, mit ein paar Schwänzen wäre er eindeutig besser klargekommen als .. „Uuuuh…“

    „Nein!“, rief Remington automatisch, völlig reflexhaft. Das Stöhnen wurde intensiver. Remy kippte zur Seite wie ein sterbender Fisch und ließ seinen Hinterkopf auf die Bank fallen. „Oh Gott… sie frisst ihn auf. Sie frisst ihn wirklich. Niemand kommt heil aus dieser Besenkammer raus. Die Frau hat Zähne wie ein Haifisch. Der Mann wird als amputiertes Männchen wieder rauskriechen. Und ich bin Zeuge!“ Ein lautes, polterndes Geräusch war zu hören. Wieder sie. Oder er. Oder ein Besen, der um sein Leben schrie. Remy wimmerte. „Ich bin zu jung dafür. Zu hübsch. Zu sensibel. Zu beschädigt. Das ist nichts für mich. Ich würde lieber nochmal verhaftet werden, als das hier..“ Dann, mit einem kehligen Unterton, der so eindeutig war, dass Remington instinktiv den Kopf gegen die Wand schlug: „Sheriff… Du… Du wilder Hengst!“

    „Hört das denn niemand anderes?!“ Remy sprang so gut wie möglich auf. Unvermittelt packte er an die Gitterstäbe und schüttelte sie verzweifelt. Die folgenden Minuten resignierte Remington Remy, bis zu dem Moment, in dem der Sheriff ihn erhobenen Hauptes mit seiner Anwesenheit beglückte. Demonstrativ langsam ließ er sein Augenpaar an dem Mann hinunterwandern. Er sah anders aus, aber weniger traumatisiert als Remington gehofft hat. Nein. Er sah… zufrieden aus? Gottlos. Da war sogar ein Knutschfleck. Ein verfickter Knutschfleck am Hals des Mannes. Oder… Lippenstift? Vermutlich beides, denn die Frau hatte genug Mund für zwei Lebensformen. Remington fror einen Moment lang ein, sah ausnahmsweise aus wie eine Wachsfigur, nicht wie das lebendige Chaos, das er sonst war. „..urgh.“ Sein Gesicht verzog sich auf eine Weise, die sogar die Kamera beleidigt hätte. Verstört. Beeindruckt? Angewidert. „Also…“ Er zeigte vage auf den Hals des Sheriffs. „.. was… genau… ist das?“ Er machte eine kreisende Geste, als würde er den Knutschfleck exorzieren wollen. „War das..“, er schluckte schwer. „.. ein Kampf? Oder hat Fräulein Nick versucht, Ihnen die Halsschlagader abzusaugen? Hat sie vielleicht.. Ich meine.. Sie sind ja noch ganz?“ Er schüttelte den Kopf. „Ich werde diesen Ton nie wieder aus meinem Kopf kriegen. Nie wieder. Das war… akustische Folter. Sie schulden mir Schmerzensgeld.“ Doch dann kam der Teil, der wirklich wichtig war. Offenbar hatte Fräulein Nick seine Wahrheit unterstrichen. Etwas in Remys Brust setzte aus. Sein Blick verriet einen winzigen, schmalen Funken… etwas wie Erleichterung. Oder Hoffnung. Oder das gefährliche Gefühl, dass er plötzlich nicht alleine gegen ein ganzes Dorf kämpfte. Es machte ihm Angst. Und merkwürdig… weich im Inneren. Unerträglich weich. Also machte er das, was er am besten konnte: Er trat den Moment mit voller Wucht kaputt. „Ja, wunderbar, Sie glauben mir. Das heißt aber nicht, dass ich gestehe. Chef.“ Er spuckte das Wort aus wie ein Kirschkern. „Ich bin doch nicht bescheuert. Ich gestehe gar nichts. Ich gestehe höchstens, dass Sie schlechten Geschmack bei Frauen haben.“ Er deutete wieder auf den Knutschfleck. „Und… das.“ Seine Nase verzog sich. „Das… ist ein Verbrechen. Sie sollten sich dafür entschuldigen. Öffentlich.“ Doch der Sheriff war nicht fertig. Remingtons Kopf schnellte herum, als der Sheriff sagte, er solle ihm bei den Ermittlungsarbeiten helfen. „Sie wollen… mich? Als… Hilfskraft?“ Sein Gehirn machte kurz blau, dann lachte er. „Sie wollen, dass ich Ihnen helfe?“ Er klopfte gegen die Gitterstäbe. „Ich? Der Typ, der Antagonist in diesem Wintermärchen? Der Freak mit Handschellen? Der Mann, den Sie eben noch filetieren wollten?“ Er trat näher. Derart nah, dass seine Stimme tief und süß und spitz wie ein frisch geschliffenes Skalpell an Sheriffs Wange abprallte. „Chief… Sie haben Mut.“, erkannte er ihn mit einem dunklen, gar diabolischen Lächeln auf den Lippen an. „Ich arbeite gar nichts ab, weil ich mir nichts habe zu Schulden kommen lassen. Aber ich helfe Ihnen natürlich gerne, wenn Sie so lieb darum bitten. Unter einer Bedingung.“ Er zeigte wieder auf den Knutschfleck. „Sie waschen das Ding ab. Und ich bekomme Gerhörschutz. Und ein neues Gehirn. Meins ist verbrannt. Und Sie machen mir die Dinger hier ab. Sofort.“ Demonstrativ erhob er seine Arme, doch hingegen seiner bissigen Worte erschien sein Blick beinahe neugierig, vielleicht sogar hoffnungsvoll hinsichtlich der möglichen Tatsache, dass der neue Sheriff neben seiner geballten Manneskraft auch einen moralischen Kompass besaß.

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