How Remington Stole Christmas
erzählt von einer Mrs.Doubtfire-ähnlichen Erzählerin
Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen.
Ach meine Lieben, setzt euch, setzt euch - aber vorsichtig, ja? Die Kissen hier sind voller Tannennadeln. Wintercrest ist eben Wintercrest. Es glänzt hier alles so sehr, dass selbst die Engel im Himmel eine Sonnenbrille bräuchten. Ein Dorf wie ein Zuckerschock, das ganz offenbar in der Zeit stehen geblieben ist. Doch heute erzähle ich euch keine gewöhnliche Weihnachtsgeschichte. Nein, Liebchen. Heute erzähle ich euch von Remington. Ach, Remington… Armer Junge. Wenn man ihn heute sieht, dann glaubt man kaum, dass er einmal ein weiches Herz hatte. Ein Herz so groß wie ein Truthahn am Heiligen Abend, sage ich euch. Nur… Wintercrest hat ihm den Ofen etwas zu heiß gedreht. Remington war früher ein hübscher Junge. Oh ja, das dürft ihr mir glauben. Nicht hübsch im klassischen Sinne - oh nein! Er war hübsch auf diese Art, bei der man sagt: „Der Junge spielt in einer eigenen Liga, verstehst Du?“ So ein Gesicht, das man nicht vergisst. So ein Gesicht, über das alte Frauen beim Bäcker flüstern: „Ja, das ist er. Der Remy-Junge.“
Und dann geschah er, der Vorfall. Der kleine Gisbert, Sohn des Bürgermeisters, tot am Waldrand gefunden - und niemand wusste, wie, oder warum, oder von wem. Traurig, schrecklich, herzzerreißend. Aber Wintercrest braucht schneller einen Schuldigen, als man „Lebkuchen“ sagen kann. Und Remington? Nun… er war ein eigenwilliger Junge, ein bisschen zu still, ein bisschen zu anders. Ein bisschen zu… Remington eben. Sie zeigten auf ihn, als wäre er der Teufel in einer Nikolausmütze. Ich erinnere mich noch genau - oh, mein Herz zieht sich zusammen wie eine schlecht gestrickte Socke - wie seine Mutter damals mit rotgeweinten Augen am Rand des Dorfplatzes stand. Wie sie mehr flüsterte als sprach: „Er hat es nicht getan… er hätte es nie getan…“ Aber Wintercrest? Wintercrest hört nicht zu. Wintercrest will Ordnung. Und wenn Ordnung ein Opfer braucht, dann finden sie eines. Immer. Seine Familie packte zusammen, sie flohen, husch husch, wie Schatten im Schneesturm. Nur Remington blieb. Der Junge, über den jeder sprach, aber keiner mit ihm. Der Junge, der nie wegging - vermutlich, weil er nicht wusste, wohin. Und, oh Liebchen… Menschen, die zu lange allein gelassen werden, werden seltsam. Eingeschneit im Herzen. Oder wie Remington zu einer Art menschlichem Sturm, der alles durcheinanderwirbelt. Remington war so furchtbar allein, dass selbst die Krähen sich für ihn schämten. Er begann, seltsam zu werden. Aber nicht die harmlose Art „Ich sammle Porzellanfiguren“-seltsam. Nein nein. Sondern die Art, bei der man morgens wach wird und plötzlich ein lebensgroßes Holzrentier mit rotglühenden Augen im Vorgarten steht, einem direkt in die Seele starrt und „HO… HO… HO…“ röchelt, weil Remington ihm einen Bewegungsmelder eingebaut hat. Oh, er ist so kreativ! Wenn auch auf eine Art, bei der man manchmal befürchtet, dass er die Kreativität auf Körperwärme testet, falls Wintercrest ihn weiter nervt. Er hackt die Lichterketten. Er manipuliert Musikboxen. Er sabotiert den großen Weihnachtsbaum. Er lässt die Glocken läuten, wenn sie ganz bestimmt nicht läuten sollten. Das ganze Dorf ist in dauerhafter Angst .. und ein bisschen Erregung. Denn Remington hat diese Art von Präsenz, wisst ihr? Eine Mischung aus „Lauf davon“ und „Lauf zu mir“. Und oh, manche laufen. Vor allem der Sheriff, behauptet jedenfalls Remington. Denn mittlerweile macht er nicht nur Lichterketten, Autos und Weihnachtskugeln kaputt, sondern auch die Geduld des Sheriffs. Oh, besonders die. Großer Gott, wenn ihr den sehen würdet. Dieser große, raubeinige Mann in den Vierzigern, der aussieht, als könnte er Remington mit einer Augenbraue disziplinieren. Ein Mann mit einer Stimme wie Whiskey und Blicken wie Handschellen. Wintercrest behauptet: Der Sheriff jagt Remington. Aber ich behaupte: Der Sheriff sucht eine Ausrede, um diesen Mann zu sehen. Und Remington? Nun, wenn der Sheriff vor ihm steht, die Hände an der Hüfte - ach Liebchen, ich habe noch nie jemanden so wütend, nervös und… lebendig gesehen wie Remington in diesem Moment.Der Sheriff hat gesagt, er lässt sich nicht von Remington toppen. Oh, wie niedlich. Wie wunderbar männlich trotzig. Da möchte man ihm über die Wange streicheln und sagen: „Versuch mal ganz tief einzuatmen, Schätzchen.“
Es ist eine Katze-und-Maus-Geschichte, meine Lieben, aber die Maus hat Messer und die Katze hat Erfahrung. Hehehe. Man sagt, Remington sei sadistisch. Ach, vielleicht ein bisschen! Aber auf die charmante Art, wie jemand, der weiß, dass er nichts zu verlieren hat. So ein Sadismus, der nicht aus Bosheit kommt, sondern aus… Nun ja. Aus einem Herzen, das so oft gebrochen wurde, dass es die Welt lieber bricht, bevor sie es wieder tut. Er lebt jetzt am Berg, fast völlig verborgen, beobachtet Wintercrest mit der Liebe eines Mannes, der eine Stadt verflucht hat und der sie trotzdem nicht loslässt. Er sabotiert alles mit Kunst und Hingabe und einer Häme, die so schön ist, dass man sie einrahmen könnte. Und jedes Mal, wenn der Sheriff ihn stellt - (jaja, das tut er oft; und nein, er gewinnt nie - ach, Männer…) jedes Mal sieht man diesen Moment in Remingtons Augen diesen Funken. Ach, meine Lieben. Dies ist keine gewöhnliche Weihnachtsgeschichte. Dies ist Wintercrest. Und das ist eine Grinch Geschichte. Eine Geschichte, die man am besten bei Kerzenlicht liest. Oder im Dunkeln. Ganz im Dunkeln. Wie er es mag.
(gez.: Remington)
Remington Remy
Name: Remington Remy
Alter: 31 (wirkt jünger - aber nicht weicher)
Geburtsort: Wintercrest
Größe: 1,88m
Aussehen: dunkle, wirre Haare; ausdrucksstarke Augen; „zu viele Emotionen für ein einzelnes Gesicht“
Aura: Mischung aus „nicht anfassen“ und „versuch’s ruhig, ich sterbe nicht“
Remington Remy ist ein Mann, der sich so tief in den Schatten Wintercrests eingewoben hat, dass selbst der Schnee um ihn herum leiser fällt. Dreißig, vielleicht einunddreißig Jahre alt, mit einer schlanken, drahtigen Statur, die mehr Ausdauer als Kraft verspricht (kein Wunder, es sieht ihn ja auch niemand nackt!) - einer, der nie stehen bleibt, ohne die Welt um sich herum zu beobachten. In seinem Gesicht liegt eine ständige Unruhe, die weder ganz Wut noch ganz Schmerz ist, viel mehr ein eigentümliches Zwischenstadium: etwas Wildes, etwas Verwundetes. Seine Augen, dunkel und glitzernd wie schwarze Weihnachtskugeln, zeigen in jedem Moment zu viel und Remington hasst das. Er hasst es, dass er nicht lügen kann, ohne dass seine Mimik ihn verrät. Remington kleidet sich fast ausschließlich in dunklen Mänteln, alten Stiefeln und fingerlosen Handschuhen, als müsse er jederzeit bereit sein, entweder einen Stromkasten zu sabotieren oder im Wald verschwinden. Es sei denn er ist alleine in seinem Unterschlupf, da läuft er durchaus gerne in palmenbemusterter Shorts und Flip Flops herum. Seine Bewegungen wirken manchmal elegant, dann wieder grotesk überzeichnet, wie ein Mann, der zu viel Energie im Gesicht und zu wenig in der restlichen Körpersprache hat. Ein Mensch, der ins Dorf kommt und aussieht, als hätte er gerade fünf Weihnachtsbäume angezündet und wäre auf dem Weg, daen sechsten zu erwürgen.
Aus dem verlassenen Wetterobservatorium hat er sich einen Unterschlupf gemacht - eine Mischung aus Werkstatt, Zufluchtsort und stummem Mahnmal seiner Vergangenheit. Wintercrest war sein Geburtsort, aber gleichzeitig auch sein Gefängnis. Und der Tatort seines Lebens - wenn man es so nennen will. Er war fünfzehn, als der Sohn des Bürgermeisters tot am Waldrand gefunden wurde. Niemand wusste, was wirklich geschehen war. Niemand wollte es wissen. Wintercrest war ein Dorf, in dem Harmonie wichtiger war als Wahrheit. Und Remington… Remington war anders, ein perfekter Sündenbock.
Seine Familie hielt den Druck nicht aus. Sie flohen mitten in der Nacht, so erzählte man es sich, ließen ihrer alte Hütte im Wind zurück und mit ihr einen Jungen, der plötzlich allein war. Er blieb. Und das Dorf ließ ihn bleiben, wie man etwas lässt, das einem unangenehm ist. Mit distanzierter Toleranz, als wäre er ein lebendiger Schandfleck im Schneeglanz.
Über die Jahre wurde Remington immer seltsamer. Ein Saboteur der Heuchelei. Ein Künstler der Zerstörung. Er erschreckt gerne Menschen, weil Reaktionen ihm zumindest das Gefühl geben, lebendig zu sein. Er ist ein Sadist, aber ein melancholischer. Trotz allem hat er ein gutes Herz. Also so tief unter Eis eingeschlossen, dass es nur in seltensten Momenten hervorschimmert. Wenn ein Kind frierend nach Hause läuft, legt er ihm unauffällig Handschuhe an den Platz, an dem es sie finden musste. Wenn ein verletztes Tier im Schnee liegt, nimmt er es mit und pflegt es. Doch sobald jemand ihn dabei hätte sehen können, verwandelt sich sein Gesicht wieder in die boshafte Grimasse eines Mannes, der angeblich nichts fühlte.
Zacharias Crafford
I spent a lifetime watching all the evil shit people did to each other. Nothing got to me anymore.
⌖ Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen. ⌖
Name: Zacharias Crafford ⌖ kurz: Zach, Cop, Chief, Sheriff, Bulle, Mistkerl, Arschloch, Bastard, etc.
Alter: 45 Jahre 'jung' ⌖ ich bin zu alt für diesen Scheiß
Geburtsort: Ein Kuhkaff in Kansas ⌖ das Viehtreiben liegt mir im Blut
Größe: 187 cm - mit Hut einen Tacken größer ⌖ es kann nun mal nicht alles groß sein, Schätzchen
Aussehen: Ergrautes Haar - mal mit, mal ohne Undercut ⌖ Sturmgraues Augenpaar ⌖ Wettergegerbter Teint ⌖ Abgewetzte Lederware
Charakter: Chauvinistisch, patriotistisch, proletarisch, korrupt, anstandslos ⌖ ich hab' den Charme einer Schmeißfliege und den Intellekt eines Holzfällers
Sonstiges: Besucht eine Selbsthilfegruppe der anonymen Alkoholiker mit mäßigem Erfolg ⌖ schießt schneller als sein Schatten ⌖ riecht nach Motoröl, Tabak und Old Spiece ⌖ ist sehr altmodisch in seiner Arbeitsweise ⌖ besitzt noch zwei uralte Revolver im Western-Stil ⌖ fährt einen antiken Ford Mustang ⌖ sein Kindheitsheld ist Lucky Luke ⌖ schraubt gern an Autos rum ⌖ geht regelmäßig zum Rodeo
Bad Timing – my speciality.
Wenn man nichts mehr zu verlieren hat, ist einem alles andere scheißegal. Gesundheit, scheißegal. Vernunft, scheißegal. Moral, scheißegal. Ich lebe nur noch in den Tag hinein, hetze von Auftrag zu Auftrag, schütte Fusel literweise in mich rein, qualme Zigarren… Sogar mein Doc macht sich Sorgen um mich – wenn ich so weitermache, ende ich wie alle anderen Versager als Schnapsleiche im Graben. Was soll's, mir geht's blendend, abgesehen von den elendigen Kopf- und Rückenschmerzen. Dagegen hilft nur eins; noch mehr Scotch. Während ich bis zur Besinnungslosigkeit saufe und den süßen Schlaf der Ahnungslosen herbeisehne, tobt in mir das Chaos. Ich habe das Gefühl, alles entgleitet mir. Ich bin nicht mehr Herr meiner selbst, nur noch ein fremdgesteuertes Wrack, das langsam aber sicher Kurs auf ein Riff nimmt, um endlich zu zerschellen. Was auch immer mich so lange am Leben gehalten hat, es genügt nicht, um mich bei Laune zu halten. Ich vermute, das macht mich zum Besten meines Fachs. Wenn du keine Angst um dein eigenes Leben hast, dann stürzt du dich umso furchtloser in den Kampf. Das macht leichtsinnig, aber auch waghalsig. Es ist der Adrenalinkick, der mich antreibt. Der mich glauben lässt, unbesiegbar zu sein. Der aus mir den wackeren Gesetzeshüter macht, den alle in mir sehen, egal wie zugedröhnt ich bin.
I got gallons of blood. Can't remember where it's from. Just clippings on the wall. I guess it's stuff that I have done.
Du willst wissen, wie mein Tagwerk aussieht? Willst mich für die Zeitung interviewen? Ha! Na, dann hör mal ganz genau zu - ich sag´s nur einmal: Früh morgens frühstücke ich erst mal flüssig' Brot, poliere das Eisen, tanke die Karre auf, gönn´ mir noch ´nen Shot, dreh´ ne Runde um den Block – seh nach dem Rechten, schnippe gegen die Hutkrempe, sage, dass der Job erledigt ist, kippe ´nen Shot, verfolge ´ne heiße Spur, mache auf dicke Hose und schieße in die Luft, schnappe den Täter, mache ihn dingfest, belohne mich mit ´nem Shot, gehe danach ins Bordell und markiere dort den Dicken, fange mir Sackflöhe ein, fluche darüber und suche qualitativ hochwertige Gesellschaft anderswo - Gesellschaft gefunden, wir teilen uns ne Flasche Jack Daniels, reden, philosophieren, lachen, schlafen nebeneinander ein, mitten in der Nacht hau ich ab und fange wieder von vorne an. Ein Teufelskreis, der mich glücklich macht, oder auch nicht. Warum ich dem Wahnsinn kein Ende bereite? Dafür bin ich zu stolz. Der Sensenmann soll mich holen kommen, wenn er es für richtig hält. Doch der Sensenmann lässt mich weiter warten. Statt mir diesen einen verdammten Gefallen zu tun, schickt er mich in dieses Kaff, das der Albtraum eines jeden Pessimisten ist. Disziplinarmaßnahme nennt man das heutzutage. Ich scheiß auf Disziplinarmaßnahmen! Die können mir alle mal den Buckel runter rutschen!