Sehnsucht Moah, ich liebe Kalandra's Brave New World - und auch sonst: sehr nicer sound! <3
Weil's zum Chat von vorhin grad passt: Eine Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen.an die Geräuschkulisse von Arcane! 😍╰(*°▽°*)╯
Achtung! Potenziell sensible und jugendgefährdende Inhalte!
Dieses Forum enthält rein fiktive Geschichten, die sich mit verschiedenen Themen und Genres beschäftigen. Dabei können schwierige, belastende oder verstörende Inhalte behandelt werden, darunter u.a. Gewalt, psychische Erkrankungen, Traumata, sexuelle Inhalte oder andere sensible Themen.
Die dargestellten Inhalte sind frei erfunden und stellen keine Realität dar. Sie spiegeln nicht die Ansichten oder Überzeugungen der Forenbetreiber oder Autoren wider.
Wir distanzieren uns ausdrücklich von jeglicher Verherrlichung von Gewalt, Diskriminierung, Selbstverletzung oder ähnlichen Handlungen. Die Inhalte dienen einzig der künstlerischen und literarischen Auseinandersetzung.
Das Forum ist ausschließlich für volljährige Nutzer (18+) vorgesehen. Minderjährige haben das Forum auf der Stelle zu verlassen.
Sehnsucht Moah, ich liebe Kalandra's Brave New World - und auch sonst: sehr nicer sound! <3
Weil's zum Chat von vorhin grad passt: Eine Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen.an die Geräuschkulisse von Arcane! 😍╰(*°▽°*)╯
PROLOG
"Und ist gekommen erst die Zeit, da ein Stern den anderen vertilgt und Gestirne gegen Gestirne prallen, da wird der Schleier sich heben und was bis anhin verborgen seinen Schatten legen auf das, was in bester Ordnung sein Licht ausstrahlte, bis verdorrt, was von Erleuchteten erschaffen, und zu Staub zerfallen im Feuer der eigenen Sonne."
Bibel der Zwillinge, achtes und letztes Testament, Vers 8:99
***
Neu-Babel, Weltenturm – Diplomatiezentrum der vier Königreiche, 20. Stock, "Kristallsaal"
Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen.stand mit vor der schmalen Brust verschränkten Armen vor den deckenhohen Fenstern auf der Ostseite des Raums, hatte dem Rest des Saals den Rücken zugekehrt und sich stattdessen gedankenverloren der Stadt gewidmet, die dem Weltenturm zu Füssen lag. Die Aussicht war, ohne zu übertreiben, nur als paradiesisch zu beschreiben: Wunderwerke der Architektur erstreckten sich unter ihm bis an den Horizont, Stufentempel und Turmbauten, deren Fassaden von bunten Mosaiken, hängenden, früchteschwangeren Terrassengärten und in der Sonne glitzernden Brunnenanlagen geziert wurden. Die Aussicht buhlte mit aller Strahlenskraft um die Aufmerksamkeit des Cyraniers, verlor den Wettbewerb jedoch sang- und klanglos, ausgerechnet gegen das schnörkellos anmutende Kleinod, das der Aep’Aemosh weltvergessen zwischen seinen Fingern rollte, hin und her, hin und her.
"Konsul?" Eine fremde Hand – schmalfingrig, aber umso kräftiger – drückte für ihre Verhältnisse sanft seinen Oberarm, während sich seine eigene instinktiv fest um den Siegelring schloss, als fürchte der Aep’Aemosh, man wolle seinen Gewahrsam an dem Schmuckstück brechen. Nicht so schreckhaft, alter Knabe, rief der in grüne Seide gekleidete Mittvierziger sich ins Gewissen, als er den leicht irritierten Blick der cyranischen Korpskommandantin auffing. Maelga Ferch’Wynnas graue Augen hefteten sich an sein Antlitz wie Magnete an Metall, durchforsteten es in gewohnter Manier nach den leisesten Anzeichen von Schwäche, und übermittelten ihm gleichsam die stumme Mahnung, sich gefälligst zusammenzureißen: Jetzt war nicht der Zeitpunkt für Muffensausen und dergleichen. Doch ihre Sorge war unbegründet, und der nervöse Moment längst vorbei. Gefasst wie eh und je sah Ben hinüber zur Tafelrunde in der Mitte des Saals, wo sich die hochwürdigen Delegierten der Herrscherreiche und ihr versammelter Beraterstab im Halbkreis des Theaters dahinter eingefunden hatten: "Alle da?" Die Soldatin verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust; das Kettenhemd unter ihrer Gewandung raschelte. Eine steile Falte erschien zwischen ihren Augenbrauen: "Alle, bis auf den guten Général. Dringende Angelegenheiten im eigenen Land." Sie tauschten einen Blick. "Noch ein Attentat auf das Königspaar?", vermutete Aep’Aemosh. Sein Tonfall gab zu erkennen, dass ihn eine solche Nachricht zwar alarmiert, aber nicht unbedingt überrascht hätte. Maelga zuckte nur mit den Schultern: "Das – oder das beauvalesische Militär hat bereits einen eigenen Plan, wie es mit der Krise, die uns alle betrifft, umzugehen gedenkt."
Nun war Ben derjenige, dessen Stirn sich in Falten legte. Während er die Ecken seines graumelierten Oberlippenbarts glattstrich, überlegte er, ob er Maelgas Gedanken weiter erforschen sollte, entschied sich dann aber fürs Erste dagegen. Es lag in der Natur ihres Amtes, misstrauisch zu sein, vom Schlimmsten auszugehen und hinter allem vorsichtshalber eine Verschwörung zu wittern. Auch er war einst auf ihrer langen Liste nicht-vertrauenswürdiger Gestalten gestanden und hatte sich ihre Gunst über Jahre hinweg mit konsequenter Integrität in Wort und Handlung hart erarbeiten müssen. In Bens Metier dagegen wurde Vertrauen regelmäßig vorgeschossen, war Voraussetzung dafür, dass der Dialog zwischen den Reichen überhaupt stattfand, und seiner Überzeugung nach ein Gut, dass man den Kollegen nicht leichtfertig entzog. Meistens waren die Dinge ja dann doch so, wie sie dem Auge nach erschienen, und für vieles gab es eine gute Erklärung. Für Verdächtigungen war es noch zu früh. Nicht, dass er Maelgas Einwand komplett verwarf – aber er war an diesem Punkt der Konferenz schlichtweg nicht hilfreich.
In einem konnte er Maelga jedoch nur zustimmen: Das hier war eine Krise. Eine sondergleichen, und eine, die sie alle betraf. Nicht eins der üblichen Polit-Geplänkel, kein Streit um Zölle, keine Kulturquerele, keine Stellvertreterfehde und auch keine diplomatische Hakelei aufgrund vermeintlicher Beleidigungen, weil ein Herrschers den anderen als "schwerknöchern" bezeichnet hatte. Das hier war… anders. Größer. Verheerender. Wenn die Gerüchte denn tatsächlich stimmten.
Die Arena der Weltpolitik im Turm von Neu-Babel war entsprechend erfüllt von einer spürbaren Spannung; verhaltenes Gemunkel lag in der Luft, wurde begleitet von besorgten, bald misstrauischen Seitenblicken hinüber zu den Nachbarn, die entweder auf stoische Steinmasken oder nicht minder argwöhnische oder ängstliche Gesichter trafen. Über ihnen allen thronte mit gespreizten Flügeln der weiße Friedensphoenix, ein Deckenbild angefertigt aus tausenden und abertausenden kleineren und größeren Diamanten, die dem "Kristallsaal" seinen Namen verliehen. Während Aep’Aemosh die letzten Schritte zu seinem Platz an der Tafel zurücklegte, wunderte er sich wie schon so oft zuvor über die der Tatsache innewohnende Ironie, dass der Sicherheitsrat der vier Herrscherreiche ausgerechnet unter diesem offensichtlichen Sicherheitsrisiko tagte – nämlich einer Vielzahl herabhängender, spitzer Edelsteine, die ihnen ohne Weiteres die Schädel hätten spalten können, wenn sie sich denn je aus ihrer Halterung lösten.
Ben verdrängte den Gedanken an von der Decke stürzende Juwelen, richtete seinen Fokus wieder auf die (andere) reale Bedrohung, deren es sich anzunehmen galt, räusperte sich und adressierte die Runde sodann mit der gewohnten Autorität, die seiner Rolle als gegenwärtiger Obmann des Rates innewohnte. Nichts deutete auf das Rattern hinter seiner Stirn hin, und auch seine aufrechte Besorgnis trug er lediglich in der seiner Position angemessenen Maßen zur Schau: "Edle Damen, edle Herren", adressierte er die Gemeinschaft der Versammelten in akzentfreier Allgemeinsprache, verstärkte sein Sprechorgan mit ein Hauch Magiezufuhr, um sich über den Tumult hinweg aller Gehör zu verschaffen. Dennoch blieb seine Stimme ruhig und klar, bestimmt, aber nicht aufgeregt. "Mir ist bewusst, dass der Anlass unserer heutigen Versammlung für Aufruhr sorgt. Nichtsdestotrotz verlangt es die gute Ordnung, dass wir uns an den üblichen Sitzungsablauf halten. Wir beginnen also mit dem Apell." Er wies die vier Schreiber an seiner Seite mit einem Nicken an, ihre Arbeit zu tun, woraufhin diese eifrig ihre Federn in die Tintengläser tunkten. Vor der Kulisse raschelnden Pergaments eröffnete der Aep’Aemosh die Vorstellungsrunde: "Für das Königreich Beauvalais?"
Die blonde Schönheit zu seiner Linken erhob von ihrem samtbespannten Sessel das Wort: "Dame Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen., Abgesandte der Sonne." Ihr Schnurren schmiegte sich wie eine besonders liebliche Melodie an seinen Gehörgang, und hätte er Ginny nicht seit einer halben Ewigkeit gekannt, ihm wären wahrscheinlich wie so manch anderem Mann im Raum die Knie weich geworden. Aber er kannte ihre Tricks, war über die Jahre hinweg immun gegen ihre süße belvalesische Sabotage geworden. Sie waren im gleichen Alter, obschon man ihr ihres nicht ansah, und zur ungefähr gleichen Zeit in den diplomatischen Concours von Neu-Babel eingetreten. Zu Beginn, ja, da hatte es noch eine Zeit gegeben, da er sich von ihr um den kleinen Finger hatte wickeln lassen. Heute wusste er es besser. Auf der Bühne der Politik ihrer Länder waren sie sich ebenbürtige Gegner und Partner zugleich; im Privaten dagegen war Ginny die menschgewordene Form einer schlechten Entscheidung, die Zwillingsschwester der Versuchung, der falsche Tritt auf dem schmalen Grat zwischen Gedeih und Verderb. Fast wäre er damals im Sumpf ihrer gezuckerten Bekundungen versunken, hätte beinahe seine Frau zuhause ob der schönen Worte vergessen. Dass es beim "beinahe" geblieben war, hatte ihm deVuilly bis heute noch nicht ganz verziehen, dessen war sich Ben sicher. Aber sie ließ sich nichts anmerken, saß da, in ihrer selbstverständlichen Pracht, augenscheinlich nicht im Geringsten das Bedürfnis verspürend, sich für den leergebliebenen Platz an ihrer Seite zu rechtfertigen. Stattdessen streifte sie mit einer fließenden Bewegung den saphirbesetzten Siegelring vom kleinen Ringfinger der rechten Hand und ließ ihn in das bronzene Schälchen kullern, mit dem einer der Ratsadjutanten die Runde machte.
Ben setzte den Apell fort: "Für das Fürstentum Tarás-Vorossia?" Von der anderen Seite der Tafel hob ein langgewachsener, ausgemergelt wirkender Mann die knochige Hand – der Rubin, der daran prangte, funkelte vor der gräulichen Haut. Seine Augen lagen tief in ihren Höhlen, das lange, schwarze, fein säuberlich zurückgekämmte Haar wirkte dünn im Vergleich zu seinem langen Bart. Selbst über die Tafel hinweg wirkte sein Gegenüber des Lebens und all seiner Anstrengungen müde, doch Aep'Aemosh wusste aus vertrauenswürdiger Quelle, dass Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen., Abgesandter und Bruder des Kurfürsten Viszer Pramislyda des Großen, bereits mit Ringen unter den Augen zur Welt gekommen war. Ihn auf sein vergreistes Äußeres zu reduzieren, und darüber hinaus seinen wölfischen Verstand zu ignorieren, war ein Fehler, den mancher bitter hatte büßen müssen.
Auch der Graf legte seinen Ring in das ihm gereichte Bronzeschälchen. Dann deutete er beinahe beiläufig auf die grobschlächtige Gestalt eines Mannes, der breitbeinig und finster dreinblickend hinter ihm stand, der jeden andern im Saal um mindestens einen Kopf überragte und dessen Masse von einer schlecht verborgenen Lederrüstung unter der schwarzen Gewandung in Form gehalten wurde: "Mein Vetter, Generalfeldmarschall Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen., des Fürsten Axt und linke Hand, Behüter der vorossischen Ordnung, Befrieder des Barakarnvorlands, fünffach ausgezeichnet für seinen Mut auf dem Schlachtfeld und seine Treue zum großen Fürsten, möge seine Hand noch lange die Geschicke unserer Lande lenken." Der Feldmarschall gab ob der monotonen Nennung seiner zahlreichen Titel ein zufrieden tönendes Grunzen zum Besten. Ansonsten blieb er aber bei seiner finsteren Miene, rührte sich nicht von der Stelle.
"Für Juniskär, das Königreich im Norden?" Nach angedeuteter Respektsbekundung in Richtung des Feldmarschalls wandte sich der Vorsitzende der vierten Ordonnanz im Raum zu seiner Rechten zu, deren Gesichtszüge dem Rat bis zum heutigen Tage noch fremd gewesen waren. Der Umstand irritierte Ben kaum, zumal im Zuge des jährlichen Königsturniers die Herrschaftskarten und damit auch die Riege der Delegaten nicht selten neu gemischt wurden. Wenn er sich richtig entsann, dann war die Einladung zu dieser außerordentlichen Sitzung des Rates der vier Königreiche verschickt worden, kaum dass der letzte Zehnkampf in Juniskär vorbei und dessen Gewinner als neuer Herrscher hervorgegangen war. Die Teilnahme an dieser Sitzung war also mehr oder weniger die erste Amtshandlung des neuen Mandatsträgers – und seine Person für sie alle ein Überraschungsei auf zwei Beinen.
Sodann war der Cyranier selbst an der Reihe, sich der Versammlung und dem Protokoll der Schreiberlinge bekannt zu machen: "Und für die Republik Cyrannia, meine Wenigkeit, Konsul Ben Aep’Aemosh, erster Berater des Triumvirats." Er war auf den ersten Blick so unscheinbar wie der goldene Siegelring an seinem Finger, kein Graf und auch kein Ritter, nicht verwandt mit einem der Regenten seines Reichs und hatte auch nicht besonders viel Geld besessen, als er seine Karriere begonnen hatte. Viele hatten indes den Fehler begangen, ihn deshalb zu unterschätzen, und dabei nicht bedacht, dass ein einfacher Mann mit brennendem Ehrgeiz und dem Talent, seine hochgesteckten Ziele auch zu erreichen, es in der Politik nicht minder weit bringen konnte wie einer mit gutem Namen oder einem edlen Blutstropfen in den Adern. Zuhause munkelte man Aep'Aemosh bereits als Anwärter auf den Posten eines Triumvirs, sobald einer der drei derzeitigen Regenten gedachte, in Pension zu gehen. Rückhalt genoss er mitunter nicht nur in der cyranischen Bevölkerung, sondern auch beim Militär: "Lady Maelga Ferch’Wynna, Korpskommandantin der Republik", stellte der cyranische Delegat seine Begleitung vor. Die Soldatin schickte ein knappes Nicken in die Runde, ehe ihr Blick wieder am Koloss auf der anderen Seite der Tafel hängen blieb und sie ihn wenig beeindruckt von Kopf bis Fuß musterte. Ben konnte ihre Abneigung gegenüber dem Hünen spüren. Es gab eine Vorgeschichte zwischen den beiden, die ihm wohlbekannt war, weshalb er sich rasch bemühte, ihre und die Aufmerksamkeit der anderen wieder auf Wesentliches zu lenken.
"Werte Anwesende, Euch wird das Thema unserer heutigen Sitzung wohlgewahr sein; die Agenda dürfte somit ebenfalls auf der Hand liegen. Ich fasse zusammen." Er legte die Fingerspitzen seiner Hände aneinander, bedachte jeden einzelnen in der Runde mit einem ernsten Blick: "Wir stehen mutmaßlich vor der größten Bedrohung des Friedens in unseren Landen seit dem letzten großen Grenzkrieg. Uns alle hat die Nachricht aus Tarás-Vorossia über die vermeintliche Existenz eines Breachers erreicht – so bezeichnen wir allgemein eine Person, die entgegen der Natur der Dinge auf die Magie eines anderen Menschen zugreifen und sie kontrollieren, sprich absorbieren kann, ohne seine eigenen Reserven anzugreifen. Die Magiequelle – das heißt, sein Opfer – wird derweil förmlich aufgezehrt, bis sie… nun, leer ist. Und stirbt." Er machte eine kurze Pause, ließ die Worte ihre Wirkung entfalten, ehe er weitersprach: "Der vorossischen Armee ist es offenbar gelungen, diesen Breacher zeitweise dingfest zu machen. So viel mir zugetragen wurde, bestand die Absicht, ihn der vorossischen Justiz vorzuführen --- " "Entgegen geschlossener Apelle der anderen Herrscherhäuser, wohlgemerkt", unterbracht Dame de Mont-Vuillys schnippisches Schnauben seine Zusammenfassung. Echte Empörung? Oder war ihr Angriff vielleicht doch Verteidigung? Ben war sich nicht ganz sicher – Ginny verstand sich darauf, das Spiel ihrer Emotionen zu kontrollieren wie ein Geigenmeister sein Instrument. "Madame, Ihr seid noch nicht dran – bitte haltet Euch an die Hausregeln", ermahnte sie der Aep’Aemosh in sanftem Tadelton. Sie warf ihm einen gespielt verschämten Blick unter einem formvollendeten, tausendmal einstudierten Augenaufschlag zu: "Pardon. Fahrt fort, Vorsitzender."
Ben unterdrückte ein Schmunzeln, warf einen Blick in seine Unterlagen, der nicht nötig war, ehe er tat wie geheissen: "Es blieb sodann bei besagter Absicht, denn, wie dem Hohem Rat kürzlich mitgeteilt wurde, kam der Gefangene in der Zwischenzeit… abhanden. Graf, wenn es Euch beliebt, Ihr oder euer Begleiter, der ehrenwerte Feldmarschall, seid besser informiert als ich; ich schenke euch deshalb meine verbliebene Redezeit, ihr habt das Wort."
BREACHED
Einheit. Gerechtigkeit. Brüderlichkeit. So lautet der grenzübergreifende Kodex zwischen den vier Reichen von Venaticorum, die Philosophie, die der breiten Bevölkerung von ihren Regenten vorgelebt wird - oder zumindest sollte. Die Fassade, so sehr sie von außen auch glitzert und glänzt, sie modert von innen heraus, droht an mancher Stelle zu bröckeln, und wäre wohl schon längst zerfressen von gierigen Maden, könnten diese nur mehr vom Kuchen abbeißen als ihnen derzeit vergolten. Davon abhalten tut sie nur das natürliche Gleichgewicht der ihnen allen innewohnenden Magie - ein Instrument der Macht, ja, aber zu einem hohen Preis, nämlich der eigenen Lebenskraft. Untrennbar verbunden, das eine mit dem anderen. Ein Machtmissbrauch, etwa durch einen Tötungszauber? Ausgeschlossen, natürlich, zumal Angreifer und Opfer mit derselben Währung bezahlen, und der eine nur kurz nach dem anderen das Totenreich betreten würde. Ein Leben im Austausch gegen das andere. Quid pro quo. So, und nicht anders, wollen es der Erbauer, die Götter, Mutter Natur, je nach dem, wen man fragt. Doch wer oder was auch immer hinter dieser Balance steckt - auch jene haben ihre Launen. Denn plötzlich wird wahr, was sonst nur in Schauermärchen erzählt wird, um unartigen Kinder einen Schrecken einzujagen: Einer kommt, und stiehlt ihre Magie, saugt sie aus, verzehrt ihre Lebenskraft, um sie für sich selbst zu nutzen.
[ Zusammenfassung frei nach dem Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen.von Sayrana ]
FSK 18 # Ort: Planet Venaticorum, vier Herrscherreiche (Juniskär, Tarás-Vorossia, Beauvalais, Cyrannia) # Genre: Fantasy
*
Playinformationen (to be completed): #1 Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen.| #2 Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen.
Zum erneuten Male griff der Tastenakrobat im Eck in die Klaviatur, verlieh der Solo Variation des schwarzen Schwans genau jene schurkische Sündhaftigkeit, die den Charakter, den die Melodie huldigte, ausmachte. Es hätte nicht viel gefehlt, dass der Tanzmeister sich umgewandt und Peter mit einem Blick zu verstehen gegeben hätte, dass er dem Mann hinter dem Flügel gefälligst per sofort eine Gehaltserhöhung zuteilwerden lassen sollte. Aber nicht nur der Pianist machte seine Sache gut…
Der Rotschopf tanzte, und das so, dass Victor insgeheim leise Zweifel an seinen eigenen Worten von vorhin kamen, von wegen keiner der Anwesenden sei fürs Ballett geboren worden. Nun, wie hieß es so schön? Ausnahmen bestätigten die Regel. Sein unnachgiebiger Blick verfolgte jede einzelne ihrer fließenden Bewegungen, mit der ihr Körper fehlerfrei diejenigen Linien der Kombination in Echtzeit beschrieb, die der DeWitte vor seinem inneren Auge passend zur Musik wie ein Tuschmaler in die Luft pinselte. Beinahe eifersüchtig suchte er nach Fehlern, die er gewohnt war, zu kritisieren – fand sie jedoch nicht, egal, wie genau er hinschaute. Nein, diesmal machte sie ihre Sache perfekt, überraschte ihn, im positiven Sinne. Jede ihrer Drehungen wirkte so mühelos, als hielte sie ein unsichtbarer Puppenspieler an einer Kordel über ihrem Kopf, und ihre developpés performte sie mit dem Anmut einer Nymphe. Doch es war weniger die Perfektion ihrer Linien, die Victor ganz besonders beeindruckte, sondern die Gesamtharmonie ihrer Darbietung: Sie führte die Kombination nicht nur auf, sie lebte sie, Körper und Seele, gab sich hin, voll und ganz, und sich selber ein Stück weit auf, während sie, wenn auch nur für den Bruchteil eines Moments, zu Odile höchstpersönlich wurde, der düsteren Verführerin, der femme fatale, die es mit einem einzigen, formvollendeten Augenaufschlag fertig brachte, selbst den treusten Prinzen seinem Liebesschwur abtrünnig werden zu lassen.
Es war diese Hingabe, die Grundzutat für die göttliche Metamorphose auf der Tanzbühne, nach der Victor bei der Auswahl seiner Mündel Ausschau hielt und die nicht nur ihm besonders gefiel. Tief ihn sich drinnen spürte er die Präsenz frohlocken, und in sich das von ihr geschürte Verlangen aufsteigen, nach der Ballerina zu greifen und ihren Körper wie Tuch durch seine Hände gleiten zu lassen, um herauszufinden, ob sie nicht nur wirkte, sondern sich auch anfühlte wie kostbarste Seide…
Wie ein langer Schatten, stumm und nicht abzuschütteln, folgte der Meister dem Rotkäppchen, schlich ihr hernach, wie der Wolf aus dem Märchen, während sie, versunken in ihre Kunst, nicht einmal ansatzweise mitbekam, wie er seine Kreise enger zog. Die letzten Noten auf dem Blatt wurden gespielt, und die schwarze Schwänin spreizte, den Schwung der letzten Pirouette mittragend, noch einmal energisch die Flügel, streckte den eleganten Hals, und erstarrte sodann in ihrer Position, keine Handbreit weit vor seinem Torso entfernt, zu Stein. Ein Husten, ein winziger Windhauch in ihrem Rücken hätten gereicht und die Stoffasern ihres Leotards wären mit denen seines Haoris auf Tuchfühlung gegangen. Einen Lidschlag lang war er ihr gar so nah, dass er ihren beschleunigten Atem auf seiner Haut spüren konnte und winzige Schweißperlen aus ihrem Haaransatz perlen sah. Seine Mundwinkel zuckten, während er auf sie herabblickte. Er schien beinahe ein wenig amüsiert. Gegen seine hochgewachsene Fassade wirkte sie wie eine Pygmäe, winzig-zart, schmal, beinahe kindlich in Gestalt, und dennoch strotzte sie vor Kraft und Eleganz, reckte – noch immer in character – herausfordernd das Kinn. "Brava", schnurrte er so leise, dass nur sie es vernahm. Sie hatte es tatsächlich geschafft, seinem gnadenlosen Anspruch gerecht zu werden, und er war ohne Frage von ihr und ihrer Darbietung angetan… bis zu dem Moment, als sie aus ihrer Trance erwachte, realisierte, wem sie gegenüberstand und in der nächsten Sekunde einen buchstäblichen Rückzieher machte. Die feurigen Onyxe unter dem Wimperkranz wichen verschreckten Rehäuglein, Odile wurde wieder zu Bambi.
Victor sah das beschämte Flackern in Rotkäppchens Blick und verdrehte innerlich die Augen. Ach, herrjeh. Igitt. Scham. Ein Gefühl, das Menschen davon abhielt, sich selbst zu verwirklichen. Ein Instrument der Kontrolle, dem Individuum seit Jahrhunderten auferlegt, um seine natürlichen Impulse zu zügeln, seine Triebe zu bändigen, es zu domestizieren. Ein Feind, den es auf der Bühne galt, auszumerzen, wenn sie in jener Rolle aufgehen wollte, in der Victor sie sich in den soeben vergangenen eineinhalb Minuten ihrer Darbietung so gut hatte vorstellen können. Aber für das kindische Geziere eines grauen Mäuschens hatte jemand wie er herzlich wenig Geduld. Vielleicht sollte er ihr dann doch lieber gleich das Genick brechen...
Mit im Kreuz verschränken Armen schaute er auf sie hinab, den Kopf leicht schief gelegt, ähnlich dem eines Rabens, der versuchte herauszufinden, wie man am besten an das schmackhafte Reinweiß ihrer Augäpfel herankam. Er überlegte. Dann ein kaum merkliches Kopfrucken hinüber zur Wand, wo bereits ihre Kollegin stand: "Worauf warten Sie? Dass ich für Sie anfange, zu klatschen? Nach rechts, Mademoiselle." Mit diesen Worten entließ er sie aus den unsichtbaren Fesseln seiner Aufmerksamkeit, wartete bis sie sich wieder unter ihresgleichen gemischt hatte, betrachtete dann die versammelte Truppe der Tänzer auf der rechten Seite des Raums. Das waren sie also, seine neuen Akolythen, seine Jünger und Jüngerinnen, die ihm in den nächsten vierzehn Wochen unterworfen waren und ihm zur freien künstlerischen Verfügung standen. Die meisten von ihnen hatten sich ihre Ballett-Sporen bereits verdient, waren entweder Principals oder Solisten. Einige von ihnen hatte Victor sogar schon live bei Aufführungen erlebt und sich ihre Stärken, vor allem aber auch ihre Schwächen gemerkt. Keiner von ihnen war ein Geheimnis für ihn, sie alle lasen sich wie offene Bücher. Gespannter war er auf die beiden Newcomerinnen, die beiden in der Körperschaft seiner Schüler, die sich noch keinen Namen gemacht hatten: Rotkäppchen und ihre Freundin.
"Dumont", raunte Peter, der lautlos an seine Seite getreten war und die sich eine kurze Verschnaufpause gönnende Schar ebenfalls einer eingehenden Musterung unterzog. Victor war ihn von der Seite her einen Blick zu, nahm einen Schluck Sanpellegrino aus seiner Flasche: "Hm?" Der Grayson zeigte mit einem vagen, aber alles andere als diskreten Deut seines Daumens hinüber zu dem Rotschopf: "Der Name deines neuen Augensterns. Rose Elodie Dumont – klingt hübsch, ich geb’s zu. Aber sie ist ein Frischling, Victor, gerade mal ein paar Stunden an unserem Ballett, gefühlt." Die linke Augenbraue des CEOs rutschte hoch bis unter seinen Haaransatz, während er den DeWitte eingehend fixierte: "Ich kenne diesen Blick, Vic. Sag mir bitte, dass du unsere Lieblinge –" "Deine Lieblinge, Pete", unterbrach der Tanzmeister ihn gelangweilt und schraubte die Glasflasche wieder zu, doch der Buntgekleidete fuhr unbeirrt im Zischelton weiter, "– nicht vernachlässigst, bloß, weil du lieber mit Kinderknete spielst als mit Ton."
Jeden anderen hätte Devil DeWitte mit glühenden Dreizacken aus lodernden Augen aufgespießt und ihn für eine derartige Anmaßung über heiße Kohlen tanzen lassen. Allerdings hatte Peter schon immer eine besondere Immunität gegen den scharfen Biss seiner Zunge gehabt - mitunter ein Grund, weshalb sie befreundet waren. Außerdem wusste Victor, dass der Grayson meist schneller sprach als er dachte und er seine Worte wahrscheinlich längst bereute. So beließ er es bei einer einfachen, aber gefährlich leisen Warnung: "Peter…" Sein Freund und Geschäftspartner hob umgehend beschwichtigend die Hände: "Ich weiß, tut mir leid. Nichts für ungut. Alles was ich sagen will, Vic: Gewisse Entscheidungen sind schlecht fürs Portfolio und die interne Politik. Und der Kleinen tust du auch keinen Gefallen, wenn du das halbe Ensemble gegen sie aufhetzt, indem du sie bevorzugst." Der Geschäftsführer zuckte die Schultern, verzog das Gesicht zu einer bittenden Grimasse: "Ich würde es einfach zu schätzen wissen, wenn wir nicht bald unsere eigene Marie-Ninette zu beklagen hätten."
Victor bedachte Grayson mit einem sehr langen, sehr kühlen Blick. Seine Kiefer mahlten hörbar ein paar Mal hin und her, ehe er mit nur mühsam unterdrücktem Ärger hervorpresste: "Bist du endlich fertig?" Peter verstand, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war, da er besser ging. Er presste kurz die Lippen aufeinander, klopfte Victor dann jovial auf den Rücken, warf sich sein türkises Anzugsjackett über die Schulter und der verbliebenen Tänzerschar eine Kusshand zum Abschied zu: "Bravo, bravissimo, meine Schönen! Fantastische Vorstellung! Aber, ach, die Bürokratie ruft. Ich überlasse euch nun ganz eurem neuen Mentor. Habt keine Angst vor ihm, er ist nur halb so böse, wie er tut."
Der DeWitte regte keinen Muskel, verzog nicht die geringste Miene, fokussierte mit hinter dem Rücken verschränkten Händen irgendeinen imaginären Punkt an der Decke, während Peter von dannen zog, wartete, bis das Echo der ins Schloss fallenden Tür verhallt war. Erst dann erwachte er wieder aus seiner Starre und drehte sich unverwandt den Tänzern und Tänzerinnen an der Wand zu: "Gut. Nun. Wenn Sie es bis hierhin geschafft haben, bedeutet das, dass Sie sich soeben einen Platz im Bühnenstück ergattert haben, welches das New York City Ballett in knapp vier Monaten zur Eröffnung der neuen Saison aufführen wird. Ich gratuliere – Sie sind alle gerade einmal gut genug." Es war kein Kompliment, hörte sich auch nicht wie eines an. Dennoch sah er das ein oder andere Gesicht unter den Anwesenden aufleuchten. Tja, wenn man die Latte ganz tief ansetzte, konnte man sich auch über die ganz kleinen Erfolge freuen. "Das Stück, das wir in einer leicht entfremdeten Interpretation aufführen werden, galt bis anhin als ‘Mount Everest’ der Choreographien für die männliche Hauptrolle." Die Burschen in der Schar warfen sich gegenseitig fragende Blicke zu, einige runzelten ahnungslos die Stirn, andere wisperten ihrem Nachbarn Vermutungen ins Ohr. Der Meister brachte das Geflüster mit einer scharfen Handbewegung zum Ersticken: "Weil wir in einer Welt leben, in der Geschlechtergleichheit großgeschrieben wird, lasse ich Sie gerne wissen, dass die Tanznotation der Protagonistin unter meiner Federführung mindestens genauso anspruchsvoll sein wird."
Als er erneut die Stimme erhob, sprach er betont langsamer, mit einem Hauch von Pathos und einer Prise Theatralik, so als hielte er einen Shakespear'schen Monolog: "Wir gehen beide selig in das ungewisse Jenseits. Da ich der Liebe nicht widerstehen konnte, so gehe ich mit ihm." Er machte eine Pause und sah in die Gesichter der Umstehenden. "Wem von Ihnen kommt dieser Ausspruch bekannt vor?" Ein wenig Gehirnjogging in Bühnenspielkunde zur Auflockerung konnte nicht schaden. Wenn keiner unter ihnen die Antwort wusste, war er bereit, kollektives Kleinholz aus ihnen allen zu machen.
| NAME: Dr. Nikolaj Dvorák | Bitte melde dich an, um dieses Bild zu sehen. |
| ALTER: 29 Jahre | |
| NATIONALITÄT: Vorossier (aus Vynthra, Tarás-Vorossia) | |
BERUF: Hofakademiker in der Beauvalesischen Bastille
| |
| POLIT. ZUGEHÖRIGKEIT: Beauvalesisches Königshaus (aufgrund Anstellung am Königshof) | |
AUSSEHEN / MARKANTERE MERKMALE:
| |
LEBENLAUF:
| |
| PLAYLIST: Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen. | |
Anmerkung: Vorliegend handelt es sich um Gedankenstützen und kein Fertigprodukt. Informationen werden laufend ergänzt und allenfalls abgeändert.
Fürstentum Tarás-Vorossia
(angelehnt an das Königreich Böhmen und das russische Zarenreich, ursprünglich zwei Fürstentümer, die sich nach langen Scherereien "vereint" haben, bzw. die Vorossen haben die Tarassier im letzten Krieg besiegt und annektiert, ihnen aber Gelegenheit zur Gesichtswahrung gegeben, so, "Hey, unser Land kriegt nen neuen Namen mit Bindestrich, dafür muckt hier keiner von euch mehr auf, capiche?"; spricht man aber über Tarás-Vorossia, bzw. etwa die Kultur, die Sprache, etc., dann greift man der Einfachheit halber grundsätzlich auf das Adjektiv "vorossisch" zurück.)
Königreich Beauvalais:
(angelehnt an Frankreich im 18. Jahrhundert, mit dem Unterschied, dass die Guillotine bereits existiert und frisch-fröhlich eingesetzt wird, aber es der Bevölkerung noch zu gut geht, um rebellieren zu wollen)
***
"Schere, Stein, Papier?" Der Sonnyboy aus Kalifornien bedachte seinen langjährigen Freund und Klettergefährten Gavin McIntyre unter seiner Skibrille hervor mit einem schiefen Grinsen. Jener stierte derweil mit besorgter Miene die etwa acht Meter hohe, glasig schimmernde Eiswand des Bergschrunds vor ihnen hinauf, der den Einstieg zum "Fußballfeld" und damit zur technisch schwierigsten Passage ihres Aufstiegs zum Gipfel markierte. Nach ein paar weiteren Sekunden bangen Vermessens der zu nehmenden Hürde, wandte sich McIntyre, der im gleichen Alter war wie Vince, aber nicht aus dem sonnigen L.A., sondern dem regnerischen Seattle stammte, zu ihm um, präsentierte eine zur Faust geballte Hand. Vince tat es ihm nach. Auf Kommando schwangen die beiden Männer ihre Fäuste dreimal nach oben und nach unten, formten am Ende der Bewegung jeweils eine der drei möglichen Figuren. Bereits im zweiten Durchgang stand der Gewinner fest. Gav ächzte: "Fuuuuuck…" Derweil wurde Vince' Grinsen nur noch breiter: "Zweimal Schere, wie immer. Du bist so berechenbar, Junge, es ist schon fast langweilig." Sein Gegenüber schnaubte herzlich wenig amüsiert, drückte ihm mit einer ruppigen Bewegung das Nylonseil in die Hand: "Halt die Klappe und sicher mich. Wehe, du lässt mich fallen!"
"Niemals, Babe. Du weißt doch: Never gonna give you up, never gonna let you down..." Der Kalifornier gluckste leise belustigt in sich hinein, während sein Kumpan nur die Augen verdrehte, nahm unbeirrt die Melody von Rick Astleys Ohrwurm weitersummend einen seiner Eispickel zur Hand und grub damit zwei tiefe Kerben in den Pulverschnee, die im rechten Winkel zueinander verliefen. Mittels Ankerstich legte er eine Bandschlinge um den Pickel, platzierte diesen in den vorgefertigten T-Schlitz im Schnee und stieß das Eisen mit dem Fuß und etwas Nachdruck in den unter dem frischen Schneestaub liegenden Firn, vergrub den Pickel dann in einer ordentlichen Portion Neuschnee zu und klopfte diesen fest, so dass die Kletterhilfe sicher im Untergrund verankert war. In die Bandschlinge legte er sodann die Verankerung zum Seil für die Partnersicherung. Der Karabiner klickte. Er und Gavin blickten sich an: "Bereit?" Gav gab einen Daumen hoch und nickte, macht auf dem Crampon bewehrten Absatz seiner Bergschuhe kehrt, ging einige Schritte nach rechts zu einem etwa drei Fuß breiten Eisvorsprung, über welchen er in die Eiswand einsteigen konnte. Vincent hielt sich derweil zurück, blieb außerhalb der Sturzrichtung und gab gerade so viel Seil, dass Gavin genug Freiraum für Bewegung hatte, die Verbindung zwischen ihm und seinem Partner aber niemals durchhing. Sollte sein Kumpel stürzen und in die unter dem Bergschrund gähnende, geschätzt etwa vierzig Meter tiefe Gletscherspalte fallen, konnte er seinen Partner mit seinem eigenen Körpergewicht sichern und ihn vor dem Schlimmsten bewahren.
Während Gavin mit rhythmischen Schlägen abwechslungsweise seine beiden Eispickel und die Spitzen seiner Steigeisen in die Wand schlug, erlaubte sich Vince einen flüchtigen Blick talwärts. Durch den vom nach wie vor rauen Fallwind aufgepeitschten Schnee erkannte er etwa vierhundert Meter unter ihm drei Farbklekse, die sich das 45 Grad steile Schneefeld hinaufbewegten und in weiser Voraussicht den Kurven von Gavins und seinen Spuren im pulverigen Weiß durch den Gletscher folgten. Sieh an, sieh an. Ganz offensichtlich hatten ihre drei Kombattantinnen – Gavins Ehefrau Rachel, ihre Schwester Vicky und deren beider gemeinsame Freundin Evie – es doch nicht sein lassen können und sich mittlerweile dazu entschieden, ihnen zu folgen. An jenem Morgen hatte eine Meinungsverschiedenheit zwischen den Fünfen beinahe zum Streit geführt hatte. Es war dabei um die Auslegung des Begriffs "vernünftige Bedingungen" gegangen, bei denen man am heutigen Tag den Aufstieg zu Camp 3 wagen wollte, nachdem sie die letzten beiden Tage wegen schlechtem Wetter in ihren Zelten festgesessen und Däumchen gedreht hatten. Vernünftig, das bedeutete für Vicky perfekt – kein Wind, blauer Himmel, "Schmetterlinge am gepisteten Wegesrand und Après-Ski am Gipfel", wie Vince höhnisch kommentierte, nachdem er ihr Rumgeweine in etwa satt hatte. Hübsches Gesicht hin oder her, auch seine Nerven lagen blank. Hatte bei Vicky die Lust aufs Weitermachen natürlich nicht unbedingt erhöht - sprich, aus ihrer Sicht war die Expedition in Ermangelung schönen Wetters mehr oder weniger vorbei. Für Gavin und Vince dagegen, die sich bei anderen Trips schon mit weit weniger komfortablen Wetterverhältnissen abgefunden hatten und nicht im Traum daran dachten, umzukehren, bedeutete vernünftig hingegen alles, was nicht unbedingt schrecklich war: Wind, Wolken, schlechte Sicht, Temperaturen unter minus 30 Grad Celsius, Neuschnee, der ihnen bis zu den Knien reichte und der das Vorankommen zum mühsamen Kraftakt machte – mit all dem konnten sie umgehen. Man müsse halt nur vorsichtig sein und ein bisschen auf die Zähne beißen, so die Devise der beiden Herren der Schöpfung. Das sei in der Bergen ja aber mal nix Neues. Nachdem allerdings auch Evelyn und Rachel unter (berechtigtem) Hinweis auf die bestehende Lawinengefahr nach dem Sturm in den letzten Tagen Bedenken geäußert hatten, einigten die fünf Freunde sich darauf, dass Vince und Gav zunächst in einer Zweierseilschaft im Alpinstil – also ohne schweres Gepäck – losziehen und auskundschaften würden, wie sich die Verhältnisse weiter oben auf dem Eisbruch verhielten. Im Idealfall würden sie die gut 700 Höhenmeter bis zu Camp 3 aufsteigen, dort das Lager vorbereiten und dann zurückkehren, um den Damen dabei zu helfen, Proviant und Ausrüstung für die nächsten paar Tage den Berg hochzutragen. Andernfalls, also wenn die Witterung keinen Aufstieg zuließe, würden sie einfach umkehren und noch einmal eine Nacht in Camp 2 verbringen.
Schräg über ihm hievte sich Gavin vor dem Hintergrund eines gleißend grauen Himmels über die bläulich schimmernde Schrundkante und verschwand aus seinem Blickfeld. Das orangefarbene Seil rutschte mit einem surrenden Geräusch über den vereisten Vorsprung, verriet Vince, dass sein Kumpel weiter die etwas flachere Headwall oberhalb der Steifstufe hinaufging. Gleich würde er mit dem Rücken zur Bergwand seinen Allerwertesten in den Schnee pflanzen und sich dort verankern, um seinen Nachstieg zu sichern. Innerlich zählte Vince die Schritte seines Partners anhand der verbliebenen Seillänge mit: Drei, zwo, eins… "SIIIIIIITZ!", echote es von oben. Die Mundwinkel des Kaliforniers zuckten. Gav und er hatten schon so viele Gipfel zusammen erklommen, so viele Wände gemeinsam durchquert, dass sie einander kannten wie siamesischer Zwilling den anderen. In Windeseile grub Vince seinen Eispickel, den er für den T-Anker im Schnee vergraben hatte, wieder aus, verstaute die Bandschlinge an seinem Gürtel und folgte Gavins Fußspuren hinüber zu der kleinen Brücke, von wo aus Letzterer den Eiswall erklommen hatte. Dann wartete er darauf, dass sich das Seil über ihm straffte und erneut Gavins Stimme dumpf unter dem Heulen des Winds an sein Ohr drang: "OK, NACHKOMMEN!"
"Na, dann woll’n wir mal…" Vincent ließ sich nicht zweimal bitten. Winzige Eissplitter spritzten ihm entgegen, als er die Haue des rechten Pickels ein paar Mal prüfend in die Wand schlug, ehe er den Kopf des Geräts ganz darin versenkte, dasselbe mit der anderen Hand wiederholte und letztlich in die Senkrechte einstieg. Bereits nach den ersten Metern hatte er seinen Rhythmus gefunden und das Geräusch seines Atems mischte sich mit den satten, schmatzenden Lauten aus dem Eis, wenn Pickelhauen und Steigeisen in dessen Oberfläche eindrangen. An seiner Mitte spürte er einen leichten, nicht unangenehmen Zug, wann immer sein Partner das Seil nachfasste, um es zu straffen. Tack, tack, tink, tink, zurr. Tack, tack, tink, tink, zurr. Bald schon kamen die Bewegungen ganz von selbst. Eisklettern war sein Ding, bereitete ihm immer wieder einen Heidenspaß! Hier war es nicht anders: Die Wand fühlte sich gut an, die Kletterei sicher, obschon der Wind an seinem Körper zerrte und unter ihm eine Gletscherspalte nach ihm lechzte. Der Anblick ließ das Adrenalin in ihm hochkochen, und das Blut in seinen Ohren begann zu rauschen. Jetz bloß keinen Fehler machen - schon gar nicht vor den Augen der herannahenden Ladies!
Dann... fühlte sich plötzlich etwas... falsch an.
Vince hielt inne und sah an sich herab. Das Seil an seinem Gurt. Es war erschlafft, beschrieb eine Schlaufe, die fast bis zu seinem Knie reichte. Was zum…?! Der Kletterer richtete den Blick nach oben, hielt den Atem an, lauschte. Das Rauschen in seinen Ohren wurde lauter. "GAV!" Sein Ruf hallte von der Eiswand wider, als schrie er in einen Spiegel. Feiner Pulverschnee rieselte über die Kante auf ihn herab, erst nur ein kleines Rinnsal, dann immer mehr.
Da, aus heiterem Himmel, ein erstickter Schrei! Das Nylonseil verlor nun vollends allen Zug, lief plötzlich rückwärts und fiel in Schlingen auf ihn herab – alles, was ihn jetzt noch an der überhängenden Eiswand hielt, waren die beiden Eispickel in seinen Händen und die nackte Kraft in seinen Armen: "GAV?!! WAS ZUM…!!!"
Im nächsten Moment explodierte die Eiswand über ihm förmlich. Mit einem brüllenden Laut schoss eine Lawine aus Schnee und Eis über seinen Kopf hinweg, verdunkelte den Himmel und stürzte hinter seinem Rücken auf den Gletscher, als hätte man die Schleusen eines Damms geöffnet. Kleinere und größere Brocken prasselten wie winzige Dolche auf ihn hernieder, verklärten ihm die Sicht. Trotzdem nahm er wahr, wie eine in einen roten Daunenanzug gehüllte Gestalt über die Kante des Bergschrunds schlidderte und mit den Schnee- und Eismassen talwärts gerissen wurde. Oh Gott, Gav, realisierte Vince irgendwo in der Weite seines Unterbewusstsein, und wurde im nächsten Moment selbst aus der Wand gerissen.
Er stürzte hinab ins Leere, fünf, zehn, fünfzehn, zwanzig Meter, ehe sein Fall jäh gebremst wurde, als sich das Nylonseil abrupt wieder spannte und das Grigri an seinem Klettergurt blockierte, er wie ein Pendel, dem man einen ordentlichen Schubs gegeben hatte, durch die Luft schwang und mit voller Wucht gegen die Wände der Gletscherspalte geschleudert wurde.
Der erste Aufprall presste ihm alle Luft aus den Lungen. Beim zweiten brach er sich etwas in der linken Hand.
Als er das dritte Mal gegen die Wand aus schwarzem Eis knallte, stieß er sich den Kopf... und verlor das Bewusstsein.
Der Vater ignorierte den verhaltenen Protest seines Sohnes ob der rüden Art, wie ihm die Wollmütze vom Kopf geraubt wurde. Haare hatte der Blondschopf beileibe genug. Über ihren Verlust konnte Laurits sich wieder beschweren, wenn er so alt war wie sein Vater. Fein säuberlich auseinandergefaltet legte Magnus die Mütze auf die warme Ofenoberfläche, wo die Schneeklumpen, die noch daran hafteten, schmelzen und das Gewebe trocknen konnte. Vorsorge. Disziplin. Ordnung. Das war die halbe Miete, um hier draußen zu überleben.
Wieder am Tisch und genüsslich das zarte Wild aus dem Eintopf zwischen den Zähnen zerkauend, lauschte Magnus der Stimme seines Sohnes, las gleichzeitig in dessen Gesicht. Er konnte nicht genau ausmachen, was es war, dass ihn… irritierte. Aber da war etwas an ihm, das anders war, als sonst. Auf den ersten Blick wirkte Laurits wie immer, aber Magnus kannte seinen Sohn zu gut, um die winzigen Veränderungen in seiner Aura nicht zu bemerken. Der Bub gab sich zwar Mühe, seine Aufregung zu verbergen. Doch sein Körper verriet ihn auf ganz subtile Weise: Da waren zum einen die geweiteten Pupillen – eine physiologische Reaktion auf die Ausschüttung von Adrenalin bei der Aktivierung des sympathischen Nervensystems. Im Innern der Hütte mochte es zwar schummrig sein, aber nicht so dunkel, dass es sich rechtfertigte, dass das Schwarz von Laurits Pupillen beinahe die gesamte Fläche seiner sonst grün leuchtenden Iriden einnahm. Das Rot in seinen Wangen mochte vom eisigen Wind herrühren, der leicht verkrampfte Sitz von der der Kälte geschuldeten Steifheit seiner Glieder – oder aber, Laurits war nervös. Weshalb auch immer. Vielleicht war das unterschwellige exaltische Fieber lediglich dem Erfolgserlebnis mit Skalli geschuldet. Oder es war etwas anderes. Ganz anderes. Wieder erhob sich ein Wispern im Raum, schwoll langsam zu einem Rauschen an. Ein langgezogenes Pfeifen erfüllte seinen Gehörgang wie ein ungewohnt penetranter Tinnitus. Magnus hörte auf zu kauen, sah mit an, wie aus dem Schatten hinter Laurits eine langfingrige Hand über die Schultern seines Sohnes kroch, liebevoll über seine Brust strich, ehe sich ihre Finger zu einer Kralle verkrampften, die spitzen Nägel sich durch den Stoff seines Pullovers zwischen seine Rippen gruben und Blut zu laufen begann. Von irgendwoher erklang wie fernes Glockenspiel ein Lachen – ihr Lachen.
"Unterordnung wirst du von einem Tier wie Skalli nicht bekommen. Nicht auf lange Sicht", unterbrach Magnus die Halluzination, mit einer Selbstverständlichkeit und Abgebrühtheit, als hätte es sie nie gegeben. Sein Herr war hungrig, lechzte schon seit Tagen nach einem neuen Opfer, aber er würde sich gedulden müssen. Zumindest noch bis nach dem Abendessen. So viel Zeit musste sein. "Han er mer ulv enn hund.1 Er wird jeden einzelnen deiner Schritte beobachten und dich danach bewerten. Begehst du einen Fehler, wird er nicht zögern, dich herauszufordern. Schlechte Entscheidungen bedeuten dort, wo er herkommt, Hunger, Gebrechen... Tod." Er stocherte mit seinem Löffel in der Suppe, zerteilte dabei eine Pastinake, ehe er mit der Laffe auf Laurits zeigte: "Triff die richtigen Entscheidungen, und Skalli wird dir folgen. Ganz ohne, dass du ihn dir unterordnen und seinen Willen brechen musst." Wolfshunde waren fundamental anders als normale Hunde, die man als Haustiere hielt. Nicht getrimmt darauf, zu gehorchen, schon gar nicht zu gefallen. Die Unabhängigkeit lag in ihrer Natur, war überlebensnotwendig. Sein Junge würde lernen müssen, dass er Skalli diese Ungebundenheit nicht nehmen durfte, wenn er sich die Stärken des Tiers zu Nutzen machen wollte. Es ging darum, einen Vertrag mit dem Wolfshund einzugehen, der für diesen Sinn ergab. Nur dann würde Skalli ihn respektieren. "Ein neuer Anwärter auf den Leithund-Posten, also, ja? So, so… Da wird Odin" – die Rede war vom gegenwärtigen Leaddog in Magnus Gespann – "wohl auch noch ein Wörtchen mitzureden haben. Aber… vielleicht bist du ja bald bereit für dein eigenes Gespann." Magnus bedachte Laurits mit einem leisen Schmunzeln über den Rand seines Tellers hinweg, den er nun an die Lippen hob und den übriggebliebenen Saft darin austrank, ehe er sich erhob und die Hand nach der Schüssel seines Sohnes ausstreckte: "Mer mat?"2
Nachdem er Laurits Teller zum zweiten Mal gefüllt und sich selbst ein Tasse Tee eingeschenkt hatte, kehrte er auf seinen Platz am Tisch zurück und lehnte sich in seinem Stuhl ein Stück weit nach hinten, die Beine übereinandergeschlagen, die dampfende Teetasse zwischen den halbbehandschuhten Fingern haltend, während er Laurits einen Moment lang stumm beim Essen zusah, ehe er unversehens fragte: "Hvordan er det? Har du gjort leksene dine?" Der Junge hatte sich heute fast den ganzen Tag alleine beschäftigen müssen, während sein Vater mit den Hunden ins zwei Stunden entfernte Talkeetna gefahren war, um einige Kommissionen zu erledigen. In weiser Voraussicht hatte Magnus ihm deshalb mehrere Kapitel Biologie-Lektüre aufgetragen, damit sich Laurits auch ja nicht langeweilte oder auf dumme Gedanken kam, wie sie bei siebzehnjährigen Halbstarken zu erwarten waren. "Ich glaube, wir sind beim Blutkreislauf stehen geblieben."
______________________________________________
1 Er ist mehr Wolf als Hund.
2 Nachschlag?
3 Wie siehts aus? Hast du deine Hausaufgaben gemacht?
Töne prasselten aus dem schwarzglänzenden Instrument in der Ecke des Studios. Der Pianist erblühte förmlich auf seinem Hocker, während seine Finger federleicht über die weißen und schwarzen Tasten der Klaviatur wirbelten. Eben noch das unscheinbare Männlein schwang sein Körper nun im Takt der Musik mit, folgte mit dem Oberkörper den Bewegungen der Tänzerinnen, als wäre er selbst einer von Ihnen. Auch Peter, in seinem Stuhl lässig zurückgelehnt, einen Kugelschreiber zwischen den Fingern hindurchjonglierend, mimte den bespaßten Zuschauer. Sein Fuß wippte zum Rhythmus des Allegro auf und ab. Derweil stand Victor da wie eine Rennaissance-Statue: Regungslos wie aus Stein gehauen, unbeeindruckt vom Treiben der vergänglichen Wesen in seinem Gesichtskreis, dieselbe Kühle ausstrahlend wie weißer Marmor.
Von seinem Beobachtungsposten beim Flügel aus verfolgte er, wie die erste Gruppe Tänzerinnen die von ihm konzipierte Schrittabfolge ausführte. Dem stechenden Blick unter dem Wimpernkranz seiner eisig blauen Augen entging nichts – nicht die kleinste Bewegung, nicht die winzigste Abweichung, kein einziger Fauxpas. Selbst unscheinbare Details fielen seinem auf Perfektion getrimmten Augenmerk auf, und als Rotkäppchen bei der Landung patzte, überkam ihn ein Hauch von … Degout. Ihr Missgeschick war minimal, der unsaubere Abschluss ihres Rückwärts-Temps-Levés vernachlässigbar, gerade angesichts ihrer sonst nahezu perfekten Darbietung. Doch gerade weil sie den Rest seiner Variation so scheinbar mühelos gemeistert hatte, riss ihn der Lapsus rüde aus dem Genuss ihres Auftritts. Er fühlte sich... unbefriedigt. Frustriert. Eine Tatsache, die der DeWitte beinahe schon als persönlichen Affront empfand. Ganz anders sahen die Dinge bei dem Stegreifspiel ihrer Kollegin aus, die irgendetwas vortanzte, nur nicht das Ende der Kombination. Da reichte die Erwartungshaltung gar nicht erst hoch genug, um Enttäuschung aufkommen zu lassen.
Nachdem der erste Durchlauf für alle vorbei war, versammelte sich die Schar der Tänzer und Tänzerinnen erneut entlang der Wand auf der linken Seite des Raums. Den einen war anzusehen, dass sie mit ihrer Performance nicht zufrieden waren, andere leuchteten geradeso vor Selbstgefälligkeit – manch einer alles andere als verdienterweise. Victor warf Peter einen Seitenblick zu. Der machte ein vage Handbewegung: Have at it. They’re all yours.
"Sie!" Seine Stimme peitschte einmal quer durch die Halle, ohne dass er sie wirklich erhoben hatte. Der angesprochene Danseur zuckte zusammen, kauerte fast ein wenig unter der Herrschaft des ausgestreckten Zeigefingers, der auf ihn gerichtet war, während der Meister näher kam und vor den Reihen der Tänzer und Tänzerinnen zu patrouillieren begann. "Sie." Einer der Ballerinas – Madame Improvise-Adapt-Fail-Miserably – verging das dummfreche Grinsen, als sie als Nächstes den Anklagefinger ins Gesicht gebohrt bekam. Direkt neben ihr stand das Rotkäppchen. Victors Hand schwebte kurz in der Luft, der tiefe Blick aus dem Stahlsee seiner Augen traf den ihren, hielt den Kontakt, bis sie ihn brach. Die angekettete Kreatur tief in ihm drin hob die Nase in den Wind und schnupperte in ihre Richtung. Frischfleisch, und was für ein Leckerbissen noch dazu - jung, zart, saftig. Eine Delikatesse. Etwas… Besonderes. Vielleicht. Eine Schande, das Kälbchen bereits jetzt zu schlachten. Also ging der DeWitte weiter: "Sie. Sie. Die ganze Gruppe hier. Sie da drüben, und Ihre Nachbarin. Und Sie beide." Er verzog die Lippen zu einem künstlichen Lächeln, das seine Augen nicht erreichte: "Gratulation, Ihnen bleibt heute eine Menge Knochenarbeit erspart. Freuen Sie sich. Sie dürfen gehen." Ein Raunen rollte durch das Ensemble, ging über in ein leises Tuscheln. Ungläubige Blicke wurden hin und her geworfen, eins der Mädchen schluchzte auf, und aus der Ecke tönte ein: "Ihr Ernst jetzt?!"
Doch der DeWitte hatte sich längst abgewandt, war bereits wieder auf dem Weg zu seinem Posten, wo Grayson ihn erwartete und ihn geradezu gepeinigt ansah: "Rosenbaum, Victor. Evelyn Rosenbaum. Eins unsrer Sternchen!" Victor würdigte seinen Freund nur eines kurzen Blickes und nahm einen Schluck aus einer bereitstehenden Flasche Sprudelwasser, während Peter sein Lamento fortsetzte: "Ihr Vater ist der Grund dafür, dass wir es uns an unseren Aufführungen leisten können, Veuve Cliquot aufzutischen, ist dir das bewusst?" Victor gab einen belustigten Laut von sich. Nein, das war ihm bisher nicht bewusst gewesen, dafür aber umso egaler. Peter legte ihm eine Hand auf den Unterarm: "Victor… Dein Ernst jetzt?" Der Tanzmeister sah seinen Arbeitskollegen mit einem Ausdruck im Gesicht an, der keinen Zweifel daran ließ, wie ernst er es meinte, und der subtil auf die Klausel in seinem Arbeitsvertrag verwies, in der stand: Kann machen was er will. Muss dafür keinem Rede und Antwort stehen. Auch Peter Grayson nicht. Dennoch setzte er mit einem gespielt versöhnlichen, gefährlichen Schmunzeln dazu: "Ich bin mir sicher, Ferdinand wird hocherfreut sein, sie in seiner Gruppe aufzunehmen. Sie gäbe eine hervorragende Coppélia ab – die Staksigkeit liegt ihr im Blut."
Der Grayson gab auf, verdrehte die Augen und ließ sich zurück in seinen Stuhl sinken. In diesem Moment bereute er es sichtlich, den DeWitte eingestellt zu haben, sah aber ein, dass er an dem Pakt mit dem Teufel jetzt nichts mehr ändern konnte, ohne sich dabei ins eigene Fleisch zu schneiden.
Die zweite Kombination in zweierlei Ausführung – einmal für Männlein, einmal für Weiblein – war eine kräftezehrende Aneinanderreihung von Pirouetten und Fouettés, inspiriert von der Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen., mit nur wenigen Schritten dazwischen, um die brennenden Wadenmuskeln zu entlasten – eine Kombi, die die Spreu vom Weizen trennen würde. Victor verlangte Zweiergruppen, einerseits, damit die Tänzer ausreichend Platz hatten, um sich bei den ausschweifenden Bewegungen nicht in die Quere zu kommen, andererseits weil er sich so ein noch genaueres Bild vom Einzelnen machen konnte. Allerdings gefiel ihm nicht, welche Pärchen sich da an der Wand bildeten… Der Pianist hatte bereits schon wieder in die Tasten gefasst, da hob der Tanzmeister noch einmal die Hand: "Stop. Sie da…" Er deutete auf Rotkäppchens Freundin und bedeutete ihr mit einem kurzen Winken, ihren Platz in der Reihe zu ändern: "Nach vorn. Weit nach vor." Von den ursprünglich 48 Tänzern waren jetzt noch 37 übrig. Rotkäppchen würde das Schlusslicht bilden – allein, ohne ihre Busenfreundin, die ihr das Händchen halten würde.
Anders als beim letzten Mal verließ der DeWitte diesmal seinen Beobachtungsposten am Klavier und wanderte langsamen Schrittes um die Tanzenden herum und zwischen ihnen hindurch, während sie seine Schrittabfolge zum Besten gaben. Dabei fiel nun auch der ein oder andere Kommentar: "Wieso schauen Sie auf den Boden? Keine Sorge, der ist immer noch da, um Sie aufzufangen, wenn Sei fallen! Kinn hoch, Augen gerade aus. Und dann ab nach links!" – "Was soll das sein? Ein Flamingo mit muskulärer Dystrophie?! Herrgott... meine Augen. Ab nach links." – "Ich bin mir sicher, Ihre Großmutter im Altersheim beugt das Knie eleganter als Sie. Nach links." – "Netter Versuch. Nach links." – "Zu langsam. Nach links." – "Zu schwerfällig. Nach links." – "Ugh. Links." Nach links, das bedeutete: zu den Schlechten ins Kröpfchen. Im Nu war die Zahl der Anwärter auf eine Rolle in seinem nächsten Ballett so auf zwanzig geschrumpft. Dann war das Rotkäppchen an der Reihe.
I Know These Hills
Historic, Indian Wars (Red Cloud's War) | Fort Reno (Wyoming, USA) | M/F tender romance, vanilla smut, "how to intimacy" | FSK-18+ | 2er-RPG
[RESERVIERT]
Dezember 1866, drei Tage vor Heiligabend: Anderthalb Jahre, nachdem General Robert E. Lee im Wohnzimmer eines Farmers bei Lynchburg die ihm von General Ulysses S. Grant vorgelegte Kapitulationsurkunde unterschrieben hatte und damit das letzte Kapitel des Sezessionskriegs zwischen Nord und Süd geschrieben war, führt ein anderer Soldat, Captain William Fetterman, achtzig Kavalleristen von Fort Phil Kearny, einem Bundesaußenposten in Wyoming, zum Fuße des Big Horn-Gebirges. Sein Auftrag: Für Ruhe und Ordnung zu sorgen, nachdem vermehrt Berichte von Überfällen auf weiße Siedler und Goldsucher in der Gegend erstattet wurden. Doch nur wenige Stunden, nachdem sie von Fort Phil Kearny aus losgeritten sind, sind Fetterman und seine Garnison tot...
*
Ein paar Monate zuvor: Mit fast 700 Mann erreicht die 18. US-Infanterie im Sommer 1866 Fort Reno im Dakota Territory. Ihre Mission: Reisende entlang des Bozeman Trails, der die Goldfelder im Westen Montanas mit dem Oregon Trail verbindet, vor den Rothäuten im Gebiet zu beschützen. Unter den Avantgardisten und weit weg von seiner Geburtstätte im Osten ist auch Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen., First Sergeant, Sanitäter und einziger Tierarzt seines Regiments. Belächelt von seinesgleichen als "Quäker" ob seiner pazifistischen Gesinnung und scheel beäugt als in sich gekehrter Sonderling, weil er die Gesellschaft von Pferden jener von Menschen vorzieht, Weib und Whiskey nichts abgewinnen kann, stattdessen Nächte lang im fahlen Schein einer Öllampe zwischen den Beinen einer unsichtbaren Muse der Poesie erliegt und die Gedichte in seinem Tagebuch mit greifbar echten Skizzen von allerlei Lebewesen schmückt, fühlt sich Leslie hier mindestens so fehl am Platz wie er wirkt. Nicht, dass er wüsste, welcher Ort er sonst ein – sein – Daheim nennen würde, hat er doch nach seiner freiwilligen Meldung für den Militärdienst alles zurückgelassen, was ihm je lieb und teuer war, und seither zu viel erlebt, um als derjenige zurückzukehren, der damals das traute Heim verlassen hat. So bleibt er, wo er ist, wo sie ihn auch nach Ende des Bürgerkriegs brauchen, als Teil der Armee, Teil der Kontinentalexpansion nach Westen, Teil von "etwas Größerem" und dennoch ein Fremder unter Fremden in einem fremden Land, entwurzelt und auf der verzweifelten Suche nach Gott, oder wenigstens einem höheren Sinn für das, was er auf und neben dem Schlachtfeld erlebt hat, für all die Gewalt und all die Gräuel, die kein Ende nehmen wollen, selbst jetzt, da der große Krieg doch eigentlich vorbei ist... Während der Kamerad mit dem vergifteten Pfeil im Bauch sterbend und mit Tränen in den Augen den Beistand Jesu erfleht und von fern die trällernden Kriegsgesänge der Rothäute an sein Ohr dringt, befürchtet Leslie, dieser Sinn, nach dem er sucht, werde sich ihm nie offenbaren, ahnt, dass er und sie alle verloren und dem Teufel näher als dem Himmel sind. Trost in diesen Tagen spendet ihm nur das Land, auf dem sie ihr Lager aufgeschlagen haben, in all seiner atemberaubenden Schönheit, die ebenso wild wie gefährlich ist, und schließlich, eines Tages, ganz unversehens plötzlich... sie.
*
Tauchen wir zusammen ein in die Welt des Amerikanischen Westens der 1860er Jahre. Der Bürgerkrieg ist zu Ende, doch mit der Expansion des amerikanischen Imperiums Richtung Westen erhalten die seit Anbeginn der Kolonialisierung schwelenden Indianerkriege neuen Aufwind. Soldatenheere, bestehend sowohl aus Unionisten als auch Konföderierten, werden wieder an die Front geschickt, um gemeinsam die Eroberung der Lande westlich des Mississippis gegen eine Allianz aus Lakotas, Arapahos, Cheyenne und Sioux-Indianern voranzutreiben. Was beginnt als Mission, die Stämme der Ureinwohner im Westen vermeintlich zu befrieden, geht im Dakota Territory über in eine Reihe grausamer und sinnloser Massaker, die als Red-Cloud-Krieg bekannt werden. Inmitten dieser blutigen Händel finden unverhofft zwei Seelen zueinander. Eine zarte Liebe knospt zwischen ihnen, wächst und erblüht, allen Widrigkeiten zum Trotze, doch die Lage im Powder River Basin wird immer brenzliger und bald steht für die beiden sehr viel mehr auf dem Spiel als nur die sehnsuchtsvollen Wünsche ihrer beider Herzen.
***
T&Cs:
Gesucht wird der weibliche Part des Pairings. Wer und vor allem wie sie sein soll, habe ich in der Beschreibung oben bewusst offen gelassen, weil es so viele Möglichkeiten gibt, wie die gesuchte Dame in Leslies Leben treten könnte. Meine Ideen reichen dahingehend von seiner zurückgelassenen Verlobten oder einer Kindheitsfreundin und Poetin auf Reisen über die unglückliche Ehefrau eines Siedlers in einer Zwangslage bis hin zu einer Lakota-Stammestochter, die sich mit ihm in riskanter Völkerverständigung zu üben wagt. Andere Vorschläge sind mehr als willkommen! Sie darf ein tougher Wildfang sein, oder aber Aschenbrödel höchstpersönlich - wie auch immer der Charakter ins Gefüge passt. Ich habe nur eine einzige Bedingung: Es soll ein sanftes, liebevolles Pairing werden. Das bedeutet: Vertrauen muss erst aufgebaut, Verständnis erst bewiesen, sprichwörtliche Hände zuerst gereicht werden. Während eine gewisse Anziehung bereits von Anfang an gegeben sein darf, sollen sich die wirklich zarten Gefühle und später die große Leidenschaft erst mit der Zeit entwickeln.
Eins vorweg: Leslie hat Mühe mit körperlicher Intimität, hatte er schon immer, und seine Erlebnisse im Krieg haben ihn dahingehend nur empfindlicher gemacht. Berührungen anderer Menschen fühlen sich für ihn meist falsch an, und seine Reaktionen auf Zuneigungsbekundungen - sei es auch nur ein Schulterklopfen - fallen entsprechend aus. Zuneigung auf Körperebene zu genießen wird er erst lernen müssen, und nicht jeder Schritt auf dem Weg zur absoluten Hingabe wird für ihn ein angenehmer sein. Es gilt also: Slowly, slowly, catchy feely.
Wohin die Romanze führt, bzw. ob und wie die Liebe die schweren, unsicheren Zeiten überdauert, bestimmen wir gemeinsam. An die historischen Begebenheiten der Zeit möchte ich mich - auch der Einfachheit halber - gerne halten, aber... soll nicht heißen, dass man an dem ein oder anderen Schräublein nicht ein wenig drehen kann.
[EINS: RUHE VOR DEM STURM]
Ein frisches Scheit fand seinen Weg in den Ofen. Funken sprangen aus der Glut empor, lechzten nach seinen nackten Fingern, doch Magnus ließ nicht zu, dass sie ihn bissen, die kleinen Dämonen, hielt sie mit dem Schüreisen in Schach. Ein lautes Knacken echote aus den Tiefen der Lohe, dann züngelten auch schon die Flammen am Scheit entlang, wuchsen und labten sich gierig am trockenen Birkenholz, verschlangen es in einem lüsternen Inferno. Der Blick des Endvierzigers verlor sich einen Moment lang wie in Trance im Lodern des Feuers, aus dessen Innern ein tiefes Schnurren an ihn herandrang und in die Melodie mit einstimmte, die aus seiner Gurgel drang und von der Magnus nicht genau wusste, woher er sie kannte und warum er das Bedürfnis verspürte, sie zu summen.
Nach ein paar Augenblicken der mentalen Verrücktheit schloss er die Ofentür wieder und machte sich im fahlen Schein der Öllampen zurück an die Arbeit: Im Schmortopf auf dem Herd hatte die Brühe mittlerweile zu köcheln begonnen, verströmte beim Umrühren das kräftige Aroma von gebratenem Fleisch, Lorbeer, Wacholderbeeren und Thymian; bis in die Ecken der Hütte, gar durch die Ritzen in den Wänden drang der köstliche Duft, verstärkte den Schutzwall aus dicken Tremeln, der sie gegen die unermessliche Weite und subarktische Kälte Alaskas schützte. Es war Mai, doch der Winter hielt sich in diesen Graden lange und die Temperaturen krochen trotz der länger werdenden Tage nur selten über den Gefrierpunkt. Der Mensch besaß kein Fell, dass ihn gegen den eisigen Biss des Nordwinds schützte, sodass er auf einen schützenden Unterschlupf, wie Magnus und sein Sohn ihn sich hier draußen errichtet hatten, angewiesen war. Mit Luxus hatte das Wohnen im Blockhaus inmitten der Wildnis zwischen hohen Nadelbäumen zwar wenig zu tun, doch mittlerweile hatten sie herausgefunden, wie sich selbst hier – in der totalen Abgeschiedenheit – ein wenig rustikale Behaglichkeit ins Leben rufen ließ.
Magnus nahm einen großen Holzlöffel zur Hand, tauchte ihn in die eingedickte Flüssigkeit und führte ihn sich anschließend vorsichtig an die Lippen. Genussvoll ließ er sich das faserige Schulterfleisch der Elchkuh, die sie vor ein paar Tagen erlegt hatte, zusammen mit den buttrigen Pastinaken auf der Zunge zergehen, währenddessen sich das erdig-süße Geschmacksbouquet der Hjortegryte in seinem Mundraum und mit ihm eine wohlige Wärme in Magnus’ Mitte ausbreitete. Sündhaft gut. In einem anderen Leben hätte er sich vielleicht als Koch versuchen können.
Die Tür zur Hütte wurde aufgestoßen, eine klirrendkalte Böe, begleitet von einem Schwall kleiner Eiskristalle, durchschnitt die wirtliche Gemütlichkeit der guten Stube. Die Öllampe in der Ecke flackerte; zitternde Schatten tanzten über die Wände. Magnus Blick folgte ihnen, seine gesamte Körperhaltung plötzlich angespannt. "Lukk døren, Laurits, det trekker"1, wies er den schlaksigen Siebzehnjährigen im Türrahmen knapp über die Schulter hinweg an, ohne sich zu ihm umzudrehen. Kaum dass der Junge seiner Anweisung nachkam, hörte die Flamme im Eck auf zu tanzen und das Schemenspiel an der Wand erstarb. Der Nacken des hochgewachsenen Norwegers entspannte sich, seine Lippen gewährten dem angehaltenen Atem Durchlass. Kaum merklich gab er sich einen Ruck, schmeckte ein letztes Mal den Eintopf mit Salz und Pfeffer ab, legte die Kelle dann beiseite: "Sett deg, vi skal spise snart."2 Magnus griff nach zwei tiefen Holztellern im Regal an der Wand, füllte beide bis zum Rand mit Elchgulasch. Den einen Teller stellte er seinem Sohn hin, nachdem dieser Platz genommen hatte, befreite mit der leeren Hand gleich unsanft Laurits’ blondes Haupt von der Wollmütze, die dieser wohl vergessen hatte, abzulegen, ehe er sich ihm gegenüber an den Tisch setzte. Erst dann reichte er Laurits einen Löffel. Dabei trafen sich die Blicke von Vater und Sohn ein erstes Mal, seitdem Laurits die Hütte betreten hatte.
Magnus musterte seinen Sohn einen Moment lang stumm, beobachtete den Jungen dabei, wie er sich die Suppe in den Mund löffelte, bevor er selbst auch zu essen anfing. Es dauerte noch einmal einige Sekunden, eher er zwischen zwei Bissen fragte: "Hat sich Skalli benommen?" Die Rede war von einem der Schlittenhunde, die sich draußen in ihren Zwingern soeben dank Laurits ihren Abendfrass schmecken ließen. Skalli war der Neuzugang im Rudel, und zeitgleich das launische Problemkind, ein Hybride mit vergleichsweise hohem Wolfsanteil, mehr wild als zahm, zu schlau für sein eigenes Wohl und zu aggressiv, als dass sich das lokale Tierheim getraut hätte, ihn zu vermitteln. Hätte Magnus sich auf Laurits Bitte hin nicht seiner angenommen, der Rüde hätte am Tag darauf die Spritze gesetzt bekommen. Etwas in den gelben Augen hatte das Tier vor diesem Schicksal bewahrt. Doch in Dankbarkeit musste sich der Halbwolf noch etwas üben, stellte sich heraus.
______________________________________________
1 "Tür zu, Laurits, es zieht."
2 "Setz dich, wir essen gleich."
Ein Wispern erfüllte das Innere von Studio Zwei, vermischte sich mit dem leisen Knistern von Leotards und dem gedämpften Klacken von Spitzenschuhen auf dem nackten Boden. Ein Summen lag in der Luft, wie von einer unsichtbaren Stromleitung ausgehend, die quer durch den Raum verlief – Adrenalin pulsierte durch Adern, rauschte den achtundvierzig Tänzern und Tänzerinnen, die gut die Hälfte der aktiven Besetzung des New York City Ballets ausmachten, in den Ohren. Die Uhr über dem Eingang tickte: Noch fünf Minuten. Zeit für ein letztes Stoßgebet vor dem großen Test. Was in der nächsten Stunde auf sie zukommen würde, wusste keiner von ihnen so genau. Die meisten bereiteten sich deshalb vor, wie sie es immer taten – so wie sie es sich gewohnt waren. An den Wänden entlang im Raum verteilte, waren einige bereits in Bewegung, machten sich mit Dehnübungen warm, vollführten an der Barre da ein Plié, dort eine Arabesque, spannten die Wadenmuskeln und übten noch einmal den perfekten Stand. Andere massierten ihre vom vielen Training in den letzten Tagen müden Füße, kontrollierten den Sitz ihrer Zehenschützer und schnürten ihre Spitzenschuhe neu, nur, um sich letzten Endes doch für das vorrätige Extrapaar zu entscheiden, dass sie am Vorabend noch vorsichtshalber in der Sporttasche verstaut hatten. Wieder andere suchten im Abseits mit Kopfhörern im Ohr die innere Ruhe, pressten Daumen und Zeigefinger beider Hände aneinander und atmeten mit geschlossenen Augen tief ein und aus, während ihre Lippen tonlose Choreografie-Phrasen ähnlich einem Mantra vor sich her murmelten. Und letztlich waren da noch jene, die sich in trauter Runde zusammenschlossen, letzte kleine Ermutigungen, gar ein Lächeln austauschten, wenn auch nicht ganz aufrichtig angesichts der Tatsache, dass jeder im Raum des anderen Konkurrenten war. Dann öffnete sich die Tür zum Studio abrupt, und drei Männer betraten den Tanzsaal.
*
Das Krachen, mit dem die schwere Pforte wieder ins Schloss fiel, erstreckte sich in die Tiefe des Raumes, wurde als Echo von der schwarzen Decke und den verspiegelten Wänden zurückgeworfen, bis es schließlich wie Donnergrollen in der Weite des Saals verebbte. Die weitgeschnittenen Plissees seines Hosenrocks und die langen Ärmel des Seiden-Haoris, der sich um seine Schultern schmiegte, flatterten Victor DeWitte hinterher, während er zügig an den Reihen der Tänzer vorbeischritt, ohne auch nur einen oder eine von ihnen eines Blickes zu würdigen. Ihm auf den Fuß folgten der Pianist der Kompanie – eine Stecknadel von Mann, mit schütterem Haar und wässrigem Blick, die Notenblätter eng an seine schmale Brust gepresst haltend, als fürchtete er, sie vor etwas verteidigen zu müssen – und, in etwas gemächlicherem, lässigerem Tempo, Peter Grayson, CEO des New York City Balletts und, wie immer, in einen seiner maßgeschneiderten, exzentrischen Anzüge gekleidet, die in farbig-scharfem Kontrast zu Victors ausnahmslos schwarzer Garderobe standen. Nicht, dass die Unterschiede der beiden Männer noch zusätzlich hätten akzentuiert werden müssen. Ihr Auftritt war in jederlei Hinsicht grundverschieden, das hätte selbst ein tauber Blinder in einer Zwangsjacke bemerkt.
"Stehen Sie bequem, Mesdemoiselles, Messieurs", adressierte der Grayson die versammelte Schar, die den beiden Männern am Kopf der Tanzhalle in gespannter Erwartung entgegenblickte. "Ich freue mich, Sie heute alle hier vor mir stehen zu sehen – Sie, allesamt geborene Tänzerinnen und Tänzer, die Crème de la Crème und der ganze Stolz unserer compagnie!" Peter deutete eine Verneigung an und faltete dann beinahe andächtig die Hände. Derweil kam Victor nicht umhin, kaum merklich die Nase zu rümpfen: Auch ein Weg, seine Kinder zu verziehen. Schleimer. "Noch viel mehr freut es mich aber, Sie endlich meinem Kollegen, guten Freund und Ihrem neuen Tanzmeister vorstellig machen zu dürfen. Sein Name ist Ihnen allen ein Begriff, sein Ruf eilt ihm voraus: Victor DeWitte, meine Damen und Herren!" Eine Hand landete auf Victors Schulter und drückte sie kurz, ehe Peter ihm vor dem Hintergrund eifrig-nervösen Applauses der Tänzer mit einem Augenzwinkern die Bühne und das Wort überließ, es sich in einen der beiden Stühle vor dem Flügel in der Ecke bequem machte und lässig die Beine übereinanderschlug, sodass seine zitronengelben Socken unter seiner türkisen Anzughosen hervorlugten.
Der DeWitte ließ die peinliche Akklamation seiner zukünftigen Schüler und Schülerinnen kommentar- und regungslos verstreichen, atmete währenddessen das vertraute Bouquet ein, das ihm aus ihrer Richtung entgegenströmte: Es roch nach Puder, Schminke und Schweiß, Desinfektionsmittel, Spray-Deo und einem Hauch Lavendel. Köstlich. Der vertraute Duft weckte etwas tief in ihm. Was genau, konnt er nicht sagen. Sehnsucht. Begierde. Die Kreatur im Verborgenen, die wie ein zu lange an ein und dieselbe Wand gestarrt habendes Raubtier im Käfig die Ohren spitzte und sich erwartungsvoll die Lefzen leckte – Hunger... Zum ersten Mal ließ Victor seine blauen Augen über die Menge der Versammelten fliegen, streifte die Gesichter der Umstehenden, hielt Ausschau nach etwas, das seine Aufmerksamkeit verdiente. "Ich habe weder das Bedürfnis, mich vorzustellen, noch besteht die Notwendigkeit, dass ich es tue – Sie werden von mir gehört haben und selbst herausfinden müssen, was davon alles der Wahrheit entspricht", erhob er schließlich die Stimme, der Ton darin kühl, beinahe klinisch distanziert. "Allerdings komme ich nicht umhin, Sie darauf hinzuweisen, dass Peter Sie soeben angelogen hat."
"Ach? Hab ich das?" Peter blinzelte, ehrlich erstaunt und nicht minder amüsiert, beugte sich in seinem Stuhl etwas vor: "Jetzt bin ich aber gespannt, Vic: Inwiefern denn?" Verhaltenes Gekicher aus einer Ecke des Saals. Der DeWitte ignorierte die schamlose Darbietung bodenloser Unprofessionalität im Ballettunterricht ebenso wie die ihm äußerst missliebige Benutzung seines Spitznamens und verzog keine Miene, während er – die Tänzer im Blick – auf Peters Frage antwortete: "Keiner von Ihnen – kein einziger – wurde zum Tänzer oder zur Tänzerin geboren. Ganz egal, wie viel Talent Ihnen in die Wiege gelegt worden sein mag, Sie alle wurden gemacht, geschaffen und geschliffen von jenen, die vor mir kamen, die Ihnen eine Chance gaben, Sie überhaupt tanzen ließen. Also bilden Sie sich nicht allzu viel auf Ihr Talent ein. Die meisten von Ihnen lassen sich ohne Weiteres von der Tänzerin oder dem Tänzer zu Ihrer Linken oder Rechten ersetzen." So viel zum Thema, was er von der 'Crème de la Crème', dem 'ganzen Stolz unserer compagnie' hielt. Selbst Peter tat sich schwer damit, nach diesen Worten noch ein Lächeln im Gesicht zu bewahren. Alles, was er zustande brachte, war ein verlegenes Schmunzeln und ein Blick auf seine Armbanduhr: Noch nicht mal ne Minute im Raum, Vic, und du vergraulst mir hier schon meine besten Ballerinas? Also wirklich! Doch den DeWitte ließen die subtil vorwurfsvollen Seitenblicke seines Kollegen kalt. Er war nicht hier, um die fragilen Egos irgendwelcher Pavlova-Verschnitte und Möchtegern-Baryshnikovs zu verhätscheln, sondern um jene Wenige unter ihnen zu finden, die wirklich etwas Besonderes waren und sich nahtlos in seine Kunst einfügten...
Time to get down to business. "Ich werde Ihnen nicht verraten, für welches Stück ich Sie vortanzen lasse. Noch nicht. Vor einer Woche haben Sie von mir drei Kombinationen erhalten, an denen ich Sie heute messen und dann entscheiden werde, ob Sie das Zeug dazu haben, an besagtem Stück in einer Hauptrolle mitzuwirken." Victor war sich bewusst, dass eine Woche herzlich wenig Zeit war, um eine Kombination auswendig zu lernen – drei Kombinationen, von denen außerdem keine einzige einfach war, war nahezu unmöglich. Aber wer unter seinen Fittichen tanzen wollte, musste sich damit abfinden, dass der Meister nichts Geringeres als das Unmögliche seinen Schülern abverlangte. "Es ist kein Geheimnis, dass ich… wählerisch bin, was das Material angeht, mit dem ich arbeite." Erneut wanderte sein Blick durch den Raum, bliebt für den Bruchteil eines Lidschlags an einem bleichen Gesicht unter einer Krone aus zu einem Dutt hochgesteckten roten Haaren hängen, das ihn aus großen, hellen Rehaugen anstarrte, ehe er bereits zur nächsten Ballerina schweifte. "Lassen Sie mich sehen, aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Beeindrucken Sie mich. Sie haben eine Chance." Er ließ seine Worte kurz ihre volle Wirkung entfalten, wie einen guten Rotwein, der erst atmen musste, ehe er in die Hände klatschte und dem Pianisten einen Wink gab: "Maestro, wenn ich bitten darf. Tänzer! Aufstellung zur ersten Kombination. Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen., in Dreiergruppen."
What Have They Done To Us
Horizon Zero Dawn | Geschwisterdynamik, Hurt/Comfort, Trauma | FSK-18+ | 2er-RPG (multiple OFCs possible) | ca. 10 Jahre vor den Main Events in HZD
[RESERVIERT]
Die Feder des Chronisten kritzelt das Jahr 3031 hernieder. Dunkelrote Tinte fließt in die Fasern des Pergaments, versickert darin so träge wie das dieser Tage vergossene Blut im Erdboden des Sonnenreichs und der daran angrenzenden Territorien.
Vor drei Jahren hatte Jiran, 13. Sonnenkönig des Carja-Stammes und Herrscher über die Lande diesseits von Daytower Gate, zum ersten Feldzug gegen die benachbarten Stämme der Oseram, Utaru, Banuk, Tenakth und Nora geblasen. Weite Landstriche waren seither von Jirans Streitkräften heimgesucht worden, ganze Dörfer und Städte vernichtet, die Bewohner gefangen genommen und verschleppt, um später in der Arena in Sunfall in einem mehr als unfairen Kampf gegen Maschinen geopfert zu werden - alles in der Annahme, die verärgerte Sonne ließe sich dadurch versöhnlich stimmen und möge der Maschinenstörung, die das Land seit der Verdunkelung des Himmels vor einem Jahrzehnt plagt, endlich ein Ende bereiten. Doch die Gottheit schmollt, ist offensichtlich nachtragend und gierig, denn warum sonst zeigten die zahlreichen Menschenopfer bis anhin keine Wirkung. Die Lösung? Noch mehr Opfer. Noch blutigere Kämpfe. Noch mehr Krieg.
So wüteten Jirans Häscher unter Anweisung ihres wahnsinnig gewordenen, religiös verblendeten, paranoid gewordenen Herrschers maßlos weiter, verübten im Namen der Sonne die schändlichsten Gräueltaten und versetzten Jahr ein, Jahr aus die Nachbarstämme erneut in Angst und Schrecken. Einige versuchten die Carja mit Gaben und Geschenken zu beschwichtigen, andere bauten hohe Mauern und robuste Verteidigungsanlagen gegen die Invasoren aus dem Westen. Wieder andere flüchteten ins abgeschiedene Hinterland, versteckten sich und errichteten Mahnmale aus toten Carja-Soldaten zur Abschreckung, oder stellten sich ihnen vereint in den Weg, um ihr Leben und das ihrer Liebsten bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen, immer im Wissen, dass sie, wenn sie dem Feind in die Hände fielen, Sklaverei oder ein noch schrecklicheres Ende als Sonnenopfer erwartete – vorausgesetzt sie überlebten die Internierung in Bollwerken wie dem Tagturm...
***
Eisige Luft zog pfeifend durch die Ritzen im Gemäuer der Festung. Die Insassen in der viel zu kleinen Zelle fröstelten, rückten noch näher aneinander, um sich an der Wärme des Nachbarn zu laben, obschon auch der nicht mehr viel davon übrighatte. Auf einem sichtlich geschundenen Leib in der Ecke, der sich schon seit geraumer Zeit nicht mehr geregt hatte, stand auf Zehenspitzen ein Kind. Die metallenen Clips in seinem zerzausten, gelben Haarschopf und die Eisennieten in seinem verdreckten Gewand verrieten es als Oseram, und bei genauerem Hinsehen erkannte man unter einer Schmutzschicht die Gesichtszüge eines vielleicht elf- oder zwölfjährigen Mädchens.
Yarrow hielt die Gitterstäbe des Fensters über ihr fest umklammert, zog sich mit aller Kraft daran hoch, bis sie hinaussehen konnte. Es schneite über dem Gebirgspass. Große, dicke Flocken fielen leise tanzend vom Himmel, verschleierten den Weitblick ins Tal, das im Westen lag. Das Gebiet der Nora, wusste die Kleine. Sie war gut in Geografie, hatte die alten Landkarten, die ihr Vater zuhause rumliegen hatte, genauestens studiert – nicht, dass es ihr jetzt etwas nützte, eingeschlossen in diesem Gefängnis wie sie war. Aber das Fenster war wie ein Blick in die Zukunft – Medizin gegen das ohnmächtige Warten auf das, was noch kommen würde, gegen die Ungewissheit, die schlimmer war als Hunger und Kälte.
Der Wind blies Yarrow eine Woge voll Schneeflocken ins Gesicht. Ihre kleinen Hände schmerzten vor Anstrengung, doch sie ließ nicht los, presste stattdessen die Brust gegen die Mauerwand und blinzelte die Eissterne weg, ehe sie den Blick wieder auf die Passstraße richtete, wo sie nun einen Schemen ausmachen konnte. Sie kniff die Augen zusammen und fixierte die undeutlichen Umrisse im Flockengewirbel, versuchte angestrengt herauszufinden, was – oder wer – sich da aus dem Schneesturm dem Tor der Carja-Grenzfestung näherte. Dann plötzlich regte sich der Körper unter ihr und ein erschrockener Laute entfuhr der Kleinen. Yarrow ließ die Gitterstäbe los und fiel, rutschte mit dem Stiefel auf dem Leib, den sie als Steighilfe benutzt hatte, aus und landete mit einem dumpfen Whump! unsanft auf dem Hintern. Ach du heiliges Blech! Mit vor Schreck geweiteten Augen starrte sie auf den Gefangenen, der allen Anscheins nach doch noch nicht erfroren, sondern nach wie vor unter den Lebenden weilte... Eiligst ihre Verstörung über diesen Umstand und das damit einhergehend aufkommende schlechte Gewissen beiseite schiebend, rappelte sie sich auf und flüchtete in die andere Ecke des Raums, wo an die Wand gelehnt eine Gestalt kauerte, den Kopf zur Seite gekippt, offenbar im Dämmerzustand. Yarrow ging vor der Gestalt in die Hocke, rüttelte an ihrer Schulter und zupfte ihr aufgeregt am Wams, wisperte: "Psst, aufwachen! Hey, XY, wach auf… wach auf, ich glaub.... ich glaub, sie kommen!"
T&Cs:
Gesucht wird der Part von XY: XY kann m oder f sein, ist idealerweise zwischen 15 und 18 Jahren alt und gehört dem Stamm der Oseram, Banuk oder Nora an. Solltest du ein Mitglied aus einem anderen Stamm bespielen wollen, ist das grundsätzlich kein Problem - wir müssten dann einfach an einem anderen Ort als im Daytower loslegen.
Mein Part ist derweil der von Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen., einer elfjährigen Oseram aus einem Minenarbeitercamp nahe Mainspring, der Hauptstadt im Anrecht. Verhältnismäßig klein und überdurchschnittlich schmächtig für ihr Alter und ihren Stamm, ist sie im aktuellen Zeitpunkt sicher keine große Hilfe im Kampf gegen den Feind. Dafür ist die Kleine umso geschickter mit ihren Händen, ein Improvisations- und Basteltalent und auch mit ihrer Schleuder nicht ganz unbedarft. Was sie nicht in den Armen und Beinen hat, hat sie im Köpfchen - wobei sie ihre Neugierde und ihr Übereifer immer mal wieder in Schwierigkeiten bringen. So hätte sie es etwa besser wissen müssen, als auf eigene Faust loszuziehen und den Spuren einer Carja-Truppe zu folgen, nur um sich ganz unverwandt plötzlich inmitten deren Lager wieder zu finden... ups.
NPCs dürfen selbstverständlich fleißig bespielt werden.
Beziehung zwischen den Charakteren: XY und Yarrow sind entweder tatsächlich Geschwister oder aber Fremde, deren Beziehung im Laufe des Abenteuers geschwisterlich-familiäre Züge annehmen soll. Beide sind bereits zu Beginn der Story gekennzeichnet vom Kampf gegen Invasoren aus dem Sonnenreich, haben Leute verloren, die sie kannten und die ihnen nahe standen - doch nun sind sie kurz davor, die Grausamkeit der Carja am eigenen Leib zu erfahren. Was sie bis anhin an Gräueltaten erlebt haben, soll erst der Anfang von allem sein. Angedacht ist, dass sie früher oder später gemeinsam in die Sklaverei nach Meridian verkauft oder gleich nach Sonnenfall verfrachtet und dort in der Arena den Maschinen als Spielzeug vorgeworfen werden. Wie sie aus dem Riesenschlamassel wieder rauskommen, bestimmen wir gemeinsam. So oder so: XY wird sich zwangsläufig als Yarrows Beschützer entpuppen, bis sie (vielleicht auch durch seine Hilfe) lernt, sich selbst zu verteidigen. Je nach dem, was den beiden im Laufe des Abenteuers zustößt und welche Traumata sie durchleben müssen (etwa der Verlust von Familienmitglieder, Verstümmelung/Verkrüppelung, PTSD, im Falle von Geschwistern etwa gegenseitige Schuldzuweisungen am Tod wichtiger nahestehender Personen, das Erleben von Todesangst und Verzweiflung...) soll die Beziehung mal mehr, mal weniger von Spannung, aber auch von schönen Momenten, in denen sie sich gegenseitig Halt und Hoffnung spenden, geprägt sein. Gut möglich aber, dass es vor einem etwaigen Zeitsprung zum Zerwürfnis kommt - und man sich später wiederfindet, Frieden und zumindest einen Waffenstillstand schließt, weiterkämpft.
Zeitspanne: Das Play sollte sich über einem Zeitraum von knapp einem Jahrzehnt erstrecken, also insbesondere den Aufstand der Carja-Jägergilde, später den Carja-Bürgerkrieg und die Machtübernahme durch Avad, sowie zuletzt die Zerschlagung der Schatten-Carja in der Schlacht um Meridian umfassen. Diese relativ weite Zeitspanne navigieren wir mittels Zeitsprüngen, wie es uns beliebt.
Canon: Die Welt von Horizon Zero Dawn ist gigantisch. Ich möchte mich deshalb der Einfachheit halber so weit nötig und möglich an die Infos aus dem deutschen und englischen Fan-Wiki halten - Headcanons, Lückenfüllung und kleinere Abweichungen von der Quelle sind nach Absprache aber durchaus möglich. Ach, und du hast bestimmt gemerkt, ich benutze die englischen und deutschen Bezeichnungen nicht einheitlich - ganz ehrlich, wenn dich das stört, können wir uns gerne auf eine Sprache festlegen, ich richte mich da ganz nach dir.
OPEN:
[...]
RESERVIERT:
# Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen. - Inmitten der blutigen Unruhen der Roten Raubzüge finden zwei Jugendliche Halt und Hoffnung im jeweils anderen. Zusammen müssen sie einen Weg finden, um den Carja-Truppen von Sonnenkönig Jiran zu entkommen und Verbündete im Widerstand gegen den wahnsinnig gewordenen König zu finden. Ihr beider Überleben hängt davon ab.
# Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen. - Sommer 1866, Dakota Territory, Wyoming: Stationiert in Fort Reno, muss First Sergeant Elias Hopwood nach Jahren des Bürgerkriegs nunmehr im Rahmen der Westexpanision in der gefährlichen Wildnis am Fuße der Bighorn Mountains nicht mehr gegen Konföderierte, sondern an deren Seite gegen die Krieger der hierorts ansässigen Indianerstämme ins Feld ziehen. Konfrontiert mit einer weiteren Welle nicht enden wollender sinnloser Gewalt, hadert er mit Gott und sich selbst. Trost in seiner melancholischen Verlorenheit spendet ihm nur die Schönheit der Wälder, Flüsse und Felder des Landes, durch das er wandelt - bis er er eines Tages auf sie trifft.
CLOSED:
[...]
Huh - es war tatsächlich ein pinimg.com Bild.
Nvmd, hat jetzt geklappt. Was ich falsch gemacht hab, weiß ich zwar immer noch nicht... aber es funktioniert jetzt! :D
Helloo, ich hab da ein klitzekleines Problem.
Wenn ich einen Beitrag mit einem Bild schmücken möchte, zeigt es anstelle des Bildes lediglich "Blockierte Grafik: [...]" samt Link zur betreffenden Grafik an. Ist das ein urheberechtliches Problem oder mach ich einfach was falsch?
Grazia fitsch fürs Annehmen meiner!
Allegra und hi y'all! <3
Ja, ich bin so eine - um die Anglizismen und stellenweisen Einschübe aus anderen Sprachen kommt ihr mit mir im Gespräch nicht rum. Wenn's darum geht, meine eigenen Gefühle und Gedanken auszudrücken, dann funktioniert das einfach so viel besser auf Englisch oder Rätoromanisch, und weil Letzteres sowieso keiner versteht/spricht (falls doch, hello, dear Cousin!), muss meinereiner halt auf die nächstbeste Weltsprache ausweichen. Oh well.
Entsprechend bin ich beim Posten etwa direkter Rede auf Englisch (oder wahlweise auch in einer anderen Sprache) nicht abgeneigt - ganz im Gegenteil! Ich kann aber - auch gerne - einfach nur auf Deutsch schreiben, wenn euch das lieber ist. Dahingehend gleich der nächste Disclaimer: Ich komm aus der Schweiz, ne? Wir haben hier kein scharfes "ß" - die Aussage wurde soeben unterstrichen dadurch, dass ich "scharfes S" erst googlen musste, um das entsprechende Symbol copypasten zu können. ^^' Jedenfalls: Nehmt's mir nicht übel, wenn ich einmal vergesse, die Hochdeutsch-Korrekturhilfe über meine Texte drüberzujagen und anstelle von "Maßstab" "Massstab" schreib.
The basics, maybe: Ich hab RPG vor ca. fünf Jahren für mich entdeckt, allerdings bereits davor Fanfiction, One-Shots und meine eigene Form von Tagebuch geschrieben. Für einen full-scale Roman hat es bis anhin noch nicht gereicht, aber... ich träum mich immer mal wieder in eigene Welten hinein, und manchmal landet etwas davon in Schriftform auf Papier. Also... maybe some day. Ich zeichne auch wirklich gern, bin aber zu ungeduldig und minimalistisch veranlagt, um mich darin zu verbessern. Ist'n generelles Problem, sagen wir's mal so.
Was Rollen und Genres anbelangt bin ich enorm flexibel und ziemlich vielfältig: Ich turn mit meinen Schreibpartnern genauso gern als Cowboy durch den Outerspace wie durch den historischen Wilden Westen, finde mich sowohl in Cyberpunk-Dystopien wie in einer Zombieapokalypse gut zurecht, schwing mich enthusiastisch und mit Gebrüll auf den Rücken eines Drachen und mach Jagd auf Dunkle Brut, Urgals, Anhänger der Absoluten oder Orks, bin der Ork und nage mit Vorliebe an Hobbit-Gebeinen, löse gerne Morde, begehe gerne Morde, bin dann auch gleich gern Kläger, Verteidigung und Richter in ein und derselben Person, mime die Damsel-in-Distress, dann wieder den Dragon-in-a-Dress, oder auch einfach nur den lustigen Sidekick, der im richtigen Moment ne 20 auf Humor würfelt. Ich liebe To-Die-For-Friendships und Pairings - letztere dürfen auch mal kein happy ending haben. FSK-18+ Inhalte dürfen mit mir ausgespielt werden, auch in härteren Varianten - nur Stil ist mir dabei sehr wichtig. Bei plumper Smut-Violence löschts mir alle Lichter ab.
Allerdings muss ich mich aufgrund diverser anderer Verpflichtungen im Alltag - Job, Partnerschaft, und grade vor allem Studium - selber manchmal etwas an der Nase nehmen und mir ab und an bei einem Part, den ich zwar furchtbar gerne übernehmen und ausspielen würde, einen Riegel vorschieben. Einfach weil es sonst zeitlich nicht mit allem aufgeht. Nehmts mir bitte nicht übel.
Ansonsten so... Ich bin 22, komme wie schon gesagt aus der Schweiz, liebe daher auch ganz stereotypisch Berge, Käse und Schokolade, darüber hinaus Serien wie Lost, Arcane (huh - surprise, surprise) und Peaky Blinders sowie Games wie Baldur's Gate, Red Dead und Horizon Zero Dawn, habe eigentlich fast ausnahmslos zu jeder Minute des Tages Musik auf den Ohren, bin diagnostizierter Zappelphilipp und darum zum Runterkommen viel draußen im Freien und meist sportlich unterwegs, oft in Begleitschaft unserer beiden Hunde (ein Shiba und eine ur-süße spanische Promenadenmischung), und wünsche mir, irgendwann in den nächsten Monaten/Jahren mal eine Pen-and-Paper-Gruppe auf- und ein Plays mit ihr durchziehen zu können - Tips von anderen DMs sind da immer herzlich willkommen!
That's the gist of it. <3 Danke, dass ich hier sein darf! :) Ciao!
Loving this. <3
Neu "kennenlernen" wird diesen Track wahrscheinlich keiner, aber er läuft hier grad bei mir im Hintergrund, thought I'd share:
Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen.
Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!