Coles Gedanken und Gefühle interessierte Bryan. Nicht nur die zu seiner Geschlechtsangleichung, sondern auch allgemein. Zu ihrem Streit, aber auch zu ihnen beiden. Er wusste, dass Cole ihn liebte, das hatte er ihm schon sehr deutlich gezeigt und er wusste auch, dass auch Cole nicht völlig frei von psychischen Problemen sein konnte. Das hatten seine Ausraster schon deutlich gezeigt und auch sein Drogenkonsum kam sicher nicht von irgendwo. Das waren alles Dinge, über die sie irgendwann noch reden sollten. Wann, konnte jetzt noch keiner der beiden sagen, doch irgendwann würden sie über alles reden... nach und nach...
Das Chaos in Bryans Zimmer war ihm unangenehm. Kein Wunder, denn normalerweise war er ein ziemlich ordentlicher Teenager, was eher ungewöhnlich war, doch so war er nun mal. Momentan sah sein Zimmer jedoch alles andere als ordentlich aus, was ihm durchaus ziemlich unangenehm war. Er wusste, wie es bei Cole aussah, zumindest oftmals. Hatte ihm und Caleb auch schon beim aufräumen geholfen, weshalb ihm klar war, dass es Cole nicht störte. Und doch störte es den Jüngeren.
Einen Moment schaute Bryan den anderen nur an, ehe er seine Hand ergriff und sich zu ihm setzte, um sich an seine Seite zu schmiegen. Er legte seinen Arm um den Bauch des anderen und seinen Kopf an dessen Schulter. Der unverwechselbare Geruch, den er so sehr vermisst hatte, stieg sofort in seine Nase und wirkte nahezu beruhigend auf ihn, auch wenn er den Geruch nach dem kalten Zigarettenrauch nach wie vor nicht leiden konnte. Und doch gehörte er einfach zu Cole und war nicht wirklich wegzudenken. Bryan wusste nicht, ob es gut war, wenn sie einfach so taten, als sei nichts, doch wollte er die Zeit mit seinem Freund gerade einfach genießen. "Du hast mir gefehlt..." Gab der Jüngere leise von sich und hob den Kopf. Er drehte ihn so, dass er Cole anschauen konnte und blickte diesem in die Augen. "Versprich mir, dass es nicht nochmal eskaliert, egal, was und wie viel zu erfährst..." Kam dann noch leise von ihm, denn er hatte unwahrscheinliche Angst davor, dass Cole nochmal abhauen könnte, wenn sie anfingen, über alles zu sprechen und das wollte er nicht. Er wusste, dass es schwierig war, solche Dinge zu versprechen, da man nie wissen konnte, ob man sie halten konnte, doch er brauchte einfach irgendeine Sicherheit und wenn es nur ein kleiner Funken war.
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Bryan hatte sich längst an den Geruch von kaltem Rauch an Coles Kleidung gewöhnt. Er mochte ihn nicht, doch irgendwie gehörte er auch zu dem anderen. Würde dieser Geruch fehlen, wäre es irgendwie nicht wirklich Cole, auch wenn Bryan es bevorzugen würde, nur den bekannten Geruch seines Freundes um sich zu haben, anstelle des Zigarettengeruchs.
Während sie liefen, schaute Bryan sich ein wenig um. Er hätte nie damit gerechnet, an diesem Tag auf Cole zu treffen und erst recht nicht damit, dass sie sich versöhnen würden. Gerade wirkte das alles noch wie ein Traum und sobald er aufwachte, wäre Cole wieder weg. Davor hatte er wahnsinnige Angst, doch glaubte er nicht, dass es nur ein Traum war, denn dazu fühlte es sich viel zu real an. Und dennoch war da diese Angst im Nacken, dass es einfach nur ein sehr realer Traum sein könnte. Doch wenn es einer war, wollte Bryan ihn so lange genießen, wie es nur ging, bevor er in die Realität zurückkehren würde.
Bryan sah Coles Deut, weshalb er leicht nickte: "Wir gehen rauf", antwortete er seinem Bruder und folgte seinem Freund. "Okay. Gebt Bescheid, wenn irgendwas ist." Kam nur noch von Neil. Bryan war froh darüber, dass sein Bruder jetzt kein großes Ding daraus machte. Dass er weder verlangte, dass sie unten blieben, noch irgendwie großartig thematisierte, was zwischen Bryan und Cole gewesen war. Er hätte seinem Bruder zugetraut, dass dieser erstmal ein Wörtchen mit Cole reden wollte, doch schien Neil zu merken, dass die beiden erstmal Zeit für sich brauchten und es nicht gut wäre, wenn er dem anderen jetzt eine Standpauke halten würde. Die Brüder hatten ein sehr gutes Verhältnis zueinander und Neil wollte Bryan nur beschützen. Auf dem Dorf ging das nicht so, wie er es gerne hätte, doch jetzt, in der Situation mit Cole, könnte er es und Bryan war ihm auch sehr dankbar dafür, dass er extra hergekommen war, um für ihn da zu sein. Doch gerade wollte er erstmal einfach mit Cole alleine sein.
Die beiden gingen hinauf und in Bryans Zimmer. Dieses Mal war es nicht wirklich aufgeräumt, kein Wunder, wenn man bedachte, dass Bryan sich wirklich beschissen gefühlt hatte und dem entsprechend auch nicht wirklich gewillt war, sich irgendwie um die Pflege seines Zimmers zu kümmern. "Beachte das Chaos einfach nicht..." Meinte Bryan, während er die Klamotten vom Sofa nahm und sie kurz ins Bad brachte, um sie dort in den Wäschekorb zu schmeißen, bevor er zurück ins Zimmer kam. Er hatte keine Ahnung, was nun kommen würde. Ob Cole schon jetzt einige Dinge wissen wollte oder nicht. Er ging jedoch nicht davon aus, dass der andere alles sofort wissen wollte, sondern eher davon, dass es nach und nach kommen würde. "Willst du was trinken? Ich habe hier oben noch eine Cola. Ansonsten gehe ich nochmal kurz runter und hole was." Eine geschlossene Cola hatte er noch in seinem Zimmer, schließlich hatte er keine Lust, sich ständig nur ein Glas mit Trinken hoch zu holen. -
Leicht zuckte Bryan mit den Schultern: "Jeder geht anders damit um. Manche möchten gar nicht über die Zeit vor der Transition reden, andere gehen total offen damit um", erklärte er, da da jeder anders war. Er selbst hatte bisher auch nicht mit Außenstehenden darüber gesprochen und würde es auch nicht, außer mit Cole und ihm war da ein respektvoller Umgang sehr wichtig. Er wollte keine blöden Bemerkungen hören, Lachen oder sonst irgendwas. Es war und blieb ein ernstes Thema und er wollte ernstgenommen werden. Bryan ging davon aus, dass Cole sich jetzt bemühen würde, es ernst zu nehmen und keine dummen Sprüche von sich zu geben, doch war leider nicht jeder so, weshalb Bryan dennoch Schiss davor hatte, mit dem anderen darüber zu reden. Wann das sein würde, überließ er Cole. Er wollte ihm Zeit geben und abwarten, bis sein Freund bereit dazu war.
"Gut..." Kam von dem Jüngeren. Er hoffte wirklich, dass Cole sich nicht irgendwann verplapperte oder vielleicht aus Wut, Frust oder irgendeiner anderen Emotion heraus doch irgendwas sagte. Eine gewisse Angst davor würde immer bestehen, doch ließ sich das nicht vermeiden. Er konnte das nicht einfach ausschalten, weshalb er mit dieser gewissen Angst im Nacken leben musste. Er schaute Cole an, musterte sein Gesicht ein wenig. Er genoss es, ihm wieder in die Augen schauen und ihm so nahe sein zu können, dieses Funkeln in seinen Augen zu sehen... Er hatte es vermisst... alles an Cole... Seine Nähe, seine Zuneigung, wie er ihn anschaute, mit ihm zu reden... Die Zeit ohne ihn hatte sich wie eine Ewigkeit angefühlt. Bryan fand es unglaublich, wie schnell und wie sehr man sich an jemanden gewöhnen konnte und wie sehr man jemanden in so kurzer Zeit lieben konnte. Es hatte schon beinahe was von einem Märchen... einem ziemlich holprigen Märchen, mit einigen Plottwists.
Als Cole entschied, mit ihnen zu kommen, lächelte Bryan. Er freute sich, dass sein Freund mit zu ihnen kommen würde, dass sie sich nicht direkt wieder voneinander trennen mussten, bis sie sich das nächste Mal sahen. Sicher würden sie nicht die ganze Zeit über sein Outing reden, das wäre wohl auch zu viel für einen Tag, doch wären sie dann zumindest noch eine Weile zusammen. Ob nun mit bei seiner Familie unten, oder auch ein wenig oben unter sich. Sie würden sehen, was genau sie machen würden.
Die beiden standen auf und Bryan drückte sacht Coles Hand, als dieser seine ergriff, während er sich mit der anderen eine Zigarette zwischen die Lippen schob: "Jetzt müssen wir erstmal meinen Bruder finden. Vielleicht hockt er ja wie ein kleiner Spanner in irgendeinem Gebüsch", grinste er, während sie los liefen, doch meinte er das nicht ernst. Er glaubte nicht, dass sein Bruder wirklich irgendwo in einem Gebüsch hockte und sie heimlich beobachtet und belauscht hatte. Sie liefen einfach den Weg entlang, denn sollten sie ihn auf dem Weg nicht finden, konnte Bryan ihm immer noch schreiben oder in Anrufen und ihm sagen, dass er zum Eingang des Waldes kommen sollte. Als sie mehr als die Hälfte des Weges gegangen waren, sah Bryan ihn in einiger Entfernung an einen Baum gelehnt stehen, während er auf sein Handy schaute. "Neil", rief Bryan, um seinen Bruder auf sie aufmerksam zu machen. Dieser schaute von seinem Handy auf und in die Richtung der beiden: "Oho, ihr scheint euch vertragen zu haben", lächelte er und stieß sich vom Baum ab, während er sein Handy in seine Hosentasche schob.
Gemeinsam machten sich die drei auf den Weg. Neil kommentierte es nicht weiter, dass die beiden sich offenbar vertragen hatten, worüber Bryan auch ganz froh war. Er wollte das nicht großartig thematisieren und könnte später noch genug mit seinem Bruder darüber reden. Jetzt wollte er es einfach erstmal genießen, wieder mit Cole vereint zu sein.
Als sie bei dem Wohnhaus ankamen, schloss Neil die Haustür auf und sie gingen hinein. Neil zog sich die Schuhe aus, Bryan ebenso. "Wollt ihr nach oben?" Fragte Neil die beiden nebenbei, da er keine Ahnung hatte, was sie jetzt vor hatten, ob sie lieber alleine sein wollten oder sich mit ins Wohnzimmer oder in die Küche setzten. -
Bryan erwiderte den leichten Druck mit seiner Hand, während er auf eine Reaktion wartete. Bei dem Gestammel des anderen musste er dann doch grinsen, da es schon irgendwie niedlich war. Er konnte jedoch verstehen, dass Cole noch nicht so recht wusste, was genau er sagen konnte, schließlich ging es um ein Thema, das für Bryan wirklich sensibel war. Es ging um seine Vergangenheit, um seine Geschlechtsangleichung und alles, was damit zu tun hatte. "Entspann dich..." Gab der Jüngere zunächst von sich. "Ich will es dir erzählen, damit du es besser verstehst. Du kannst mich alles fragen, was du willst, dabei musst du nicht aufpassen, wie oder was du fragst. Ich kann über die Zeit reden, auch wenn es komisch und schwierig für mich ist, weil ich bisher nur in der Therapie mit einer Außenstehenden Person darüber gesprochen habe..." Cole sollte sich nicht zurückhalten müssen. Er konnte ihn ruhig offen fragen, was er wissen wollte, auch wenn es für Bryan nicht so einfach werden würde. Dennoch wollte er dem Älteren die Antworten geben, die er brauchte. Er wollte ihm alles erzählen und ihm damit ein weiteres Mal zeigen, dass er ihm vertraute. "Frag nur nicht vor anderen." Meinte er dann und schaute Cole etwas ernster an. Zwar hatte Cole bisher nichts gesagt und Bryan war sich sicher, dass der andere es auch weiterhin nicht tun würde, doch wollte er nochmal klar machen, dass Cole solche Dinge nicht vor anderen Fragen sollte, außer vor Bryans Familie, die wusste ohnehin Bescheid.
Bryan schaute dem anderen fest in die Augen. Immer noch stand ihm die Verletzlichkeit in diesen, die Unsicherheit und doch war da wieder dieses Funkeln... die Wärme und Liebe, die er für Cole empfand und mit ihm teilen wollte. Er wollte ihn nicht nochmal verlieren. Er hoffte inständig, dass Cole mit alle dem klar kommen würde, dass er bleiben würde und es für ihn irgendwann vielleicht normal wurde. Bryan beugte sich zögernd vor und legte seine Lippen auf die des anderen, nur für einen kurzen Moment, ehe er seine Stirn an Coles legte: "Willst du mit uns nach Hause oder brauchst du noch Zeit für dich?" Fragte er ihn zögernd und leise. Er war unsicher, wusste nicht, ob Cole jetzt schon bereit dazu war, wieder mit zu ihm zu kommen und vielleicht sogar schon über dieses Thema zu reden, oder ob er lieber alleine sein wollte, um alles in Ruhe sacken zu lassen. Bryan wusste selbst nicht wirklich, ob er schon bereit dazu wäre, mit ihm zu reden, doch wollte er ihn auch nicht gehen lassen. Er wollte Cole bei sich behalten, wollte dieses Thema zugleich auch irgendwie so schnell wie möglich abhaken, doch würde er sich da nach Coles Tempo richten, denn der Ältere musste wissen, wie viel auf einmal er verarbeiten konnte. -
Die Stille zermürbte Bryan regelrecht. Wie meinte Cole das? Wollte er es lieber beenden und damit sagen, dass sie beide darüber hinwegkommen sollten? Oder wollte er, dass sie es weiter versuchten? Die Aussage des Älteren war alles andere als aussagekräftig, doch nahm Bryan ihm das nicht übel. Er wusste ja selber nicht wirklich, was er sagen sollte und wäre er in Coles Situation, würde er sich vermutlich genauso undefiniert ausdrücken, nur, um nicht alles aussprechen zu müssen. Es hatte genügend Momente gegeben, wo Bryan genauso wenig wusste, was er sagen und wie er sich ausdrücken sollte. Auch er hatte schon das eine oder andere von sich gegeben, was Cole nicht oder zumindest falsch verstanden hatte, keine Frage. Das war menschlich.
Als der Ältere seine Stimme doch wieder erhob, hörte Bryan ihm still zu. Er hörte, was Cole sagte und ihm wurde warm ums Herz, als Cole ihm seine Liebe gestand. Zwar waren sie ein Paar und Cole hatte ihm durchaus schon bewiesen, dass er ihn liebte, doch war es einfach etwas ganz anderes, wenn man es gesagt bekam. Er hörte, was der andere weiter sagte, spürte dabei deutlich, dass es ihm nicht anders ging. Natürlich wollte auch er, dass es wieder wie vorher war, denn schließlich war es schön, bis zu dem Zeitpunkt, wo Bryan sich geoutet hatte. Leicht musste er schmunzeln, als Cole das Outing als 'unerwartete Sache' bezeichnete. Er konnte verstehen, dass es verwirrend war und dass es auch wirklich unerwartet war. Schließlich erinnerte nichts an sein früheres Ich, von einer Sache mal abgesehen. Doch rein äußerlich sah er männlich aus, hatte eine tiefe Stimme, keine Brust... nichts, was auf sein biologisches Geschlecht hindeutete, zumindest von dem her, was andere zu Gesicht bekamen.
"Ich liebe dich auch und ich will dich auch nicht verlieren..." War das erste, was über seine Lippen kam, denn er wollte, dass Cole das direkt verinnerlichte. Er wandte dem Älteren seinen Blick zu: "Ich erkläre dir alles, was du wissen willst und wann du es wissen willst..." Kam dabei von ihm. Er würde dem anderen keine Antwort verweigern, das stand für ihn fest. Er wollte, dass Cole frei heraus fragen konnte, wenn er irgendwas wissen wollte, vollkommen egal, worum es dabei ging. Ihm war bewusst dass da auch Fragen bei dein könnten, die ihm nicht so gefielen, doch das wäre okay.
Kurz zögerte er, doch schob er dann seine Finger zwischen die des anderen: "Ich vertraue dir, Cole... wirklich... Und ich wünsche mir nichts mehr, als dass es funktioniert und wenn ich dir dafür alles bis ins kleinste Detail erklären und erzählen muss, nehme ich das in Kauf..." Ja, leicht würde es für ihn sicher nicht werden, das wusste er. Es gab einfach Dinge, über die er ungerne reden wollte, was seine Vergangenheit und die Transition betraf, denn sicher würde Cole auch wissen wollen, wie es davor war.. wie er sich gefühlt hatte und all solche Dinge. Doch damit würde er schon klar kommen. -
Bryan wusste, dass sein Bruder nicht in der Nähe blieb, weil er dachte, Cole könnte ausrasten oder Ähnliches. Er wollte einfach im Notfall schnell bei Bryan sein können. Sein Bruder war eben der typische Beschützer, der auf seinen kleinen Bruder achtete und für ihn da war, wenn er es brauchte und sollte das Gespräch nicht gut laufen, würde Bryan ihn definitiv brauchen. Natürlich könnte Neil nicht einfach alles ungeschehen machen, das war klar, doch gab er dem sechzehnjährigen Halt und das war das Wichtigste.
Auf eine Antwort wartend, saß der Jüngere neben Cole. Seine Nervosität und die Angst vor dem, was kommen würde, konnte er nicht verbergen. Es machte ihn wahnsinnig, dass Cole schwieg und nicht gleich auf seine Frage antwortete. Was dachte der Ältere? Was ging in seinem Kopf vor sich? Worüber wollte er mit ihm reden? Sicher über die Situation zwischen ihnen, über was auch sonst... doch über was davon? Wollte er ihm nochmal deutlich sagen, dass es vorbei war? Dass er das nicht konnte und es lieber offiziell beenden wollte? Oder wollte er ihm Fragen stellen, um ihn besser verstehen zu können? Es gab so viele Möglichkeiten und diese Stille zwischen ihnen machte ihn nur noch nervöser.
Das knappe 'Ja', welches so kühl klang, ließ den sechzehnjährigen kurz in seiner Bewegung inne halten, ehe er weiter an seiner Haut knibbelte, als könnte das irgendwas besser machen. Tat es natürlich nicht, doch konnte er so seine Nervosität zumindest irgendwie ein bisschen bekämpfen.
Erneute Stille breitete sich aus. Bryan wusste nicht, was er sagen sollte. Cole war es, der mit ihm reden wollte, doch schwieg dieser und Bryan wusste nicht, was er sagen sollte. Sollte er einfach weiter fragen? Doch was sollte er noch fragen können? Was könnte er sagen?
Bryan würde am liebsten die Zeit zurückdrehen und sich dagegen entscheiden, sich vor Cole zu outen oder noch besser... noch weiter zurück, damit er gar nicht erst in die Situation kam, es tun zu müssen. Einerseits wollte er, dass es einfach wieder wie vorher war, doch andererseits wollte er auch, dass es gar nicht erst zu dieser Situation kommen konnte. Früher oder später hätte er es so oder so tun müssen, da es nun mal Dinge in einer Beziehung gab, bei denen man sowas nicht einfach verheimlichen konnte.
Coles Hand kam in Bryans Blickfeld und legte sich auf die Hände des Jüngeren, welcher daraufhin zwangsläufig aufhören musste, an seinen Fingern zu knibbeln, während er die Worte des anderen hörte. Er wollte sagen, dass es egal war... dass er das brauchte, um nicht vor Nervosität und Unsicherheit zu platzen, doch nahm er es schweigend hin. Er schob seine Finger ineinander und drückte seine eigenen Hände, während er auf die von Cole starrte. Sie strich über seine Hände, so sanft, als wäre nie was gewesen. Diese Geste zeigte ihm, dass Cole ihn liebte und genau das zerriss ihm das Herz, denn momentan war alles so vollkommen ungewiss.
Die nächsten Worte des Älteren schienen Bryan regelrecht nieder zu knüppeln. Sie waren wie ein schwerer Hammer oder gar ein Amboss, der auf ihn nieder fiel. Sie konnten alles mögliche bedeuten. Es könnte heißen, dass Cole es wirklich beenden wollte, damit diese Situation ein Ende hatte und sie beide darüber hinweg kommen konnten. Es könnte aber auch bedeuten, dass Cole alles anständig klären und es versuchen wollte. In Bryans kaputtem Gehirn überwogen derzeit ohnehin all die negativen Dinge, weshalb es ihm schwer fiel, die möglichen positiven Ausgänge zu erkennen. Er wandte seinen Blick zur Seite, weg von Cole, nur für einen Moment, ehe er wieder auf ihre Hände blickte: "Wie meinst du das?" Fragte er vorsichtig nach. Er wollte es wissen... wollte wissen, was Cole meinte und wie er es meinte. Wenn er es endgültig beenden wollte, sollte er es ihm jetzt geradeheraus sagen, damit Bryan Gewissheit hatte und sich keine weiteren Hoffnungen machte. Diese winzige Hoffnung, die sich immer wieder durch die Schwärze drängte, machte alles noch viel schwieriger für ihn. -
Innerlich ohrfeigte Bryan sich selbst, dass er nicht darauf geachtet hatte, wo er eigentlich hin ging. Er war einfach gelaufen... irgendwo hin... oder doch nicht einfach nur 'irgendwo' hin? War es unterbewusst vielleicht beabsichtigt? In der Hoffnung, auf Cole zu treffen, denn er wusste doch ganz genau, dass dieser Ort etwas Besonderes für den anderen war und dieser auch gerne her kam, wenn er nachdenken musste und momentan musste Cole definitiv nachdenken... viel sogar... da war Bryan sich sicher. Er könnte sich diese Frage selbst nicht beantworten, weshalb sie wirr in seinem Kopf umher wanderte, auf der Suche nach einer Antwort, welche ihr verborgen bleiben würde.
In diesem Moment war Bryan froh, Neil bei sich zu haben, denn ohne ihn würde er sich noch unwohler fühlen, als ohnehin schon. Es war seltsam für ihn, jetzt auf Cole zu treffen. Er wollte ihm doch Zeit geben, ihn in Ruhe nachdenken lassen und nun stand er vor ihm, in sich gekehrt und leise.
Bryan griff bereits nach dem Handgelenk seines Bruders, um diesen zum umdrehen zu drängen und mit ihm zu gehen, doch da hörte er Coles Worte, welche dafür sorgten, dass er sich anspannte. Sie klangen so hart... so bestimmend, als würde er ihm keine Wahl lassen, als würde er einen Widerspruch nicht akzeptieren. Seine nächsten Worte klangen schon ganz anders. Bryans Blick hob sich, er sah die Verletzlichkeit und den Schmerz in Coles Augen. Etwas, was er eigentlich nicht in seinen Augen sehen wollte... Freude war ihm sehr viel lieber, doch momentan ließ sich das schwerlich einrichten, das war ihm bewusst. Ein zögerliches, leichtes Nicken kam von dem sechzehnjährigen, auch wenn er sich nicht wirklich sicher war. Doch wenn Cole mit ihm reden wollte, weshalb sollte er es ablehnen? Das war es doch eigentlich, was auch er wollte... irgendwie... irgendwie aber auch nicht, aus Angst vor dem, was dabei herauskommen könnte. Worüber wollte Cole mit ihm reden? Was wollte und würde er sagen? - Das 'worüber' war schnell klar, denn es gab derzeit nur ein einziges Thema, über das sie reden müssten. Doch was dabei herauskommen würde, bereitete ihm Angst. Angst davor, dass Cole seine Entscheidung getroffen hatte und diese gegen ihn ausfiel.
Bryans Blick wandte sich zu Neil, als Cole sich an diesen richtete. Der Ältere blickte erst Cole an, dann Bryan, mit einem fragenden Blick. "Geh. Ich melde mich bei dir", gab der jüngere Bruder von sich, woraufhin Neil nickte: "Okay.. Aber ich bleibe in der Nähe." Er warf Cole nochmal einen Blick zu. Einen Blick, der deutlich aussagte, dass er Bryan nicht in einen tiefen Abgrund stoßen sollte. Dass er es ihm behutsam sagen sollte, was auch immer er zu sagen hatte. Neil drückte seinen kleinen Bruder nochmal kurz an sich, ehe er den Weg zurück ging, den sie gekommen waren.
Kurz hatte Bryan dem anderen nachgeschaut, bevor er wieder zu Cole blickte. Er zögerte, bevor er zur Bank ging und sich mit etwas Abstand neben ihn setzte. Die Hände auf dem Schoß knibbelte er etwas an seinen Nägeln und der Haut daneben herum. Er war nervös und unsicher, das war ihm deutlich anzumerken und er konnte und wollte es auch nicht verbergen. "Erinnerst du dich an gestern Abend?" Fragte er vorsichtig nach, denn es interessierte ihn wirklich, ob Cole noch wusste, worüber sie gesprochen hatten und was er gesagt hatte. -
Bryan stand da, starrte Cole an, seine Gedanken waren wie leergefegt und zugleich schienen alle Stimmen in ihm gleichzeitig zu reden. Alle Gedanken, die er hatte, prasselten auf einmal auf ihn ein. Die Gedanken, die er schon die ganze Zeit hatte, jedoch zumindest halbwegs geordnet. Doch nun? - Nun war dieser verdammte Orkan zurück, welchen sein Bruder etwas hatte besänftigen können. Er wütete wieder, bäumte sich erneut auf, als würde er gegen die leichte Ruhe ankämpfen, die Neil ihm beschert hatte. Der Mensch, dem er am meisten vertraute, der ihn nie hängen lassen würde, ihn immer unterstützt hatte.
Doch nun war da Cole.. wenige Meter vor ihm, der ihn genauso anstarrte, wie Bryan ihn. Es war, als würde die Welt um ihn herum verschwimmen und die Zeit stillstehen. Als wäre Neil nicht mehr anwesend, welcher nur wenige Zentimeter neben Bryan stand und verwirrt zwischen den beiden hin und her schaute. Ihm war anzusehen, dass es in seinem Kopf ratterte, denn wie viele Personen konnte es in dieser Stadt schon geben, bei denen solch eine Reaktion hervorgerufen werden konnte.
Er vernahm seinen Namen, leise, nahezu gehaucht. Es war Coles Stimme, synchron zu diesem Wort bewegten sich seine Lippe. Die Lippen, welche er in den vergangenen Monaten so oft geküsst hatte. Cole sah nicht minder überrascht aus und zugleich auch nicht weniger zerstreut. Eine Hand legte sich an Bryans Rücken und riss ihn aus seiner Starre. Sein Kopf drehte sich, sein Blick wandte sich zu Neil, welcher seinen jüngeren Bruder schmal anlächelte, ehe er seinen Blick zu Cole wandte: "Ich schätze mal, du bist Cole..." Richtete er seine Worte an den siebzehnjährigen. "Ich bin Neil, Bryans älterer Bruder", stellte er sich dem Teenager vor, damit dieser wohl nicht gleich dachte, Bryan hätte einen neuen Typen. Zumindest ging der Jüngere davon aus, dass sein Bruder sich deshalb direkt vorstellte.
Den Blick wieder Cole zugewandt, wusste Bryan nicht, was er sagen sollte. Es war, als hätte ihm jemand alle Worte gestohlen und das Fünkchen Mut, welches er besaß, gleich mit. Nüchtern war es definitiv nochmal was anderes, wie Bryan gerade feststellte. Am Vorabend schien es so einfach zu sein, mit Cole zu reden, ihm all diese Dinge zu sagen und jetzt? - Jetzt war er wie damals, auf dem Dorf, als er sich alles hatte gefallen lassen. Aber wieso? Es war doch Cole... der Junge, den er liebte! Der, dem sein Herz gehörte, verdammt!
"Ich... äh... w-wir wussten nicht... dass du hier bist..." Stammelte er doch noch irgendwie hervor. Sein Blick senkte sich, während sein Herz erneut immer schwerer wurde. Das Herz, welches eben noch schneller schlug. "Wir... also... wir sollten gehen..." Stammelte er den nächsten Satz. Er wusste nicht, was er sonst sagen sollte, wie er Cole gegenübertreten sollte. Der andere wollte Ruhe... wollte Zeit haben und nun begegneten sie sich. Eine Begegnung, die Bryan hätte vermeiden können, wenn er sich einfach wieder an seinen PC gesetzt hätte. Doch war da Neil, welcher ihn rausgelockt hatte... wären sie doch einfach direkt nach Hause gegangen, statt noch durch die Umgebung zu streifen! -
"Meinst du, ich sollte ihm schreiben?" Fragte Bryan seinen Bruder. Er hatte sicher einen Rat für ihn, so hoffte er zumindest. "Das musst am Ende du wissen, Bry... Aber du sagtest, er will erstmal Abstand, um in Ruhe darüber nachzudenken, also würde ich ihm den auch geben. Ich denke, er wird sich melden, wenn er bereit dazu ist und wenn es ist, um dir zu sagen, dass er es nicht kann. Aber dann stehst du zumindest nicht in der Schwebe, sondern weißt, woran du bist." Neil sprach ruhig und Bryan wusste, dass er Recht hatte. Was würde es bringen, wenn er Cole jetzt auf die Pelle rücken würde? Wenn er ihn fragen würde, ob sie sich treffen wollten und dann war der Ältere noch nicht soweit? Vielleicht würde er sich dann unter Druck gesetzt fühlen und das wollte Bryan nicht. Cole sollte die Möglichkeit haben, in Ruhe nachzudenken und wenn er bereit war, sollte er sich von sich aus melden können. "Du hast Recht.." Murmelte der sechzehnjährige seufzend. Zu gerne würde er Cole schreiben, ihn fragen, ob er sich an ihr Gespräch erinnern konnte und was er heute darüber dachte. Ihn fragen, ob er schon darüber nachdenken konnte, doch ließ er es.
Schweigend aß er mit Neil, doch ließ er sich den Großteil seines Essens einpacken, da er einfach keinen wirklichen Appetit hatte. Schon beim Frühstück hatte er lediglich seinen Kaffee getrunken und ein halbes Brötchen gegessen, den Rest bekam sein Bruder. Bryan wusste, dass das eigentlich nicht gut für ihn war, vor allem wegen den Medikamenten, doch war ihm einfach nicht nach essen.
Die beiden entfernten sich wieder von dem kleinen Imbiss, welcher inmitten der kleinen Innenstadt lag. Die roten Pflastersteine und die alten Fachwerkhäuser zeugten vom Alter der Stadt, wohingegen die teils modernen Geschäfte gar nicht wirklich in das Stadtbild passten. Es war ein Kontrast, der Moderne und Altstadt miteinander vereinte. Sie waren bereits in verschiedenen Geschäften, Kleiderläden, wie auch Stadteigenen Geschäften, in denen man Souvenirs bekam, Gewürze und allerlei andere Dinge. "Lass uns aus der Innenstadt gehen", meinte der sechzehnjährige, nachdem sie zum gefühlt hundertsten Mal an dem Brunnen vorbeikamen, welcher den Rathausplatz der Stadt zierte.
Sie verließen die Innenstadt und liefen durch die Straßen. Wie automatisch lief Bryan die Wege, die er sonst mit Cole ging. Zum Skateplatz, über den Bryan seinem Bruder ein bisschen was erzählte. Darüber, dass Cole ihm da immer wieder mal ein bisschen das Skaten beibrachte, wie sie sich dort immer mit Alex und Tristan trafen. Es waren schöne Erinnerungen und doch wurde sein Herz dabei immer schwerer. Sie gingen weiter und irgendwann, ohne es wirklich zu realisieren, gingen sie das Waldstück hinauf, zu der Lichtung, welche Cole ihm gezeigt hatte. Die Lichtung, wo sie in den letzten Monaten immer wieder mal waren, um ungestört zu sein. Wo sie sich 'versteckt' hatten, um auch im Freien mal Zärtlichkeiten austauschen zu können, ohne aufzufliegen.
Sie betraten die Lichtung und als Bryan eine Gestalt auf der Bank erblickte, blieb er abrupt stehen. Es war Cole... Cole saß dort, wenige Meter von ihm entfernt, schien nachzudenken. Klar, es war Coles Ruheplatz, der Ort, an dem er seinen Gedanken nachhängen konnte, ohne gestört zu werden. Ein Ort, der dazu einlud, sich dort nieder zu lassen, um sich über Dinge klar werden zu können. -
Ohne Umwege waren Bryan und Neil in das Zimmer der sechzehnjährigen gegangen. Es war, als würde alles aus ihm herausplatzen, sobald sie alleine waren. Seine Eltern wussten einen Teil, da sie es selber mitbekommen hatten, doch Neil erzählte er jetzt wirklich alles von Anfang bis Ende. Davon, wie es mit ihm und Cole anfing, von ihrem Projekt, von der Lichtung, der Party, ihrem ersten Kuss. Einfach alles, was bis zur vergangenen Nacht passiert war. Es nahm gar kein Ende, bis er alles los geworden war. Zwischendurch flossen Tränen, manchmal strahlte er regelrecht und doch war da durchgehend diese dunkle Wolke, welche alles überschattete. Die Wolke, welche am vorherigen Tag entstanden war und einen Orkan in Bryan und seinem Leben ausgelöst hatte. Er hatte es kommen sehen und doch hatte es ihn vollkommen aus der Bahn geworfen. Für Neil war es sichtlich schwer, seinen Bruder zu sehen und ihm nicht wirklich helfen zu können. Er konnte nur für ihn da sein, das wusste Bryan auch, doch wünschte er sich dennoch, der Ältere könnte alles einfach irgendwie ungeschehen machen... wobei... nicht alles, nur das Negative, denn an die positiven Sachen wollte Bryan sich erinnern.
Er wusste nicht, wie es mit ihm und Cole weitergehen würde, ob da überhaupt irgendwas weitergehen konnte... ob es noch irgendeine Chance für sie beide gab. Er wünschte es sich so sehr und doch glaubte er kaum noch daran. Es spielte keine Rolle, worüber sie in der Nacht gesprochen hatten, denn Cole war vollkommen high und betrunken. Wahrscheinlich erinnerte er sich nicht mal mehr an das Gespräch und wenn doch, blieb die Frage, ob es irgendwas ändern würde. Ob Cole wirklich einfach nur Zeit brauchte und dann alles gut wurde, oder ob es wirklich endgültig vorbei war.
Neil hatte ihn einfach reden lassen, hatte ihm mehr als zwei Stunden einfach nur zugehört, ihm Zeit gegeben, wenn er diese brauchte, ehe er weiterreden konnte. Es tat gut, alles mal raus zu lassen, einfach mal mit jemandem reden zu können, bei dem er nicht aufpassen musste, was er sagte und dem er voll und ganz vertraute. Zwar konnte er mit seinen Eltern auch reden, doch würde er diesen nicht jedes Detail anvertrauen.
Nachdem Bryan sich ausgeredet hatte und die Tränen getrocknet waren, machte dieser sich im Bad fertig, zog sich frische Sachen an und fühlte sich gleich etwas besser, auch wenn diese dunkle Wolke ihn weiterhin begleitete. Die beiden machten sich auf den Weg in die Stadt, frühstückten dort gemeinsam und Bryan zeigte ihm alles. Sie wollten einfach ein wenig Zeit miteinander verbringen, Bryan ablenken. Es tat ihm gut, mit seinem Bruder unterwegs zu sein, welcher ihn zum lachen brachte. Zwischendurch war Bryan sehr schweigsam, war völlig in Gedanken versunken, doch holte Neil ihn schnell aus diesen heraus.
Die Stunden vergingen und der Nachmittag brach an. Bryan hatte gar nicht realisiert, wie die Zeit verging, doch als die beiden gerade draußen bei einem Imbiss saßen und auf ihr Essen warteten, blickte er kurz auf die Uhr. Er fragte sich, wie es Cole gerade ging, ob dieser inzwischen wach war und was er dachte. Erinnerte er sich an das Gespräch? Oder hatte er es völlig vergessen? Wenn er sich daran erinnerte, was dachte er jetzt darüber? Wie dachte er über sie beide? Wollte er dem Ganzen noch eine Chance geben oder war die Sache für ihn durch? "Bryan?" Riss ihn die Stimme seines Bruder zum gefühlt hundertsten Mal an diesem Tag aus seinen Gedanken. "Hm?" Kam von dem Jüngeren, welcher seinen Bruder anblickte: "Das Essen ist da.. du solltest vielleicht ein bisschen Platz machen, damit der junge Mann es auf den Tisch stellen kann", Bryans Blick wandte sich zu dem freundlich lächelnden Mann, welcher mit den Tellern in der Hand wartete. Der sechzehnjährige hatte sich auf den Tisch gestützt, wodurch nicht mehr viel Platz für die Teller vorhanden war: "'Tschulding", kam von dem Teenager, welcher seine Arme direkt vom Tisch nahm. "Schon okay", erwiderte der andere, welcher die Teller abstellte, den beiden noch einen guten Appetit wünschte und wieder hinein ging.
"Du hast wieder an Cole gedacht, hm?" Kam von seinem Bruder, weshalb Bryan wieder zu ihm schaute. Sein trüber Gesichtsausdruck sprach Bände. Zustimmend nickte er leicht, denn verbergen konnte er es sowieso nicht. Nicht nur, weil sein Bruder ihn wahnsinnig gut kannte, sondern auch, weil man es ihm auf zehn Kilometer Entfernung ansehen konnte. -
Bryan sah die Trauer in Coles Blick und ihm ging es nicht anders. Er wäre gerne mitgegangen, doch er konnte noch klar genug denken, um zu wissen, dass das vielleicht nicht so sinnvoll wäre. Sie hatten eben noch darüber gesprochen, dass Cole Zeit brauchen würde und Bryan wollte nichts riskieren. Er wollte nicht, dass Cole am nächsten tag ausrastete, weil Bryan bei ihm im Bett lag. Dass der Ältere sich vielleicht gar nicht mehr an ihr Gespräch erinnerte und sauer wurde, weil Bryan seine Trunkenheit vermeintlich ausgenutzt hatte. Nein - Es war besser, wenn sie für diese Nacht getrennte Wege gingen. Leicht nickte er daher auf Calebs Frage: "Ja.. ist besser so", gab er leise zurück.
Leicht hoben sich Bryans Mundwinkel, als Caleb ihm anordnete, zuhause etwas zu trinken, dabei jedoch nochmal klar sagte, dass es kein Alkohol sein sollte. "Sollte ich hinkriegen", erwiderte er, auch wenn er zu gerne den Alkoholschrank seiner Eltern plündern würde. "Kümmer dich gut um ihn." Auch wenn es gerade eine ziemlich schwierige und beschissene Situation zwischen den beiden war, machte er sich Sorgen um Cole und wollte, dass es diesem gut ging. Er wusste zwar, dass Caleb sich sicherlich gut um seinen jüngeren Bruder kümmern würde, doch wollte er es dennoch erwähnen.
Kurz blickte Bryan den beiden nach, ehe er ebenfalls den Heimweg antrat. Seine Gedanken kreisten, sein Kopf war wieder voll mit allem möglichen. Mit dem, worüber sie gesprochen hatten, dem, was Cole gesagt hatte. Aber auch mit dem Anblick des Kusses zwischen Cole und Melli, welcher ihn immer noch wütend machte. Damit, wie das alles weitergehen würde und ob Cole wirklich dichthalten würde. Es war so vieles in seinem Kopf, dass er gar nicht wusste, wo seine Gedanken anfingen und wo sie endeten.
Zuhause angekommen zog er seine Schuhe aus und holte sich aus der Küche eine kleine Flasche Wasser, bevor er leise die Treppe hinauf ging. Im Bad machte er sich grob fürs Bett fertig, putzte sich die Zähne, leerte seine Blase und nahm seine Tablette, bevor er in sein Zimmer ging und sich dort, bis auf die Shorts, auszog und sich anschließend in sein Bett legte. Nachdenklich starrte er an die dunkle Decke, bis ihn so langsam die Müdigkeit einholte und er einschlief.
Seine Nacht verlief alles andere als ruhig. Albträume plagten ihn. Erinnerungen an seine Vergangenheit, aber auch der Streit mit Cole verfolgten ihn.
Als er am Morgen zum gefühlt hundertsten Mal aus dem Schlaf aufschreckte und die Sonne durch sein Fenster scheinen sah, gab er es auf. Er gab auf, weiter zu schlafen und drehte sich seufzend auf den Rücken, ehe er nach seinem Handy griff. Es war kurz nach neun... immerhin nicht ganz so früh, wie erwartet und doch fühlte er sich völlig gerädert, vom Alkohol und auch von dieser unruhigen Nacht.
Leise seufzend legte er das Handy wieder weg, blieb noch einige Minuten liegen, bevor er sich langsam aus dem Bett quälte und aus seinem Zimmer schlurfte, um ins Bad rüber zu gehen, wo er seiner Morgenroutine nachging und auch gleich unter die Dusche sprang, denn dafür hatte er am Abend keine Kraft mehr, doch war es dringend nötig, da er nicht nur nach Alkohol, sondern auch nach Schweiß roch, was seinem kleinen Marathonlauf geschuldet war.
Frischgemacht und angezogen ging er runter, wo er seinen Weg in die Küche antrat, dabei jedoch abrupt stehen blieb, als er seinen Bruder dort sitzen sah, am Esstisch, mit ihren Eltern. Bryan starrte ihn an, als würde er einen Geist sehen, während sein Bruder ihn breit angrinste: "Na, du kleine Schlafmütze", kam von ihm, ehe er aufstand. Direkt sprang Bryan ihn regelrecht an und schloss ihn erstmal in seine Arme. "Was machst du denn hier?" Wollte der Jüngere wissen, da ihm niemand gesagt hatte, dass er vorbeikommen würde. Ein wenig druckste er herum, ehe er mit der Sprache rausrückte: "Naja... Mom und Dad haben mir erzählt, dass es mit Cole nicht so gut lief.. also bin ich gestern noch ins Auto gesprungen und her gefahren", erzählte er. Sie wussten, dass Bryans Bruder sein größter Halt war und er diesem so gut wie alles anvertraute. -
Bryan bemerkte, wie Cole immer mehr zu schwanken begann und sich an der Laterne festhielt. Der Ältere war eindeutig richtig hacke, das konnte jeder sehen. In diesem Moment war Bryan froh, dass er selbst noch nicht so voll war, da er sonst selber keinen klaren Gedanken fassen könnte und Caleb würde sicher nicht beide stützen und durch die Gegend schleppen können. In diesem Moment war der sechzehnjährige wirklich froh darüber, dass er die halbe Pille noch nicht genommen hatte, denn mit der Wirkung von dieser wäre er wohl erstmal ausgeknockt. Sein Körper war nicht an Drogen gewöhnt, nicht mal an Gras, weshalb er sich vorstellen konnte, dass ihn das Zeug erstmal richtig umhauen würde. In diesem Moment wäre das gänzlich unpraktisch und doch ging ihm diese kleine Pille nicht aus dem Kopf.
Als Caleb dichter an sie heran trat und seinen jüngeren Bruder direkt stützte, ging Bryan etwas zur Seite, um ihm ausreichend Platz zu bieten. Bryans Blick wandte sich zu Cole, als dieser etwas motzte, weshalb der Jüngere kurz schmal grinsen musste: "Er hat aber Recht, Cole..." Gab er von sich, denn Cole würde es inzwischen sicherlich noch beschissener gehen, wenn er noch länger auf der Party geblieben wäre. Vielleicht hätte er sogar so lange getrunken, bis er eine Alkoholvergiftung bekam? Vielleicht hätte er noch mehr Drogen eingeworfen und es wäre zu einer Überdosis gekommen? In jedem Fall wäre er sicherlich im Krankenhaus gelandet. Und gerade war Bryan selbst ganz froh, dass er von der Party geflüchtet war, da es ihm selbst vermutlich nicht wirklich anders gehen würde. Und dennoch würde er zu gerne wieder zurück gehen. Dorthin, wo er trinken und feiern könnte... einfach alles um sich herum vergessen.. seine Gedanken und Gefühle los werden und alles für eine kleine Weile vergessen. Doch wäre es so schlau, wenn er das tun würde? Wenn er zurück ginge, weiter trank und auch die Droge nahm? Er wusste es nicht...
Bryan wurde von Calebs Frage aus seinen Gedanken gerissen, weshalb er zu diesem schaute. Dabei sah er auch Coles Blick, welcher Bände sprach. Wie er selbst, war der siebzehnjährige hin- und hergerissen. Es dauerte einen Moment, bis Bryan ganz leicht, kaum merklich den Kopf schüttelte: "Ich glaube, das wäre keine so gute Idee..." Sprach er leise, denn auch wenn sie gesprochen hatten, brauchten sie, vor allem aber Cole, etwas Abstand. Er würde so gerne mitgehen, sich zu Cole legen, für ihn da sein. Doch was würde passieren, wenn dieser am nächsten Tag ausgenüchtert aufwachte und Bryan neben sich entdeckte? Vielleicht würde er dann ausrasten... Ihn dafür hassen, dass er mitgekommen war, weil er ihn doch eigentlich nicht mehr sehen wollte. Wer wusste schon, wie Cole die ganze Sache im nüchternen Zustand sah? Jetzt war er high und betrunken, doch der nüchterne Cole hatte an diesem Tag ganz klar gesagt, dass er keinen Kontakt mehr zu Bryan wollte. -
Bryan merkte, dass es Cole zunehmend schlechter zu gehen schien. Sicher hatte er schon mehr intus, als der Jüngere und bestimmt auch schon das eine oder andere eingeschmissen. Gut fand Bryan das nicht, doch hatte er jetzt noch das Recht dazu, darüber zu urteilen? Bis vor kurzem hätte er beinahe selber etwas eingenommen und diese verhängnisvolle halbe Pille schlummerte in seiner Hosentasche und wartete nur darauf, sich in seinem Körper zu entfalten. Doch war diese gerade nebensächlich. Viel wichtiger war es ihm, mit Cole zu reden. Er wusste, dass das nicht einfach alles ungeschehen machen würde und auch, dass es nicht bedeutete, dass sie wieder zusammenkamen... oder blieben... was auch immer... Es konnte genauso gut sein, dass Cole das alles nicht wollte, sobald er wieder nüchtern war und genauer darüber nachgedacht hatte. Mit diesem Gedanken musste Bryan erstmal leben und er konnte sich denken, dass der Ältere auch noch eine Weile brauchen würde, um richtig darüber nachzudenken. Von heute auf morgen würde das sicher nicht funktionieren, da es keine kleine Sache war, über die man mal eben in wenigen Stunden entschied.
Abwartend schaute Bryan den anderen an, als er seine Bitte aussprach. Würde Cole wirklich dichthalten? Würde er es ihm versprechen oder nicht? Der sechzehnjährige hoffte inständig, dass der andere nichts verraten würde, denn das sollte niemand wissen. Ihre Beziehung hatte schon genug für Aufruhr gesorgt, auch wenn sie eigentlich sogar ganz gut aufgenommen wurde, zumindest bei einem großen Teil ihrer Mitschüler. Dass es immer welche geben würde, die ein Problem damit hatten, war vollkommen klar, doch alles in allem hatte es sie ganz gut getroffen. Dennoch musste man nicht noch Öl ins Feuer kippen und Bryan wollte auch generell einfach nicht, dass es jeder wusste. Als Cole ihm versprach, dass seine Lippen versiegelt sein würden, lächelte Bryan schmal: "Danke..." Gab er leise von sich und hoffte, dass es auch wirklich dabei bleiben würde. Immerhin war Cole ganz schön dicht, weshalb man nie wissen konnte, was passieren würde.
Leicht zuckte Bryan zusammen, als er Calebs Stimme hörte, weshalb er seine Hände von Coles löste und sich umdrehte: "Reden..." Antwortete er dem älteren Bruder das anderen. "Ich glaube, Cole braucht Hilfe, um zurück zu kommen", setzte er nach, denn der ältere schien nicht mehr ganz so sicher auf den Beinen zu stehen. Bryan selbst merkte den Alkohol zwar auch, denn ihm war etwas schwummrig, doch hielt es sich noch in Grenzen. Sicher, weil er keine Drogen genommen hatte und bestimmt auch etwas weniger getrunken hatte, als Cole. -
Die Stimmen, die sonst direkt aufschrien, sobald etwas negatives passierte oder etwas, in das sie sich hinein steigern konnten, waren in diesem Moment stumm. Als wüssten sie, dass diese Stille in seinem Kopf in diesem Moment noch schlimmer war, als wenn seine Gedanken wieder Karussell fuhren.
Bryan schob die Hand, mit der halben Pille, in seine Hosentasche und ließ diese in die Tasche rutschen, denn solange er mit Cole unterwegs war... solange dieser ihn sehen konnte, würde er die Pille nicht nehmen. Er wollte nicht, dass der andere was davon mitbekam. Dass dieser merkte, dass Bryan nun selber an dem Punkt war, wo er sich etwas einwerfen wollte... nur, um mal eine kleine Weile nichts negatives mehr denken oder fühlen zu müssen. Einfach eine kurze Weile Schweigen im Kopf und in seinem Gefühlschaos haben.
Bryan vernahm Coles Worte und kurz darauf spürte er schon die Hand des anderen, welcher nach seiner gegriffen hatte. Er hörte Coles Worte, weshalb er schwach grinste und während Cole ihn zu sich umdrehte, zog Bryan seine Hand aus der Hosentasche, darauf bedacht, die halbe Pille darin zu belassen. Unerwartet wurde Bryan dichter an den Älteren heran gezogen, welchem er in die Augen schaute und zugleich wollte er seinem Blick ausweichen. Er ertrug es gerade nicht, ihm in die Augen zu schauen und ihm auch noch so nahe zu sein. Gerade, in diesem seltsamen Moment, fühlte sich die Nähe gut und falsch zugleich an. Als sollten sie sich nicht so nahe kommen und sich zugleich danach verzehren.
Während er Coles Worte hörte, sah er die Ehrlichkeit in Coles Augen und auch die Unsicherheit. Ein leichtes Lächeln schlich sich auf seine Lippen, denn natürlich sorgte es für Glücksgefühle in ihm, dass Cole ihn so sah, wie er war. Nicht als Mädchen, sondern als Jungen... zumindest sagte Cole dies und die Ehrlichkeit in seinen Augen verriet, dass er es nicht einfach nur so sagte, zumindest hoffte Bryan das. Cole war alles andere als nüchtern und wer wusste schon, wie es war, wenn er am nächsten Tag wieder nüchtern war und sich an das erinnerte, was er gesagt hatte? - Darüber wollte Bryan gerade nicht nachdenken. Er hörte dem Älteren weiterhin zu, hörte seine Worte, sog jede Berührung und jede Veränderung in Coles Mimik in sich auf.
Ein Schmunzeln entkam ihm: "Denkst du, du mir nicht? Ich habe anderen nicht mehr vertraut... erst recht nicht, wenn sie mir näher kommen wollten. Du hast mir gezeigt, dass nicht jeder Mensch ein Arschloch ist, dass mich nicht jeder verletzen will, der mir näher kommt und ich es auch wert bin, geliebt zu werden." Kam leise von ihm, ehe sich seine Mundwinkel wieder gen Boden richteten. Er konnte verstehen, dass Cole Zeit brauchte - Wirklich! Doch schmerzte es auch und das ließ sich nicht einfach abstellen. Dafür gab es keinen Schalter, den man einfach umlegen konnte und dann war alles gut. "Ich verstehe dich..." Kam leise von ihm. "Mir war von Anfang an klar, dass du Zeit brauchen würdest... es war nur... eine harte Reaktion..." Fügte er hinzu, denn ihn hatte Coles Reaktion sehr verletzt und seine Welt erneut ins Schwanken gebracht.
Leicht drückte er Coles Hände und bemerkte erst in diesem Moment, dass der Ältere auch seine zweite Hand genommen hatte. "Bitte... sag keinem was... auch nicht Tristan, Alex oder deinem Bruder..." Kam ihm dabei über die Lippen, während er sich leicht anspannte. Er hatte eine scheiß Angst davor, die anderen könnten es herausfinden. Zwar vertraute er Cole, sonst hätte er sich nicht vor ihm geoutet, doch brauchte er Gewissheit. Er musste einfach von Cole hören, dass dieser es niemandem sagen würde. Ob Alex und Tristan es vielleicht irgendwann mal erfahren würden, wollte Bryan selber entscheiden können, ebenso wie bei Coles Bruder. Niemand anderes hatte das Recht, ihn zu outen, auch Cole nicht. -
Bryan wusste selber nicht, was plötzlich los war. Es sprudelte einfach wie ein Wasserfall aus ihm heraus... er konnte nicht aufhören, so sehr er es vielleicht auch wollte. Doch wieso wollte er es? - Aus Angst... Angst davor, dennoch abgelehnt zu werden. Die Angst davor, dass Cole ihn von sich stoßen könnte, die Trennung noch endgültiger machen wollen könnte, weil er das alles nicht wollte... weil er Bryan nicht wollte... weil er nicht so war, wie andere und nicht so, wie Cole dachte... wie alle hier es dachten. Und gleichzeitig wollte er ihm alles sagen. Ihm sagen, wie er ihn sah, was er sich über ihn eingeprägt hatte und wie wichtig er ihm war... nicht nur wichtig, denn er liebte ihn und das von ganzem Herzen.
Der sechzehnjährige hatte früh verstanden, dass diese Beziehung nicht einfach werden würde, denn von Anfang an, noch bevor sie zusammen waren, gab es viele Höhen und Tiefen und doch hatte er die immer die leise Hoffnung, dass diese Sache ruhiger von statten gehen würde, wenn er ihm immer wieder kleine Hinweise geben würde. Ihm sagte, dass es da eine Sache über ihn gab. Doch war das Wunschdenken und das war ihm vollkommen klar. Immer wieder war es ein Wechselbad der Gefühle, für beide, nicht nur für Bryan und auch nicht nur für Cole. Er verstand Coles Gefühle, verstand, dass dieser nicht wusste, was er denken und wie er damit umgehen sollte und doch wollte er ihn nicht verlieren. Er wollte, dass Cole bei ihm blieb, dass er es zumindest versuchen würde, auch wenn ihm klar war, dass die Wahrscheinlichkeit dafür gering war.
Er sah, wie sich Tränen in Coles Augen sammelten, wie diese seine Wangen hinunter liefen und am liebsten werde er sie ihm weg wischen, sein Gesicht in die Hände nehmen und ihn küssen, um ihm zu zeigen, dass alles gut war und er nicht alleine war, doch er ließ es. Er ließ es, um Cole den Raum zu geben, den dieser brauchte.
Die Stille welche einkehrte, sobald Bryan seinen letzten Satz beendete, den Satz, welcher für ihn am wichtigsten war. Welcher Cole zeigen sollte, dass Bryans Gefühle echt waren, dass er ihn bei sich haben wollte und nicht nur mit ihm spielte. Der sechzehnjährige wartete... angespannt, voller Hoffnung, Cole würde seine Worte einfach erwidern, doch es blieb still... bis zu dem Zeitpunkt, als sich der Mund des Älteren öffnete und seine Worte einen tiefen Riss in Bryans Herz hinterließen. Der erste und auch der zweite Satz... beide rissen eine erneute, tiefe Wunde in das geschundene Herz des Jüngeren. Sein bis eben noch ernster und gefühlvoller Blick wurde traurig... verletzt... Tränen sammelten sich nun auch in seinen Augen, welche er mit aller Kraft versuchte, zurückzuhalten. Er löste seine Hand von Coles, als er spürte, wie diese von seiner Brust glitt, sein Blick senkte sich für einen Moment, ehe er ihn langsam wieder hob: "Ich verstehe..." Gab er leise, mit einem traurigen Lächeln von sich. Ja, er verstand es wirklich... Cole war an einem Scheidepunkt, das war klar. Und doch schmerzte es... es zerriss dem Jüngeren erneut das Herz, welches er mit seinen eigenen Worten mühselig versucht hatte, erneut zusammenzuflicken. Worte, mit denen er Coles Herz berühren wollte. Ob er es geschafft hatte, konnte er nicht sagen. Coles Tränen sprachen dafür und doch musste es nicht so sein.
Eine tiefe Leere breitete sich erneut in Bryan aus. Eine schmerzhafte Leere. Er entfernte sich zwei Schritte, ließ Cole seinen Raum, zeigte ihm, dass er sich nicht aufdrängen würde, dass er seine Worte verstanden hatte. "Wir... wir sollten zurückgehen...", kam leise von ihm, während er seinen Blick gen Boden gerichtet hielt: "Du solltest was trinken und dich hinsetzen", fügte er leise hinzu. Er sah, dass Cole sich kaum auf den Beinen halten konnte. Cole brauchte dringend irgendwas ohne Alkohol zu trinken, auch wenn das Adrenalin, welches durch seinen Körper rauschte, sicherlich schon einiges an Alkohol und Drogen abgebaut hatte, wie es auch bei Bryan der Fall war, auch wenn dieser weniger getrunken hatte.
Fest umschloss Bryan die halbe Pille in seiner Hand, während er sich langsam in Bewegung setzte. Er würde in Coles Nähe bleiben, um ihm im Notfall helfen zu können und doch wollte er einen gewissen Abstand zwischen sie bringen... für sich und auch für Cole. Sein Körper schien wie in Watte gehüllt, seine Beine trugen ihn wie von selbst weiter und doch fühlte sich alles so bleischwer an, als würde er jeden Moment zu Boden gerissen werden. -
In Bryans Kopf drehte sich alles. Nicht nur seine Gedanken, sondern allgemein. Ihm war schwummrig und zugleich versuchte er, bei Sinnen zu bleiben. Nie zuvor hatte er so viel getrunken, dass ihm davon schwummrig oder gar schwindelig wurde. Seine Beine zitterten... nein, nicht nur die Beine, sein gesamter Körper. Er fühlte sich, als würde er mitten im Winter in kurzen Sachen draußen stehen, nur war es verdammt warm und nicht kalt. Der Sommer war voll im Gange und heizte die Umgebung auf, doch nahm Bryan das gerade nicht wahr. Sein Kopf war voll und gleichzeitig leer, als hätte jemand alles aus diesem heraus gesaugt und so ein tiefes Loch hinterlassen.
Der sechzehnjährige hörte die Worte des anderen, welche sich in sein Herz fraßen. Dachte Cole das wirklich? Glaubte er ernsthaft, Bryan würde denken, es ginge immer nur um ihn? Am liebsten würde er ihm entgegenbrüllen, dass er abhauen sollte, wenn er so von ihm dachte, doch er konnte nicht. Er wollte nicht, dass Cole ging und zugleich wollte er auch nicht, dass er blieb. Er wollte sich nicht erneut mit ihm streiten und doch wollte er ihm so viel sagen. Seine Hände ballten sich zu Fäusten und er biss die Zähne zusammen, während er sich richtig aufrichtete, immer noch schnaufend, sein Herz immer noch am rasen. "Gut zu wissen, wie du über mich denkst..." Kam leise von ihm. Ob es nun Coles Wut war, die aus ihm sprach, gepaart mit dem Alkohol und den Drogen, die er wahrscheinlich genommen hatte... hinter allem, was man sagte, steckte ein kleiner Funken Wahrheit.
Coles Frage, ob Bryan ihn überhaupt kennen würde, zog sich durch den Kopf und das Herz des Jüngeren. "Ich weiß, wie fürsorglich du sein kannst, auch wenn du gerne den Harten mimst. Wie deine Augen leuchten, wenn du dich über etwas freust, wie sich dein Herzschlag anfühlt, wenn du glücklich bist, wie er sich anfühlt, wenn wir zusammen sind und auch, wenn wir uns nahe sind. Ich weiß, dass du dich lieber selbst verprügeln lässt, als zuzulassen, dass jemand verprügelt wird, der dir wichtig ist und dass du dich für diejenigen aufopferst, die du liebst. Ich weiß, wie sich dein Puls anfühlt, wenn du wütend bist und wie sich deine Mimik und der Ausdruck in deinen Augen in diesen Momenten verändern, deine Haltung... und genauso, wie entspannt und locker du bist, wenn du die friedlichen Momente genießt. Wie sich deine Lippen auf meinen anfühlen und deine Hände auf meiner Haut... dass du immer Verständnis dafür aufgebracht hast, dass ich Zeit brauche, mich zu nichts gedrängt hast, auch wenn das für dich sicher schwer war." Seine Stimme zitterte, während er so viele Momente mit Cole durchging. Seine Worte waren durcheinander und doch ergaben sie Eins. "Ich habe mir jeden verdammten deiner Gesichtszüge eingeprägt, den ich bis zum heutigen Tag gesehen habe", fügte er leise hinzu. "Dass du für mich sogar mit den Drogen und dem Ticken aufhören wolltest, auch wenn das alles andere als ein leichter Weg geworden wäre...", das war auch ihm vollkommen bewusst, denn sowas war immer ein Risiko und dauerte auch. Sowas ging nicht von heute auf morgen und Cole würde in der Zwischenzeit sicherlich auch noch Probleme kriegen, das war ihm von vornherein klar. "Ich weiß, dass du mich liebst und genau deshalb tat es verdammt nochmal weh, dich mit Melli zu sehen." Er presste diese Worte hervor, denn sie machten den Schmerz nochmal realer.
Bryan schloss seine Augen und atmete einmal durch, in der Hoffnung, so seine bebende Stimme und seinen zitternden Körper beruhigen zu können, doch so einfach ging das nicht. "Ich liebe dich, Cole... sehr sogar... In deiner Gegenwart fühlte es sich an, als könnte uns keiner etwas anhaben. Ich habe jeden einzelnen Moment mit dir genossen... Und genau deshalb habe ich so lange gewartet... Ich hatte Angst, mich vor dir zu outen, weil ich eine scheiß Angst davor hatte, dich zu verlieren. Du warst es, der meine Welt ein bisschen heller und bunter gemacht hat. Derjenige, der mich Stück für Stück aus diesem Loch gezogen hat, in das ich mich über Jahre hinweg immer mehr verkrochen habe. Mir war von Anfang an klar, dass ich es dir irgendwann sagen muss. Und weißt du, wieso ich es dir gesagt habe, obwohl ich so eine Angst hatte? - Weil ich dir vertraue... weil ich weiß, dass du nicht so ein Arschloch bist, wie viele denken und dass du nicht gleich zu jedem rennen würdest, um es allen zu sagen. Und trotzdem sage ich dir ehrlich, dass ich davor Angst hatte. Nicht, weil ich dir nicht vertraue, sondern weil ich mich automatisch auf das Schlimmste vorbereite." Seine Stimme war ruhiger und gleichzeitig ernst. Ja, er liebte Cole und nicht nur ein bisschen... nicht nur wie eine kleine Schwärmerei in der Schulzeit, das war ihm klar.
Er atmete erneut leise durch: "Ich weiß, dass ich anstrengend sein kann... dass es nicht leicht ist, mit meinen Launen umzugehen, damit, dass ich diese dämlichen Ängste habe und schnell das Negative in Situationen sehe. Abstellen geht leider nicht", er hob seitlich die Arme etwas und ließ sie wieder gegen seinen Körper fallen: "Und obwohl ich dir das früh gesagt habe und du es zu spüren bekommen hast, bist du bei mir geblieben... wie ich bei dir geblieben bin, obwohl du mir gegenüber aggressiv wurdest", zwar war Cole ihm gegenüber das erste Mal gewalttätig, als sie nicht mal zusammen waren, doch spielte das für ihn keine Rolle. Schon damals hätte er sagen können, dass er nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte, doch hatte er in Cole nicht das 'Monster' gesehen, sondern einen Jungen mit Problemen, der sich manchmal nicht unter Kontrolle hatte und sich manchmal auch einfach nicht anders zu helfen wusste.
Bryan trat dichter an Cole heran. Zögerlich griff er nach der Hand des Älteren und legte die Innenseite von dieser flach auf seine Brust, an die Stelle, wo man sein Herz am stärksten schlagen spürte. Er wollte nicht kitschig sein, doch gerade konnte er nicht anders. Er wollte Cole spüren lassen, wie sein Herz schlug, noch immer etwas schneller und kräftiger und gleichzeitig irgendwie ruhig: "Ich lieber dich, du verdammter Idiot. Und ich habe verdammte Angst, dich zu verlieren", gab er dabei leise von sich, obwohl ihm bewusst war, dass sie ohnehin bereits getrennt waren... auch wenn es nie so direkt ausgesprochen wurde. -
Schweigen füllte den Raum, nur das schwere Atmen beider Männer war leise zu vernehmen. Fly's Muskeln waren bis ins Unermessliche angespannt und doch drückte er mit der Hand nur so fest zu, dass er den darunter liegenden Puls deutlicher spürte. In Thierry's Augen spiegelte sich keine Angst wieder. Im Gegenteil, er wirkte erschreckend ruhig, als würde er glauben, Fly könnte ihm nichts anhaben und das, während dieser seine Hand an der Kehle des anderen hatte. Was ging nur im Kopf dieses Mannes vor sich? Glaubte er ernsthaft, er wäre unantastbar? Dass ihm niemand etwas anhaben könnte?
Ein für Fly unbekanntes Wort verließ die Lippen seines Entführers, weshalb sich die Brauen des jungen Mannes zusammenzogen: "Was hast du gesagt?" Seine Stimme klang rau und ernst.
Er beobachtete jede kleine Geste, jede Änderung der Mimik des anderen, während er diesem fest ins Gesicht schaute. Die Augen, welche sich schlossen und wieder öffneten, jede kleine Regung seines Mundes, seiner Augenbrauen und seiner Augen. Als könnte ihm irgendwas davon verraten, was diesem Mann durch den Kopf ging, doch war dies nicht möglich. In Fly's Augen hingegen war deutlich seine Kämpfernatur zu erkennen. Er hatte genug durchgestanden und würde sich ganz sicher nicht so leicht von diesem Mann brechen lassen. Sein Kampfgeist war zu groß und doch befürchtete er, diesen verlieren zu können. Irgendwann, mit der Zeit, wenn Thierry ihn lange genug bearbeiten würde. In diesem Moment war er jedoch noch so groß, dass er sich sicher nicht einschüchtern ließ. Thierry sollte sich an ihm die Zähne ausbeißen und spüren, wie es war, wenn jemand nicht nach seiner Pfeife tanzte. Wenn jemand Wiederstand leistete und nicht bettelnd und heulend in der Ecke saß, in der Hoffnung, dies könnte zu irgendwas führen, das ihm half.
Das folgende, kleine Wörtchen verstand Flynn 'Oui'... ein Wort, das wohl jeder aus dem Französischen kannte, auch wenn man diese Sprache selbst nicht beherrschte. Weitere Worte folgten, welche sich regelrecht in Flynn's Gedächtnis einbrannten. Es war Thierry ganz recht, dass der Tänzer nicht gleich brach. Hatte er ihm nun ernsthaft das gegeben, was er wollte? Das, was Fly eigentlich nicht tun wollte, um ihm möglichst wenig zu gefallen? Innerlich könnte er sich dafür verfluchen und gleichzeitig wollte er weiterhin nicht aufgeben, sondern sich wehren.
Fly beobachtete, wie sich der andere vorlehnte, ignorierend, dass sich seine Hand dadurch fester gegen seinen Hals drückte, um ihm einen weiteren Satz nahezu direkt ins Ohr zu hauchen, welcher Flynn regelrecht erschaudern ließ: "Ist... mir... scheißegal!" Knurrte er leise und langsam zurück. Wie egal es ihm doch war, ob dieser Mistkerl auf jemanden wie ihn gewartet hatte!
Er sah, wie sich ein Lächeln auf die Lippen des Entführers schlich, wie dieser sich nun über die Situation zu freuen schien. Seine Worte drangen in die Ohren des Tänzers, während er die Hand an seiner Brust spürte. Sein Herz schlug schnell, pochte wie wild gegen seinen Brustkorb. Sein Körper war voller Adrenalin. Vor Wut, ja... aber auch vor Unsicherheit und Sorge... Sorge darüber, ob er jemals aus diesem haus raus kommen würde und darüber, was mit ihm passieren würde, immerhin war er auch nur ein Mensch, wenn auch ein Kämpfer.
Als sich die Finger des anderen auf die seinen legten und dieser ihn aufforderte, fester zu zu drücken, zögerte Fly einen Moment, doch legten sich seine Finger wie automatisch fester um die Kehle und schnürten dem anderen langsam die Luft ab, während sich Flynns Kiefer anspannte: "Macht sich das an oder was?" Fragte er knurrend, ehe er ihn von sich stieß und seine Hand abrupt löste. Erwürgen würde er ihn nicht, auch wenn er das am liebsten tun würde, doch solange er noch eine Wahl hatte, wollte er nicht zum Mörder werden. -
Fly beobachtete den Mann bei seinem Tun. Er spielte weiter, als wäre er gar nicht anwesend und doch schien er ihn aus den Augenwinkeln zu beobachten. Die Intention seiner Stücke verstand der Tänzer nicht wirklich. Thierry sagte zwar, es seien Kompositionen, die auf ihn zugeschnitten waren, doch in wie fern sollte sich der Tänzer darin wiedersehen? Waren es die wilden Klänge, welche seine provokante Art widerspiegeln sollten? Oder doch was anderes? Fly hatte keine Ahnung von klassischer Musik und im Grunde war es ihm egal. Sollte er doch spielen, was er wollte.
Die letzten Töne verklangen und Thierry wandte sich ihm zu. Ein amüsiertes Schnaufen ertönte aus Flynn's Richtung, als der andere ihn fragte, ob er gegessen hatte: "Als hättest du das nicht gesehen", erwiderte er, denn er konnte sich denken, dass dieser kleine Spanner ihn beobachtet hatte. Fly ließ ihn weiterreden. An dem Punkt, als er sich selbst erneut als Gastgeber bezeichnete, ballte Fly seine Hände zu Fäusten und biss die Zähne zusammen. Dieses Getue machte ihn rasend. "Du bist kein verdammter Gastgeber, sondern ein Entführer! Gäste lädt man zu sich ein und entführt sie nicht, um sie dann in seinem Haus gefangen zu halten!" Schnauzte er nun, denn so langsam reichte es ihm. Ja, eigentlich wollte er sich ruhig verhalten. Abwarten und ihn beobachten, doch dass Thierry sich immer wieder als Gastgeber bezeichnete und ihn als Gast, machte ihn wahnsinnig, denn dieses Schauspiel war alles andere als normal. Er war nicht freiwillig an diesem Ort und wollte nach Hause! "Jetzt lass mich verdammt nochmal gehen, du Wichser!" Er sprach aus, was vermutlich jedes Entführungsopfer aussprach, auch wenn er sich genau das hatte verkneifen wollen. Er wollte nach Haus, in seine Wohnung und auch zu seiner Schwester. Zu seinen Freunden, seiner Arbeit und vor allem in seine Freiheit. Der Gedanke, bis zu seinem Tode in diesem Haus gefangen zu sein, machte ihn natürlich wahnsinnig, auch wenn er sich locker gab.
Ehe Fly weiter darüber nachdenken konnte, überbrückte er die wenigen Meter, welche die beiden trennten, sodass er direkt vor Thierry stand. Nun war er es, der den anderen am Hals packte und sich vorbeugte, um ihm fest in die Augen zu sehen: "Mag sein, dass du deine anderen Opfer brechen konntest, aber mich kriegst du nicht so leicht klein, verstanden?" Knurrte er regelrecht. Seine Finger umschlossen die Kehle des anderen, drückten leicht zu, sodass er Thierrys Puls spüren konnte. Das rhythmische Pulsieren gegen seine Finger, welche ihm zeigten, dass dieser Mensch lebendig war. Dass er einen Herzschlag besaß, wie er selbst und doch schien sein Herz anders zu schlagen. Es war nicht das eines normalen Menschen, sondern das, eines Verrückten. Zumindest war es das, was dieser Mann widerspiegelte. Er wirkte wie ein Irrer... wie einer der Menschen, die aus Leichen 'Kunstwerke' herstellten und gar nicht verstanden, wie Makaber das war. Thierry stellte keine Statuen oder ähnliches her, doch komponierte er auf Grundlage seiner Opfer. Ließ die Verzweiflung mit dem Charakter einfließen, vermischte beides und schien dies als schöne Werke zu betrachten, während seine Opfer sich wünschten, frei zu kommen und endlich nach Hause zu können. -
Aus dem Augenwinkel konnte Jin sehen, dass sich jemand in die Richtung der Gruppe bewegte, weshalb er seinen Blick dorthin richtete und einen Jungen erblickte, welcher offenbar einen ähnlichen Kleidungsstil hatte, wie der Koreaner selbst. Schwarz in schwarz, eben alternativ und nicht so 'normal', wie die meisten. Ein halbseitiges grinsen huschte für den Bruchteil einer Sekunde auf sein Gesicht, ehe er seinen Blick wieder dem Betreuer zuwandte, als dieser erneut seine Stimme erhob: "Also gut, da wir jetzt vollzählig sind, können die Eltern gehen. Verabschieden Sie sich noch kurz, ohne ein großes Trara zu machen." Jin spürte, wie sich die Hand von seinem Oberarm löste und ihm kurz auf die Schulter geklopft wurde, bevor die beiden Polizisten abtraten und zu ihrem Streifenwagen zurück gingen, in diesen stiegen und direkt davon fuhren. Klar, sie hatten eigentlich anderes zu tun, als einen aufmüpfigen Teenager durch die Gegend zu fahren. Wenn es nach Jin gegangen wäre, hätten sie das auch nicht tun müssen, doch sah der Staat das offenbar anders.
Die Eltern wurden ein wenig zum Abschied gedrängt, weshalb dieser recht flüchtig ausfiel, damit sie fortfahren konnten. Einige der Teenager bettelten, mit nach Hause zu dürfen, andere schnauzten herum, was ganz amüsant war. Jin stand einfach da, fummelte seelenruhig seine Zigarettenschachtel aus seiner Hosentasche, zog eine Raus und wollte sie sich gerade zwischen die Lippen stecken, als sie ihm von dem Betreuer weggenommen wurde: "Was soll das?" Motzte der Teenager direkt und versuchte, seine Zigarette zurück zu bekommen. "Zigaretten gibts nur zu bestimmten Zeiten", mahnte der Betreuer, welcher seine Achtlosigkeit ausnutzte und ihm auch gleich Schachtel samt Feuerzeug aus der Hand schnappte. "Fickt euch doch! Jetzt wollt ihr mir auch noch das Rauchen verbieten oder was?" - "Nein, ihr dürft rauchen. Zu festen Zeiten." Wiederholte der Mann, weshalb Jin ihm am liebsten eine reinhauen würde, doch war der Typ ein Stückchen größer und deutlich muskulöser, weshalb er wohl kaum eine ernsthafte Chance hätte. Wäre sicherlich auch schlecht, wenn die Betreuer eines solchen Camps schlaksige Gurken wären, da sie dann keine Chance gegen die Teenager hätten. Ein Schnauben kam aus Jin's Richtung, welcher die Zähne zusammenbiss und seine Hände zu Fäusten ballte.
Jin's Blick wandte sich ab, als er erneut eine Bewegung feststellte. Aus einer der insgesamt sechs Holzhütten kam ein Mädchen, mitsamt der Betreuerin, welche er kurz zuvor noch in der kleinen Gruppe gesehen hatte. Scheinbar war dieses Mädchen ebenfalls schon vorher da, so wie der Junge, der Jin's Kleidungsstil teilte. Sie war relativ klein, trug etwas abgerockte Klamotten. Einen Over-Sized Hoodie in dunkelblau und eine dunkelgraue Jogginghose. Beides sah so aus, als sei es schon etwas älter, doch konnte es gut sein, dass das so gewollt war. Ihre langen Haare waren offensichtlich rot gefärbt und zu einem geflochtenen Zupf gebunden. Allgemein wirkte sie alles andere als tussig, dafür aber ziemlich abgefuckt, was sicherlich daran lag, dass sie genauso wenig Bock auf den ganzen Scheiß hatte, wie alle anderen.
"Gut, da wir jetzt vollzählig sind, schlage ich vor, setzen wir uns unter die Pergola und stellen uns erstmal vor. Danach weisen wir euch den Hütten zu und gehen eure Sachen durch." Erklärte der Betreuer, welcher definitiv nicht Jin's bester Freund werden würde. "Ernsthaft? Ihr wollt unsere Sachen durchwühlen?" Kam von einem der beiden Jungs, die ebenfalls erst angekommen waren. Ein 'Gangster' wie er im Buche stand. Weite hellgraue Jogginghose, ein weißes Shirt mit irgendeinem Rapper drauf und diese dämlichen Kettchen, sowie eine schwarze Cap zierten seinen Körper. "Selbstverständlich, wir müssen schließlich sichergehen, dass ihr keine verbotenen Gegenstände eingeschmuggelt habt. Eure Zigaretten werden ebenfalls konfisziert und nur zu bestimmten Zeiten, auf die wir noch eingehen werden, werdet ihr eine bekommen." Erklärte die Frau in der Runde ruhig und sachlich. "Richtig! Und jetzt bewegt euch!" Kam von dem Typen, welcher die kleine Gruppe wie einen Haufen Hühner scheuchen wollte, zumindest wirkte es so.
Die Gruppe setzte sich in Bewegung und sie betraten die freie Fläche, welche sich zwischen den sechs Hütten befand. Die Hütte, aus welcher der Junge kam, schien die Versorgungshütte zu sein. Daneben gab es eine Holzpergola, unter welcher ein großer Tisch samt Bänken stand, ebenfalls hölzern und offenbar gut gepflegt. Die Küche befand sich vermutlich in der Hütte, zumindest musste irgendwo ja Essen aufbewahrt und zubereitet werden.
Die Koffer und die Taschen sollten sie erstmal in der Mitte des Platzes abstellen, bevor sie unter die Pergola gingen und sich dort auf die Bänke setzten. Jin lehnte sich gegen die Lehne der Bank, verschränkte die Arme und strahlte eine enorme 'ich-hab-gar-keinen-Bock-auf-diese-Scheiße-und-ihr-könnt-mich-alle-mal-am-Arsch-lecken' Stimmung aus. "Also gut. Dann fangen wir Betreuer mal an: Ich bin Thomas, sechsunddreißig Jahre alt und arbeite schon seit gut fünf Jahren als Betreuer in diesem Camp. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Manchen hilft es tatsächlich!" Stellte sich Jin's neuer Nicht-Kumpel vor. "Und ich bin Sarah, zweiunddreißig Jahre alt und mache das hier seit knapp zwei Jahren." Stellte sich die Betreuerin ebenfalls vor, ehe sie ihren Kollegen an die Reihe kommen ließen. -
Autoren: Sin & Darii
Play: Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen.
Triggerwarning: FSK18, Gewalt
Genre: MxM, Romance/DarkRomance, Crime, Drama, Slice of Life
DariiSung Jin Gae
Vorname: Sung Jin
Spitzname: Jin
Nachname: Gae
Alter: 17 Jahre
Größe: 1,76 m
Augenfarbe: dunkelbraun
Haarfarbe: schwarz
Statur: schlank, leichte Muskelansätze
Geschlecht: Männlich
Sexuelle Orientierung: homosexuell
Herkunft: Korea
Familie: Hyeong-Joon Gae (Vater), Jong Hi Gae (Mutter), Kibum (jüngerer Bruder)
Beruf: Schüler
Vorgeschichte: Sung Jin wuchs die ersten zehn Jahre seines Lebens in Korea auf, doch zogen sie dann nach Deutschland, wo Jin die neue Sprache erst lernen musste. Die Tatsache, dass er Koreaner war und kein Deutsch konnte, führte damals dazu, dass er gemobbt wurde. Er fing an, die Schule zu schwänzen, sein eigenes Ding zu machen und sich mit den falschen Leuten anzufreunden. Kleinere Diebstähle waren von da an für ihn an der Tagesordnung. Vom Autos knacken, bis zu Prügeleien hatte er so einiges an Vorstrafen und bereitete seinen Eltern so eine Menge Kummer. Natürlich merkte er das, doch hatte er sich über die Jahre eine ‘Ist-mir-scheißegal-Einstellung’ angeeignet und machte, was er wollte.
(Weitere Informationen zu seiner Vorgeschichte folgen nach und nach)
Aussehen: Bitte melde dich an, um dieses Bild zu sehen.
(Bei der abgebildeten Person handelt es sich um: Le Gi-Kwang. Sein Instagram-Account: Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen. )
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